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Leverkusen: Niedrigste Kriminaliätsbelastung seit 1990, höchste Aufkärungsquote seit 1970.

Kriminalität in Leverkusen : So sicher wie seit 30 Jahren nicht mehr

Niedrigste Kriminaliätsbelastung seit 1990, höchste Aufkärungsquote seit 1970. Straftaten gegen Senioren im Fokus.

In Köln und Leverkusen können sich die Bürger so sicher fühlen wie seit 30 Jahren nicht mehr. Das zeigt zumindest der Blick auf die Statistik. Polizeipräsident Uwe Jacob und Kripo-Chef Stefan Becker legten am Montag die Zahlen für 2019 und ihren Zuständigkeitsbereich vor, der beide Städte umfasst. Demnach sind die Zahlen der angezeigten Fälle insgesamt die niedrigsten seit 1990. Die Aufklärungsquote ist mit 51,91 % die höchste seit 1970. Gerade die den Bürger besonders belastende Straßenkriminalität, wie etwa Raub, geht weiter zurück, ebenso wie die Zahl der Wohnungseinbrüche (siehe Info). Doch gibt es auch negative Entwicklungen, insbesondere bei den Betrugsdelikten gegenüber Senioren. Die Bemühungen der Polizei, den aus Callcentern in der Türkei gesteuerten falschen Polizisten Einhalt zu gebieten, zeigen insofern Wirkung, als dass es meist bei Versuchen bleibt.

Kriminalität Sinkende Fallzahlen und steigende Aufklärungsquoten sind für die Polizeiführung Anlass zur Freude, aber nicht zur Entwarnung. „Die Zahlen waren selten so gut“, sagte Polizeipräsident Jacob. Als mögliche Gründe für diese positive Entwicklung nannte er einen Strategiewechsel der Polizei ab 2015. Das sogenannte Präsenzkonzept mit dem Ziel, mehr Polizei auf die Straße zu bringen, und den gezielten Einsatz von Ermittlungsgruppe in einzelnen Kriminalitätsfeldern habe Erfolg gebracht. Becker: „Man lebt vergleichsweise sicher in Köln und Leverkusen, die Wahrscheinlichkeit, als Straftäter aufzufallen, ist hoch.“ Doch gebe es weiter auch „Sorgenkinder“ bei der Kriminalitätsbekämpfung.  Jacob nannte neben der Drogenkriminalität vor allem die rasant steigende Zahl der Betrugsdelikte zum Nachteil älterer Menschen.

Betrug von Senioren Die steigende  Zahl von Drogendelikten begründete Jacob mit einer erhöhten Kontrolldichte auch bei kleineren Straßen-Deals. Bei den Betrugsdeliken durch falsche Polizisten gehen „die Zahlen durch die Decke“, sagt Becker. 3500 gemeldete betrügerische Anrufe verzeichnete die Polizei im vergangenen Jahr. Von 32 vollendeten Taten wurden 20 geklärt, 15 Geldabholer festgenommen. Auch seien in Zusammenarbeit mit den türkischen Behörden einzelne Callcenter in der Türkei geschlossen worden. Doch öffneten kurz drauf neue.

Messerattacken Sie machen der Polizei besondere Sorgen. Kripochef Becker spricht von einer „problematischen Entwicklung“. Bei 548 Fällen von Gewaltdelikten in Köln/Leverkusen wurden Messer eingesetzt, 726 Menschen wurden Opfer. „Teilweise aus nichtigem Anlass“, sagt Becker. „Früher gab es bei Faustkämpfen mal ein blaues Auge.“ Heute seien die Täter bei Messerattacken häufig alkoholisiert und agierten unkontrolliert. „Die haben es oft gar nicht mehr in der Hand, ob sie Herz oder Lunge treffen.“ Das erst kürzlich novellierte Waffengesetz erlaube  punktuelle Messerverbote, sagte Polizeipräsident Jacob. Ein allgemeines Messerverbot hält er aber nicht für angebracht.

Videoüberwachung Die öffentliche Überwachung an Kriminalitätsbrennpunkten in der Kölner Innenstadt habe sich bewährt. Insbesondere bei Raub- und Sexualstraftaten hätten öffentliche und private Videoaufnahmen wesentlich zur Tataufklärung beigetragen.