Leverkusen Pyro in der BayArena Bremer Fans zu Geldstrafen verurteilt

Urteil: Pyro in der BayArena: Bremer Fans müssen Geldstrafen zahlen

Am 10. März 2017 hatten Bremer Ultras im Gästeblock der BayArena vor dem Spiel Pyrotechnik gezündet. Eine junge Frau erlitt daraufhin wegen der starken Rauchentwicklung einen Asthmaanfall im Oberrang des Blocks.

Drei jungen Männer wurde in einem Prozess vor dem Amtsgericht Leverkusen nun eine Mittäterschaft bei der schweren Körperverletzung vorgeworfen.

Ein Großteil der Fans hatte sich vor dem Abbrennen unter Blockfahnen vermummt und umgezogen. Diese werden über die Köpfe der Zuschauer gezogen und schützen vor Blicken von außen. Die meisten der Täter konnten daher nicht ermittelt werden. Die drei angeklagten Jugendlichen aus Bremen seien laut Staatsanwaltschaft jedoch unvermummt damit aufgefallen, jene Blockfahnen mit hoch- beziehungsweise heruntergezogen zu haben. Sie hätten von der geplanten Aktion gewusst und sie unterstützt.

So habe ein 29-Jähriger eine der Fahnen auffällig nach unten gedrückt um die Vorbereitungen seitlich zu schützen. Ein 23-Jähriger habe eine der Fahnen hochgehalten, und ein 24-Jähriger sei unabhängig davon unter einem Sichtschutz verschwunden und habe einem maskierten Mittäter so den Gang ins Freie ermöglicht. Alle Angeklagten wollten sich zu den Vorwürfen nicht äußern.

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Das Gericht nahm daraufhin die Videoaufnahmen aus dem Stadion in Augenschein. Darauf seien die drei beschriebenen Personen nahezu eindeutig den jetzt Beschuldigten zuzuordnen. Der Älteste der drei benehme sich dabei am auffälligsten, da er die Fahne bewusst hinunterdrücke und sich zu diesem Zweck vom Spielfeld abdrehe. Der 24-Jährige habe sich beim Platztausch mit dem Maskierten abgeklatscht. Nur der Jüngste auf der Anklagebank mache den Eindruck, als habe er von der Aktion nicht unbedingt etwas gewusst.

Die Verteidigung betonte, die Ultraszene in Bremen sei nicht homogen, nicht alle Gruppen sprächen miteinander. Es habe an verschiedenen Stellen im Block gebrannt. Der Rauch könne also nicht vollends zugeordnet werden. Die Zeugin widersprach dem, indem sie explizit betonte, der Rauch sei aus den vorderen Reihen gekommen. Ihr Reizhusten habe noch bis einige Stunden nach dem Spiel angehalten. Zudem seien tagelang Schmerzen in den Bronchien aufgetreten. Die juristische Einordnung fiel allen Beteiligten im Opladener Saal dennoch schwer, zwei lange Rechtsgespräche waren nötig, um halbwegs auf einen Nenner zu gelangen. Als sich Geldstrafen andeuteten, gaben der 29- und 24-Jährige zu, die Personen in dem Video zu sein. Das Verfahren gegen den 23-jährigen Fan wurde gegen die Auflage von 500 Euro eingestellt.

Schlussendlich forderte die Staatsanwaltschaft wegen Beihilfe zur schweren Körperverletzung Geldstrafen in Höhe von 900 und 1500 Euro. Die Verteidigung stimmte dem missmutig zu.

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