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Leverkusen: Pflegekind-Prozess: Zeugen belasten die Angeklagte

Tragen Behörden eine Mitverantwortung? : Pflegekind-Prozess: Zeugen belasten die Angeklagte

Eine Mitarbeiterin de Wupertaler SKF hatte schon früh ein ungutes Gefühl gehabt gehabt und das Gespräch zur 51-Jährigen gesucht. Es sei irritierend gewesen, dass sich das Kinderzimmer im Keller des Einfamilienhauses befunden habe.

Haben Ämter und Behörden eine Mitverantwortung am Tod des 21 Monate alten Pflegekindes aus Leverkusen? Auf diese Frage wünscht sich die leibliche Mutter eine Antwort. Ihr Anwalt hat angekündigt, sich nach dem Ende des Prozesses gegen die wegen Körperverletzung mit Todesfolge angeklagte Pflegemutter an die Staatsanwaltschaft zu wenden. 

Nach der Verlesung polizeilicher Vernehmungsprotokolle ist nun klar: Es hatte im Vorfeld Hinweise darauf gegeben, dass die Angeklagte mit der Betreuung des Kleinkindes überfordert sein könnte. Drei Monate vor der Tat sollen sich an einem Tag zwei Passanten unabhängig voneinander an das Solinger Jugendamt gewandt haben, weil die 51-Jährige ruppig mit dem Mädchen umgegangen sei. Es folgte ein unangemeldeter Besuch bei der Pflegemutter, deren Eignung soll aber nicht angezweifelt worden sein. Die Pflegeerlaubnis soll vom Leverkusener Jugendamt einen Monat vor der Tat vergeblich in Solingen angefordert worden sein. Leverkusen wollte wissen, welchen Eindruck der Mitarbeiter des Solinger Jugendamtes beim Hausbesuch gewonnen hatte. Solingen verwies auf den Datenschutz und darauf, dass man von der Pflegemutter nicht von der Schweigepflicht entbunden worden sei. Im Klartext: Die Angeklagte hatte verhindern können, das sich die Jugendämter über ihre Eignung austauschen.

Schlimmer wog das, was eine Mitarbeiterin des Wuppertaler SKF bei der Polizei ausgesagt hatte. Sie war mit der Vormundschaft für einen 14 Monate alten Jungen betraut, der 2014 als Pflegekind bei der Angeklagten gelebt hatte. Schon früh habe sie ein ungutes Gefühl gehabt und  das Gespräch zur 51-Jährigen gesucht. Die habe plausible Erklärungen für die blauen Flecken des Kindes gehabt. Es sei irritierend gewesen, dass sich das Kinderzimmer im Keller des Einfamilienhauses befunden habe. Irgendwann sei die Situation eskaliert, die Angeklagte habe gefordert, dass der Junge abgeholt werde. Das sei am selben Tag geschehen, weil man sich beim SKF ums Kindeswohl sorgte. „Für uns stand fest, dass sie kein Pflegekind mehr bekommt“, sagte die SKF-Mitarbeiterin. Die Angeklagte soll sich am nächsten Tag bei anderen Jugendämtern um ein Kind beworben haben. Es soll einen Kontakt zum Solinger Jugendamt gegeben haben, und dem SKF soll versichert worden sein, dass die Angeklagte ein so junges Kind nicht zur Pflege bekomme. Nächste Woche soll das Urteil verkündet werden.