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Leverkusen: Prozess um Messerüberfall

Amtsgericht Leverkusen : Zeugen wollen sich nicht erinnern: Messer-Überfall bleibt ungeklärt

Was könnte drei junge Männer veranlasst haben, drei andere Männer nachts mit einem Messer anzugreifen? Woher kannten sie sich? Ging es um einen Streit im Drogenmillieu? Auf diese Fragen gibt es vor dem Amtsgericht weiter keine Antwort.

Vor rund einer Woche weigerte sich ein sehr wichtiger Zeuge auszusagen. Angeblich konnte er sich an den Vorfall vom 14. April des vergangenen Jahres nicht erinnern. Drei Männer hatten die Insassen eines Autos angegriffen.  Zwei davon (24 und 23 Jahre alt) wurden angeklagt, die drei Insassen mit einem Messer bedroht zu haben. Gegen den 24-Jährigen lagen zudem Anklagen wegen Sachbeschädigung, zweifacher Körperverletzung, Widerstand gegen Polizeibeamte und Fahrens ohne Führerschein vor.

Der erste Verhandlungstag brachte die Erkenntnis, dass die Sachbeschädigung an einem Pkw und die Körperverletzungen nicht belegbar sind. Der Widerstand und das Fahren ohne Führerschein hingegen gelten als bewiesen. Nun ging es vorrangig und die Beweisaufnahme zu dem möglichen Überfall am 14. April. Die Zeugen aber sollten sich als nicht hilfreich herausstellen.

Zuerst sagte ein 23-Jähriger aus. Er fuhr damals den Wagen. Die Insassen waren auf dem Rückweg aus Amsterdam. In der Metropole seien sie „spazieren“ gewesen, betonte der Mann. Vieles spricht jedoch dafür, dass es sich bei der Tat um einen Vorfall in der Drogenszene handelte. Wer dem Richter aufmerksam folgte, konnte diesen Verdacht heraushören. Offensichtlich versuchte der Zeuge, sich mit allgemein gehaltenen Aussagen aus der Affäre zu ziehen. Er gab häufig vor, Fragen nicht richtig zu verstehen und gab banale Antworten, um Zeit zu gewinnen. „Das ist so lange her, ich kann mich an die Gesichter nicht erinnern“, sagte er oft. Zu den Angeklagten habe er kein Verhältnis.

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Der zweite Zeuge, ein 22-Jähriger, der ebenfalls im Auto gesessen hatte, musste bereits zum dritten Mal in den Zeugenstand. Er hatte sich bei der ersten und zweiten Vernehmung fadenscheinig auf seinen Gedächtnisverlust berufen. Das hatten ihm die Juristen nicht abgenommen. Er berichtete: „Ich habe eine Woche lang viel überlegt.“ Nun könne er sich zumindest ein wenig erinnern.

Aber auch dieser Zeuge flüchtete sich in Verallgemeinerungen. Welche Person was wann getan hatte, wusste er nicht mehr. Auch kenne er die Angeklagten nur flüchtig. Dass er nach der ersten Verhandlung mit einem der Männer in Opladen gesehen worden war, bewertete er so: „Kann sein, kann nicht sein“, sagte er. Später betonte er, er sei den Beschuldigten nicht böse. „Das liegt in der Vergangenheit. Ich will damit nur abschließen.“

Durch die unergiebigen Zeugenaussagen ließ sich die Tat vom April 2019 nicht aufklären. Der 23-jährige Angeklagte wurde freigesprochen. Der 24-Jährige wurde wegen des Fahrens ohne Fahrerlaubnis und des Widerstands gegen Polizeibeamte zu einer Geldstrafe von 1000 Euro verurteilt.