Oldtimer-Freunde : Vier Nachbarn, vier Schätze, eine Liebe

In Opladen haben sich vier Männer ganz zufällig gesucht und gefunden. Sie besitzen Oldtimer aus vier Jahrzehnten.

Verschmitzt lächelnd und die Hände in den Hosentaschen, schlendert Dennis Pickardt über den Asphalt. Der Asphalt – das ist sein Metier. Denn der 38-Jährige besitzt einen Oldtimer aus den 1970er-Jahren. Der Opel Kadett ist ein Exot. Das sollte man zumindest meinen. Doch in dem kleinen Wendehammer nahe Birkenberg fällt der quietschgelbe Wagen, der fast ein wenig ausschaut wie ein amerikanisches Musclecar, gar nicht so auf. Denn er ist in bester Gesellschaft.

Vier Nachbarn, vier Wagen, vier Jahrzehnte und eine Leidenschaft. Pickardt wohnt in bester Lage – vor allem für sein Hobby. Warum? Weil mit Ulrich Iwanow, Jürgen Hodes und Jörg Zimpel vier Männer Tür an Tür wohnen, die jeweils stolze Besitze eines Oldtimers sind.

Zimpel fährt einen weißen Alfa Romeo Spider (Baujahr 1986), Iwanow ein VW 1500 Cabriolet (1969), das so rot ist wie der neueste Ferrari, und Hodes besitzt gar einen 190 Ponton von Mercedes aus dem Jahr 1958. Ein Schatz, auf den der 63-Jährige besonders stolz ist. Und das nicht etwa, weil er damit alle Blicke auf sich zieht. Nein, Hodes kaufte den Wagen 2012 als Restaurationsobjekt aus Schweden – und benötigte dann rund vier Jahre, um das Gefährt wieder fit zu machen. „Das ist einfach entspannend“, sagt er, lächelt, legt seinen Kopf nachdenklich zurück und schaut nach oben, so als erinnere sich gerne an all die Arbeit zurück.

Obwohl, das gibt er zu, auch viel Frust aus vier Jahren in dem Fahrzeug steckt: Wenn wieder etwas nicht passte. Wenn der Fortschritt wieder ins Stocken geriet. „Ich kann einen Tipp geben“, betont er und lehnt sich vor. „In solchen Momenten sollte man einfach das Werkzeug hinlegen, das Licht in der Garage aus-, die Tür zu-, sich ein Bier auf- und am nächsten Tag weitermachen.“ Auf die Unterstützung seiner Nachbarn kann Hodes dabei immer zählen. Einer von ihnen weiß sicher Rat. Auch, wenn sich die Truppe gerne gegenseitig aufzieht. Pickardt kommt dabei häufig unter die Räder. Sein Kadett sei eine Rappelkiste. Das stimmt zwar, vor allem aber, weil sie einiges unter der Haube hat. Die Original-Tuningteile aus der damaligen Zeit lassen nämlich so manchen Neuwagen alt aussehen. „Ich könnte 275 fahren“, berichtet der 38-Jährige, der gerne seinen Sohn zur Schule fährt – allerdings nur mit Kopfhörern.

Das mögen die vier Autofans an ihren Karossen: „So ein Auto kann jeder reparieren, dafür braucht man keinen Laptop – nur jemanden, der sein Handwerk gelernt hat“, sagt Ulrich Iwanow. Sein VW 1500 Cabriolet ist ferrarirot, aber ohne das weltbekannte Pferdchen auf der Haube. Doch ist sein Wagen aus dem Jahr 1969 anmutiger als mancher der Supersportler aus Italien. Zimperlich geht der 63-Jährige mit seinen Spielzeugen nicht um. Mit dem Vorgänger (einem Porsche 911 aus den 1970ern) fuhr Iwanow regelmäßig in den Urlaub. „Und ich bin jedes Jahr auf der Achse wieder nach Hause gekommen“, erzählt er lächelnd.

Die alte Technik, da ist sich die Gruppe einig, bewahrt das Kind in ihnen. Keine technischen Hilfsmittel, nur der Mensch und die Maschine. Das mache die Faszination aus. „Wenn ich in meinen SUV steige, fühle ich mich wie in einem Raumschiff“, beschreibt Jörg Zimpel das Gefühl und wirft einen Blick auf den Oldtimermarkt. Der nämlich boomt, Ersatzteile sind beispielsweise leichter zu erhalten. Doch auch die Reichen haben die alten Wagen für sich entdeckt. Als Investition werden Oldies dann gekauft, abgestellt und keinen Meter bewegt. Für wahre Liebhaber unschön.

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