Erwachsenwerden in Leverkusen Neue Schulsozialarbeiter für Berufskollegs

Leverkusen · Soziale und psychologische Betreuung bei Jugendlichen wird immer wichtiger. Ein sechsköpfiges Team hat ein offenes Ohr für die Probleme von 3000 Schülern des Campus Bismarckstraße.

 Heike Fischer, Hannah Schmitt, Sevilin Gebelin, Lukas Kampel, Tobias Galka und Mo Kraus haben einen QR-Code für direkten Kontakt.

Heike Fischer, Hannah Schmitt, Sevilin Gebelin, Lukas Kampel, Tobias Galka und Mo Kraus haben einen QR-Code für direkten Kontakt.

Foto: Miserius, Uwe (umi)

Für Luer Ebermann, Schulleiter des Städtischen Berufskollegs für Wirtschaft und Verwaltung, und seine Kollegin Margot Ohlms vom benachbarten Geschwister-Scholl-Berufskolleg gab es gestern Morgen einen guten Grund, die Sektkorken knallen zu lassen – alkoholfrei versteht sich. Da wurden offiziell die drei neuen Schulsozialarbeiterinnen und Schulsozialarbeiter begrüßt, die sich gerade in ihre neue Tätigkeit an beiden Schulen einarbeiten. Der Bedarf sei groß, versicherte Ebermann.

Und er sei nicht zuletzt durch die veränderte Schülerschaft, die hier die unterschiedlichsten Abschlüsse in verschiedenen Berufsfeldern macht oder nachholt, in der Folge von Pandemie und Ukraine-Krieg weiter stark gestiegen. Bei 3000 Schülern an der Bismarckstraße und den beiden Nebenstellen an der Hardenbergstraße gebe es nunmal einen Querschnitt durch sämtliche Problemlagen wie schwierige häusliche Situation, Trauer, Mehrfachbelastung, Angst, (sexualisierte) Gewalt bis hin zu Suizidgefahren.

„Wir können nicht alles heilen“, sagt GSBK-Schulleiterin Margot Ohlms. Weder hätten Lehrer neben dem Unterricht die nötige Zeit, noch seien sie dafür ausgebildet. Aber sie könnten persönliche Probleme erkennen und Betroffene an die Fachleute vermitteln, manchmal sogar „hintragen“. Die seien außerdem nicht erst zuständig, „wenn die Hütte brennt“, betonte Beigeordneter und Schuldezernent Marc Adomat beim Empfang. Prävention sei ein wesentlicher Teil der Arbeit. Was sich im städtischen Finanzwesen natürlich nicht wirklich beziffern lässt. Aber er sei sicher, dass es - trotz aller Sparzwänge - sehr gut investiertes Geld sei.

Eigentlich steht das Land in der Verantwortung, denn die Kommunen sind nur für Gebäude und Ausstattung verantwortlich. Doch vom Land wird bisher nur einer der sechs Schulsozialarbeiter bezahlt. Das ist die Stelle von Tobias Galka, während die anderen – zwei mit einem Umfang von 75 Prozent – beim Träger Katholische Jugendagentur unter Vertrag stehen und über die Stadt abgerechnet werden. Galka ist, ebenso wie die neue Kollegin Sevelin Gebelein, an beiden Schulen im Einsatz, während Hannah Schmidt sowie Heike Fischer (seit 15. November an Bord) Ansprechpartnerinnen für Schüler des BKL sind, und nebenan im GSBK Mo Kraus und Lukas Kampel als Unterstützung begonnen haben.

Die Neuen sind noch sehr jung und haben sich ganz bewusst für die Tätigkeit mit Jugendlichen an einer Schule entschieden. Daniela Kröning, die hier vor zwölf Jahren als erste Schulsozialarbeiterin in Leverkusen startete, scheidet aus dem Dienst aus. Sie hat diese Begleitung nicht nur aufgebaut, sondern auch nach den passenden Personen Ausschau gehalten, die nun das Team verstärken. Dass Leverkusen schnell reagierte, kommt nun nicht nur den Betroffenen sofort zugute. „Noch gibt es Fachkräfte“, erinnerte Adomat daran, dass es auf dem Markt knapp werden dürfte, wenn andere Kommunen nachziehen.

Das sei nur der guten Zusammenarbeit von Schulen, Politik und Verwaltung in Leverkusen zu verdanken, betonte Bürgermeister und CDU-Schulpolitiker Bernhard Marewski. Er lobte den kurzen Draht zu den Schulleitungen, deren Wünsche man nach Möglichkeit zu erfüllen suche. Margot Ohlms versicherte, sei froh, dass dieselben Vertrauenspersonen hier langfristig arbeiten, denn: „Schulsozialarbeit ist Beziehungsarbeit“. Und ihr Kollege ergänzt schmunzelnd: „Auch wenn es hier so aussehen mag, wir sind keine Behörde.“ Abgesehen von jedem Einzelfall profitiert der ganze Campus von Präventions-Seminaren zu brennenden Themen.

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