Leverkusen: Orchester l'arte del mondo probt für die Uraufführung der Goethe-Oper "Scherz, List und Rache".

Proben für Uraufführung : „Scherz, List und Rache“ im Erholungshaus

Das Orchester „l‘arte del mondo“ bekommt 240.000 Euro Landesförderung für ausgefallene Projekte. Gerade in Arbeit bei Orchester-Chef Werner Erhardt: die Uraufführung einer Goethe-Oper.

„Wo sie ohne Begleitung singt, da muss sie auch frei sein“, greift Igor Folwill in die Klavierprobe ein. Als Regisseur hat er bereits die szenische Wirkung der Musik im Sinn, während Dirigent Werner Ehrhardt mit der jungen Sopranistin Annika Boos musikalisch an der Stelle arbeitet, die letztlich von seinem Orchester begleitet wird. Doch in diesem frühen Probenstadium übernimmt der Pianist und Cembalist des Leverkusener Ensembles, Massimiliano Toni, den Part am Flügel.

Gerade ist auf der Erholungshaus-Bühne die erste Arbeitsphase für die Uraufführung einer Oper angelaufen, die bisher nur in Teilen erklungen ist. Dabei hat kein geringerer als Johann Wolfgang von Goethe das Libretto geschrieben und in engem Austausch mit dem Komponisten Philipp Christoph Kayser ausgearbeitet. Beide waren begeistert von der italienischen Opera Buffa ihrer Zeit und wollten 1787 das erste deutsche Singspiel nach diesem Vorbild schaffen. Doch das Werk wurde nie vollständig aufgeführt, nicht einmal nach der Wiederentdeckung in den 1990er Jahren in der Nationalbibliothek Zürich.

Höchste Zeit für eine Aufführung, fand Werner Ehrhardt, der sich gerne auf Wiederentdeckungen einlässt. Erst recht, wenn er so begeistert von einer Komposition ist wie von dieser, die auch noch einen wunderbaren Text hat. „Das ist fantastische Musik und superwitzig“, schwärmt er, „ein ganz tolles Ding.“ Die Besetzung ist minimal, beteiligt sind nur drei Sänger, neben Annika Boos singt der Tenor Cornel Frey ihren Partner und Bariton Florian Götz den Doktor, der das Liebespaar um das Erbe der Tante bringt.

Am 28. November wird die Goethe-Oper „Scherz, List und Rache“ uraufgeführt im Programm von Bayer Kultur, wo „l’arte del mondo“ als Orchestra in Residence Bühne und Technik zur Verfügung gestellt wird. Ohne eine Förderung des Landes würde sich dieses Projekt kaum realisieren lassen.

Wie so viele besondere Ideen des exquisiten Ensembles, die immer etwas abseits der ausgetretenen Pfade des Konzertbetriebs liegen. Und die stets das Publikum begeistern, weil sie so überzeugt und mit hohem technischen Anspruch auf die Bühnen der Welt gebracht werden. Zum Beispiel bei der Südamerika Tournee, die am 19. August in Rio de Janeiro beginnt und das Orchester mit dem bekannten Mandolinenspieler Avi Avital als Solisten nach Sao Paulo, Buenos Aires, Lima und Montevideo führt.

Danach reist Werner Ehrhardt sofort zu Proben nach Bad Laustädt, wo im Goethe-Theater Mozarts Zauberflöte in der Fassung aufgeführt wird, die Goethe 1794 für das Weimarer Hoftheater eingerichtet hat. Zweimal Goethe also in einem Jahr, dazu noch ein barockes Konzertprogramm, bei dem Nils Mönkemeyer die Solo-Bratsche spielen wird.

Geplante Projekte wie diese waren wohl auch entscheidend für den Zuschlag des NRW-Kultusministeriums, das „l’arte del mondo“ im Rahmen der Förderung der freien Musikensembles mit 240.000 Euro bedachte. Die Fördermittel sind gedacht als nachhaltige Unterstützung für die nächsten drei Jahre und in dieser Form neu. Bisher konnte das Orchester nur für einzelne, überzeugende Projekte Zuschüsse bekommen.

Der Paradigmenwechsel in der Förderpolitik des Landes ermöglicht den Musikern langfristigere Planungssicherheit. Die Ideen werden so schnell nicht ausgehen. In Stichworten beschreibt Erhardt schon einmal, was ihm  so im Kopf herumgeht. Zum Beispiel die Uraufführung der bisher ungespielten Kölner Sinfonien von Joseph Aloys Schmittbaur, der 1775 Domkapellmeister wurde. Oder, zusammen mit Dorothee Oberlinger, ein Flöten-Projekt mit Instrumenten aus der Steinzeit bis heute.

Mehr von RP ONLINE