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Leverkusen: Nachbarschaftskonzert gegen den Corona-Frust

In Leverkusens Stadtteilen wird musiziert : Nachbarschaft contra Corona-Frust

Leverkusener musizieren über Balkone hinweg gemeinsam. Sicherheitsleute passen teils in Supermärkten auf, dass Abstände an der Kasse eingehalten werden.

Beim Toilettenpapier hört auch in Leverkusen offenbar die Solidarität auf. Wer zum falschen Zeitpunkt einkaufen geht, steht vor leeren Regalen. Seit mehr als zehn Tagen geht das so. „Ausverkauft“ kündigen etwa in der Wiesdorfer City die Geschäfte meist an. Zur zeitweisen Unterdrückung der allgemeinen Coronavirus-Tristesse entwickeln etliche Leverkusener Gegenmittel: Sie greifen zu Flöte, Gitarre, Saxofon, Posaune, Ziehharmonika und anderen Instrumenten, konzertieren von Fenster zu Fenster, von Balkon zu Balkon. So war es am Sonntagabend in den Stadtteilen und zumindest Montagabend nochmals in Opladen.

Am ersten „Spieltag“ erklang beispielsweise in Opladen, Manfort und Alkenrath die Ode an die Freude, also „Freude schöner Götterfunken“ (Musik: unter anderem von Ludwig van Beethoven). Tags drauf spielten das Opladener Ehepaar Angela und Thorsten Güsgen mit Flötistin Annemie Woltmann das Volkslied „Irische Segenswünsche“ – bei doch eisiger Außentemperatur und in großem Abstand zueinander. Es sollte der Aufmunterung der Menschen ringsum dienen. „Musik verbindet“, sagten die drei Opladener, die sich untereinander und auch ihre Familien mit selbst gespielten Stücken erfreuen. Virusfrei per Videoübermittlung.

In der Nähe des kurzen Freiluftkonzertes zeigte sich wieder der gähnend leere Marktplatz in Opladen. Zwei, drei Autos verloren sich auf der großen Asphaltfläche. Markant fiel dabei der blauweiße, rollende Imbisswagen des berühmten Wurstmaxen auf. Statt längerer Warteschlangen, wie es vor der Coranavirus-Krise immer wieder üblich war, warteten nur einzelne Pommes- und Bratwurstfans auf ihr Essen. Auch hier fiel der weite Abstand zwischen den Menschen auf.

Der Einsatz von Sicherheitskräften ist aber zunehmend in den Supermärkten nötig. Sie greifen ein, wenn die Kunden in der Warteschlange vor der Kasse sich zu nah auf die Pelle rücken. Zu beobachten beispielsweise beim Riesengeschäft „Real“ an der Stixchesstraße und im Lebensmittelgeschäft im Untergeschoss der Rathaus-Galerie. Die neu auf den Böden aufgebrachten Abstandsmarkierungen werden offensichtlich oft nicht bemerkt (oder ignoriert?).

Eine andere Idee, die Menschen in der Warteschlange auf gesundheitsfördernde Distanz zu halten, zeigt der Rahmati-Rewe an der Düsseldorfer Straße in Opladen: Mit kreativer Stiftführung wurde dort „Abstand halten“ und ein Einkaufswagen auf die Warenbänder an den Kassen gemalt. Das kann jetzt aber eigentlich kein Einkäufer mehr übersehen.