Leverkusen: Sally Perel erzählte in der Marienschule, wie er den Holocaust überlebte

Holocaust-Überlebender Sally Perel in der Marienschule : „Versteckt unter der Haut des Feindes“

Sally Perel ist Opfer der Nationalsozialisten geworden. Wie er überlebte, erzählte er in der Marienschule.

 „Zeitzeugen sind die besten Geschichtslehrer“, sagt Sally Perel überzeugt. Deshalb  reist er auch heute noch von Schule zu Schule, um jungen Menschen von seinen Erinnerungen an die Zeit des Dritten Reichs und seiner Flucht vor der Verfolgung durch die Nationalsozialisten zu erzählen.

Die Friedrich-Naumann-Stiftung  machte dies am Donnerstagnachmittag für Schülern der Marienschule Opladen möglich. Um kurz nach eins betrat Perel unter großem Applaus die Bühne der Aula. Sally, mittlerweile 94 Jahre alt, begrüßte die Schüler mit dem hebräischischen Wort „Schalom“, was so viel wie „Frieden“ bedeutet. Er erzählte aus seiner Autobiografie „Ich war Hitlerjunge Salomon“, die er 1990 veröffentlichte. Seine Geschichte ist einmalig, denn er lebte, wie er selbst sagt, „versteckt unter der Haut des Feindes“. Er berichtete  von dem Moment, in dem er sich bekennen musste: Deutsche Soldaten richteten 1941 im weißrussischen Wizebsk ihre Waffen auf den 16-jährigen Jungen. Sie fragten ihn, ob er Jude sei. Ein Moment, der sein Leben für immer veränderte.

Er erzählte von seinem Vater, der ein sehr gläubiger Mann war und ihm  beim Abschied 1939 im polnischen Lodz sagte, er solle niemals vergessen, dass er Jude ist und immer ein Jude bleiben. Und von seiner Mutter, die ihm nur drei Wörter mit auf den Weg gab: „Du sollst leben.“ Perel hörte auf seine Mutter, was ihn am Leben hielt.

Er erklärte den Schülern, dass man im Leben auch mal lügen muss, auch wenn man es eigentlich nicht tun sollte. Eines sollte man allerdings auf keinen Fall tun: Leugnen. Leute, die den Holocaust leugneten, seien keine Lügner, sondern Verbrecher.

Statt Menschenliebe wurde in der NS-Zeit Menschenhass gepredigt. Auch heute spürt er diese Tendenz in der Politik wieder. Deswegen sieht er es weiterhin als seinen Auftrag, Kinder und Jugendliche in Deutschland zu belehren. Er wünscht sich, dass die Jugend diesen Auftrag fortführt. „Ihr seid ab heute auch Zeitzeugen“, macht Perel den Schülern klar. Zum Abschluss erzählt er von Kindern, die sich oft bei ihm entschuldigen. Er sage ihnen, dass sich niemand schuldig fühlen müsse. Denn Schuld könne  man nicht erben. Er liebe die deutsche Jugend und habe auch das Gefühl, dass die deutsche Jugend ihn liebe. Dies erkenne er an den vielen Freundschaftsanfragen, die er auf Facebook erhält. Seine Erzählung endete, wie sie begonnen hatte, mit einem Wort: „Schalom“.

Eine Schülerin wollte wissen: „Haben Sie noch Kontakt zu ihren alten Schulkameraden?“. Perel antwortete, dass er tatsächlich einige nach der Kriegszeit wiedergefunden habe. Und auch seine Jugendliebe.