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Leverkusen Neue Chef-Imkerin: Bienen erholen sich wieder

Wachwechsel : Neue Chef-Imkerin: Bienen erholen sich wieder

Petra Fabricius als Nachfolgerin von Konrad Kappek trägt jetzt Verantwortung über rund 30 Bienenstämme in Leverkusen. Viele Menschen sorgten sich wenig um die geflügelten Nutztiere, bemängelt die 43-Jährige. Immer noch zu viele setzten Pestizide zu oft und zu leichtfertig im Garten ein.

Parasiten machen Bienen den Garaus. Aber es gibt noch weitere Gründe für das Bienensterben. Moderne Landwirtschaft, zunehmender Aufbau von Monokulturen, Reduktion von landwirtschaftlichen Flächen und damit einhergehender Rückgang eines vielfältigen Nahrungsangebots gelten neben dem Klimawandel als weitere Hauptursachen für das Schrumpfen der Bienvölker.

Dennoch: die Varroa-Milbe ist und bleibt der gefährlichste Feind der Biene, sie schwächen die Immen, bringen Bakterien und Viren in die Bienen-Brut. In dieser Hinsicht weiß Petra Fabricius genau, worauf sie sich einlässt, wenn sie jetzt die Nachfolge von Konrad Kappek antritt. Zuletzt engagierte sich der Senior unter anderem als Obmann und Bienensachverständiger beim 1899 gegründeten Imkerverein Leverkusen. In den letzten fünf Jahren schaute die 43-jährige Reiki-Lehrerin über seine Schulter. Künftig werden beide quasi die Rollen tauschen, und Kappek wird ihr Assistent.

Ab sofort übernimmt die in Bayern geborene und in Wiesdorf aufgewachsene Hobbyimkerin Verantwortung über rund 30 Bienenstämme in der Umgebung, darunter alleine sieben Völker im Wildpark Reuschenberg. Insgesamt beherbergt der Park 80 verschiedene Wild- und Haustierarten, von der Waldameise über Schwarzstörche, Fischotter, Greifvögel, Frettchen und Reptilien, Ziegen, Schafe, Damwild, Otter und Alpakas bis hin zu Stachelschweinen, einem Luchs und eben ihrem Bienenvolk. Da sie ihre Tiere – in der Regel gehören zu jedem Volk etwa 50.000 Bienen – im Wildpark ohnehin regelmäßig kontrolliert, kam sie auf die Idee, dort auch Bienen-Seminare für Kinder anzubieten.

Diverse Ideen gab es schon, konnten wegen Corona aber nicht realisiert werden. Womöglich säßen zwei ihrer Kinder ganz vorne mit dabei, denn Honigbienen und das Hobby rund um die Imkerei fasziniert den Nachwuchs ebenso wie die Mutter.

Eben weil es Imker gibt, werden Honigbienen nicht aussterben. Doch andere Menschen sorgen sich weniger um die geflügelten Nutztiere, bemängelt Fabricius. Immer noch zu viele setzten Pestizide zu oft und zu leichtfertig im Garten ein. Neben Gedankenlosigkeit bezeichnet die Imkerin mangelndes Grundwissen als Hauptgrund für den achtlosen Umgang mit Pflanzengiften: „Manche setzen die Chemiekeule ein, weil ihnen die Auswirkungen nicht bewusst sind.“

Umgekehrt hat die Hobby-Imkerin in den letzten Jahren auch einen Umdenkungsprozess festgestellt. Mehr Bürger als früher würden bienenfreundliche Pflanzen kaufen und den Immen somit eine Oase im Garten und auf dem Balkon schaffen. Sie hat sogar den Eindruck, die große Zeit des Bienensterbens sei vorüber. „Bei uns in Leverkusen sieht es jedenfalls sehr gut aus“, freut sich Fabricius. Und verdeutlicht zugleich, wie wichtig Bienen, Hummeln und andere Insekten für das gesamte Ökosystem und für die Landwirtschaft sind. Ohne Bestäubung durch Insekten würde ein erheblicher Teil unserer Nahrungsmittel fehlen.

Wohl auch deshalb hat das Europäische Parlament im Dezember 2019 eine Entschließung zur EU-Bestäuberinitiative angenommen, in der noch mehr gezielte Maßnahmen zum Schutz wildlebender Insekten gefordert werden. Die EU-Abgeordneten treten für eine weitere Verringerung des Pestizideinsatzes und für mehr Mittel für die Forschung ein.