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Leverkusen: Polizei sucht DNA-Spuren an den Klingen

Fahndung in Leverkusen : Kripo untersucht Klingen auf DNA-Spuren

Die Polizei sucht auf den Messerklingen, die auf einem Spielplatz gefunden wurden, nach DNA-Spuren. Ein Besuch vor Ort zeigt, dass die Anlage gut behütet ist. Dennoch konnten Unbekannte die gefährlichen Gegenstände am Spielhäuschen platzieren.

„Das ist jetzt der dritte Vorfall“, sagt der Mann gleich am Eingang der Kleingartenanlage Feierabend. Am Mittwochvormittag stehen viele Kleingärtner an ihren Beeten und wässern. Das Vereinsmitglied regt sich auf. Erst vor gut 14 Tagen sei in viele Hütten eingebrochen worden – und jetzt das: Am Dienstag hatte ein Kontrolleur der Stadt Leverkusen vier Messerklingen in einem Holzhäuschen auf dem kleinen Spielplatz gegenüber des Vereinsheims gefunden.

Wer die sauberen Kieswege betritt, bemerkt: Hier ist die Welt normalerweise in Ordnung. Hinter der Hecke, die das Areal in Bürrig umsäumt, blühen Rosen, Hortensien und Malven. In nahezu jedem Garten hängen reife Tomaten. Hinter jedem zweiten Gartentor steht ein älterer Herr oder eine ältere Dame, leger gekleidet und gießt. Jeder, der hier durchspaziert, wird mit einem freundlichen „Guten Tag" begrüßt.

Die Wege in der Anlage haben ungewöhnliche Namen. Am „Rentnerweg" stellt Hans Wingchen gerade einen Rasensprenger auf. Sein Garten liegt ganz in der Nähe des Spielplatzes. Auch seine Nachbarin ackert gerade in ihren Beeten. Die Klettergerüste und die stählerne Rutsche sind bestens behütet. Wingchen erzählt, die Erzieherinnen aus dem Kindergarten nebenan kämen häufiger zu Besuch. Er sagt zu dem Klingenvorfall: „Ich weiß nicht, wie man Kleinkindern so etwas antun kann.“ Wie die Mitglieder schildern, werden die Tore am Abend abgeschlossen. Wer nachts auf den Spielplatz will, müsste über die Hecken klettern. „Grundsätzlich ist das Gelände aber frei zugänglich“, sagt Lothar Schmitz, Leiter Fachbereich Stadtgrün der Stadt Leverkusen. „Mich wundert es dennoch, dass gerade auf diesem Spielplatz so etwas passiert. Der wird nämlich öffentlich kaum wahrgenommen.“

  • Fotos : Messerklingen in der Idylle
  • Die Klingen ragten aus einem Holzbalken
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  • Kapitän Lukas Hradecky und die übrigen
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135 Spielplätze gibt es in Leverkusen, und von denen wird jeder einzelne alle 14 Tage kontrolliert. Dafür sind zwei städtische Mitarbeiter täglich mit einem Satz Werkzeug auf Tour. Kleinere Reparaturen, etwa einen Nagel reinschlagen oder Schrauben festdrehen, machen die beiden Handwerker sofort. Größere Arbeiten werden in Auftrag gegeben. Außerdem gibt es noch Quartalskontrollen, bei denen sämtliche Geräte intensiv geprüft werden, und eine aufwändige Jahreshauptuntersuchung.

 Auf dem Spielplatz in Leverkusen-Bürrig hat ein Mitarbeiter der Stadt Leverkusen bei einer Routinekontrolle am Dienstag Messerklingen in den Balken eines Spielhäuschens gefunden.
Auf dem Spielplatz in Leverkusen-Bürrig hat ein Mitarbeiter der Stadt Leverkusen bei einer Routinekontrolle am Dienstag Messerklingen in den Balken eines Spielhäuschens gefunden. Foto: Polizei Köln

Bei den 14-tägigen sogenannten Sichtkontrollen finden die Mitarbeiter meist Zigarettenkippen oder Flaschen im Sand, selten mal Spritzen im Gebüsch oder Scherben. „Klingen, so wie am Dienstag in Bürrig – das habe ich in meinen 30 Dienstjahren noch nie erlebt“, sagt Schmitz. Er lobt seinen Mitarbeiter; der 46-Jährige habe vorbildlich reagiert, nachdem er die Klingen im Holz entdeckt hatte. „Obwohl er geschockt war und erst gar nicht glauben konnte, was er da finden musste“, erzählt Lothar Schmitz.

Die Kriminalpolizei Leverkusen hat die Ermittlungen wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung gegen Unbekannt aufgenommen. Noch am Dienstag waren Beamte auf dem Spielplatz in Bürrig, um am Tatort die Spuren zu sichern und mögliche Zeugen zu befragen. „Außerdem haben die Kollegen am selben Tag mit mehreren Streifenwagen die Spielplätze in der Umgebung aufgesucht“, sagt ein Polizeisprecher. „Dort war aber alles in Ordnung.“

Gut möglich, dass sich der oder die Täter beim Befestigen der Klingen im Holz verletzt hat. Die vier Messer werden deshalb auf DNA und Fingerabdrücke untersucht. „Wir appellieren dringend an mögliche Zeugen, sich zu melden“, sagt der Polizeisprecher. Und falls die Aktion ein unbedachter Jugend-Streich war: „Die Täter oder deren Eltern sollten sich unbedingt bei der Polizei melden.“ Hinweise nimmt das Kriminalkommissariat unter der Telefonnummer 0221/229-0 entgegen.

(ena/woa)