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Leverkusen: Riopelles Werk "Multiples" ist in Morsbroich zu sehen

Leverkusen: Bild der Woche Nummer 7 : Riopelles reliefhafte Schwergewichte

Die RP stellt ausgewählte Arbeiten aus städtischem Kunstbesitz vor, die aktuell im Museum Morsbroich zu sehen sind. Diesmal: Jean-Paul Riopelles „Multiples“. Er ist einer der wichtigsten Vertreter des Informel.

Google Earth gab es definitiv noch nicht, als Jean-Paul Riopelle 1956 sein „Multiples“ schuf. Doch könnte man bei seinem abstrakten Gemälde an die stark vergrößerte Aufsicht auf ein Dorf oder eine Stadt denken. Nicht nur dieses Querformat im Besitz der städtischen Sammlung Morsbroich, sondern genauso die stilistisch ähnlichen Hochformate aus jener Zeit wirken landschaftlich, obwohl sie tatsächlich nichts Reales abbilden.

Mit breitem Pinsel, Messer und Spachtel hat der gebürtige Kanadier die Pastose-Farbe verschwenderisch in mehreren Schichten aufgetragen. Überlegt und doch spontan, mit Elan und Kraft, was deutliche Spuren hinterlassen hat. Seine Bilder sind fast reliefhafte Schwergewichte.

Die Strukturen und kleinen Farbflächen verteilen sich wie bei einem Mosaik kreuz und quer über die ganze Leinwand. Bleibt man bei der Vorstellung einer Luftaufnahme von urbaner Bebauung, dann ist es ein Ort, der allmählich in alle Richtungen gewachsen und keineswegs am Reißbrett eines Stadtplaners entstanden ist.Außerdem schuf Riopelle keine echte Begrenzung. Seine Arbeit könnte der Teil-Ausschnitt eines größeren Bildes sein, das sich über die Ränder hinaus fortsetzt.

Jean-Paul Riopelle ist 1923 in Montreal geboren, wo er nach abgebrochenem Mathematikstudium an der Kunstakademie Malerei studierte. 1947 siedelte er nach Paris, dem Sehnsuchtsort vieler Künstler, über. Dort kam er in Kontakt mit verschiedenen zeitgenössischen Stilrichtungen wie Action Painting, Surrealismus, Automatismus, Tachismus und Informel. Der Kanadier gilt als einer der wichtigsten Vertreter des Action Painting und des Informel. Diese Kunstrichtung der Nachkriegszeit ist mit stark gestischem und texturhaftem Farbauftrag und dem Fehlen von Geometrie und Gegenständlichkeit verbunden. In den 1960er Jahren gelangte Jean-Paul Riopelle zu Weltruhm. Zweimal war er Gast auf der Kasseler documenta.

Einen besonderen Auftrag erhielt er von seiner Heimatstadt Montreal: die Gestaltung eines Brunnens und Skulpturen vor dem Olympiastadion. Er pflegte den Austausch mit anderen Künstlern wie den Schriftstellern Samuel Beckett und André Breton und dem Schweitzer Bildhauer und Maler Alberto Giacometti. Riopelle starb 2002 in Saint-Antoine-de-d’Isle-aux-Grues in Kanada.