Leverkusen: Obdachlose überfahren - Mitarbeiter erinnern sich an die tote Frau

Betrunkener Mann flüchtete vom Tatort : Trauer um überfahrene Obdachlose in Leverkusen

In der vergangenen Nacht hat ein betrunkener Autofahrer eine Obdachlose, die regelmäßig vor einem Ärztehaus in Leverkusen übernachtete, überfahren. Am Morgen nach dem Unfall erinnern sich Mitarbeiter des Hauses an die Frau.

Vor der zerbrochenen Glasscheibe des Ärztehauses am Ludwig-Erhard-Platz in Leverkusen stehen Kerzen. Mitarbeiter der Haustechnik beseitigen die Spuren der Nacht. Vor wenigen Stunden hat hier ein 26-jähriger Autofahrer die Kontrolle über seinen Wagen verloren, kam von der Straße ab und fuhr in die Scheibe des Hauses. Der Polizei zufolge war er betrunken.

Besonders tragisch: Vor dem Gebäude lag eine 69-jährige Frau auf dem Boden. Sie wurde schwer verletzt und starb wenig später im Krankenhaus. Die Obdachlose übernachtete wohl seit einem halben Jahr regelmäßig am Eingang des Gesundheitszentrums und wurde vom Hauspersonal geduldet. „Sie war sauber und hielt alles in Ordnung“, sagt einer der beiden Haustechniker. Morgens habe sie ihre Sachen zusammengepackt und sei gegangen, abends sei sie dann mit ihrem Rollkoffer zurückgekommen, in den sie ihre Habseligkeiten gepackt hatte.

„Jeden Mittwoch ist sie zum Amt gegangen, hat aber keine Wohnung bekommen“, berichtet der Haustechniker weiter. „Sie war eine sehr gepflegte Frau, mit der man reden konnte.“ Ab und zu hätten Mitarbeiter des Hauses ihr eine Flasche Wasser oder ein Stück Obst geschenkt. Ob die Frau Angehörige hatte, ist nicht bekannt.

Der Fahrer war nach dem Unfall zunächst weggefahren, meldete sich aber wenig später telefonisch bei der Polizei. Streifenpolizisten fanden daraufhin die schwerverletzte Frau. Hinweise auf seine Identität hätten sich so oder so ergeben: Das vordere Kennzeichen seines Autos war beim Aufprall abgerissen und am Tatort liegen geblieben. Inzwischen wurde der 26-Jährige festgenommen, sein Führerschein sowie das Auto wurden beschlagnahmt. Die Polizei sucht Zeugen, die den Unfall beobachtet haben und/oder Angaben zum Unfallgeschehen machen können. Hinweise nimmt das Verkehrskommissariat 2 unter der Rufnummer 0221/229-0 oder per E-Mail an poststelle.koeln@polizei.nrw.de entgegen.

(bu/siev)
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