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Leverkusen: Nach der Flut das große Aufräumen

Leverkusen im Ausnahmezustand : Das große Aufräumen nach der Flut

Nachdem sich das Wasser zurückgezogen hat, werden ansatzweise die Ausmaße der Katastrophe in Leverkusen sichtbar. Einsatzkräfte, Betroffene und Helfer schufteten Hand in Hand.

So schnell, wie es kam, verschwand es auch wieder. Das Wasser in den betroffenen Stadtteilen Leverkusens hat sich am Wochenende zurückgezogen. Doch nun wird erstmals das ganze Ausmaß der Katastrophe klar, ansatzweise jedenfalls. An den Rändern der Straßen stapeln sich Elektronik, Möbel und Gegenstände in die Höhe. Feuer-, Bundeswehr und Anwohner sind nahezu im Dauereinsatz. Einige Menschen üben Kritik an der Stadt.

Der Abtransport des Sperrmülls geht ihnen nicht schnell genug. Und sie fragen sich, wo die versprochenen Abholungen bleiben. Ab dem frühen Samstagmorgen rechneten einige in Opladen mit den Fahrzeugen. „Aber bis hierher ist nichts passiert“, sagt ein Mann. Bei ihm liegen die Nerven blank.

 Wo anpacken? Unermüdlich im Hilfeinsatz waren am Wochenende auch die Bundeswehrsoldaten.
Wo anpacken? Unermüdlich im Hilfeinsatz waren am Wochenende auch die Bundeswehrsoldaten. Foto: Miserius, Uwe (umi)

Seit Tagen habe er keinen Strom, und die Lebensmittel gehen kaputt. Das geliebte Auto war durch das Wasser begraben. Eigentlich, erzählt er, habe er es noch retten wollen. „Aber man hat mich abgehalten.“ Diese Aktion wäre schlicht zu gefährlich gewesen.

 Pumpen nahezu ohne Ende, Restwasser überall.
Pumpen nahezu ohne Ende, Restwasser überall. Foto: Miserius, Uwe (umi)

Oberbürgermeister Uwe Richrath traf gegen Nachmittag in Opladen ein. Der Stadtchef wehrte sich gegen die Kritik. Alle Einheiten, die verfügbar sind, seien unterwegs. Die Arbeiten bräuchten Zeit und die Menschen etwas Geduld. „Das ist eine Naturkatastrophe“, betonte er. Richrath kam aus Schlebusch. Und er berichtete von Menschen, die sich zusammenschlossen. Hand in Hand werden die Spuren der Flut langsam angegangen und so gut wie möglich beseitigt.  Der OB danke den im Einsatz befindlichen Kräften – insbesondere den auswärtigen Unterstützungskräften - von Berufs- und Freiwilliger Feuerwehr, THW, Bundeswehr, EVL, AVEA unterstützt von Currenta, und Hilfsorganisationen wie den Maltesern, dem DRK, dem ASB und der DRLG sowie den unzähligen ehrenamtlichen und freiwilligen Helferinnen und Helfern zu bedanken. „Das Ausmaß der Verwüstungen ist erschütternd. Viele Menschen haben ihr Hab und Gut fast vollständig verloren, die Schäden sind kaum zu ermessen“, sagt Uwe Richrath.

 Unzählige Elektrogeräte wurden ein Opfer der Fluten und müssen jetzt entsorgt werden.
Unzählige Elektrogeräte wurden ein Opfer der Fluten und müssen jetzt entsorgt werden. Foto: Miserius, Uwe (umi)
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Der Zusammenhalt in den betroffenen Stadtteilen ist enorm. In Opladen stellen Nachbarn ihr W-Lan bereit, bauen Ladestationen für die Handys auf. An vielen Ecken stehen Tische auf den staubigen Straßen, an denen sich Helfer Essen und Trinken nehmen können. Feuer- und Bundeswehr packen mit an. Zu dem Ausmaß sagt ein Soldat: „Das es so schlimm würde, war mir nicht klar.“ Die Männer und Frauen arbeiteten in Schichten. Schlaf war höchstens für drei bis vier Stunden möglich. Die Autos der Feuerwehren sind omnipräsent. Ihre Abpumpschläuche winden sich wie Schlangen durch die Hinterhöfe zu den Abwasserkanälen.

 Sperrmüll containerweise, das ist eine logistische Herausforderung.
Sperrmüll containerweise, das ist eine logistische Herausforderung. Foto: Miserius, Uwe (umi)

Florian Parkitny und seine Kollegen wurden aus Braunschweig durch das Land in Niedersachsen angefordert. Ihnen wurde die Düsseldorfer Straße als Einsatzort zugeordnet. Keller und Tiefgaragen pumpen sie mit Wucht leer. In den Abstellhallen steht eine stinkende, mitunter tiefgrüne Brühe. Dank des Geräts sagt Parknity: „Wir schaffen 15.000 Liter die Minute.“

 Die Einsturzgefahr bei dem Haus rechts bestätigte sich nicht.
Die Einsturzgefahr bei dem Haus rechts bestätigte sich nicht. Foto: Miserius, Uwe (umi)

Die Häuserwände werfen den Krach und das Röhren der Generatoren und Pumpen wieder, wieder und wieder wie einen kleinen Spielball zurück. Neben unbewohnbaren Wohnungen und Häusern hat es die Inhaber von Geschäften hart getroffen. Während des verzweifelten Versuchs etwas zu retten, brachte sich Dirk Fischer vom Bettenfachgeschäft cubiculum sogar unbewusst in große Gefahr. Er erzählt von der Nacht, in der das Wasser kam. Als er an seinem Laden in der Düsseldorfer Straße ankam, stand das Wasser bereits 50 Zentimeter hoch. Dennoch watete er in seinen Laden, lagerte einige Sache so hoch wie nur möglich und zog Steckdosen. Als die Sicherung flog, wurde er sich der Gefahr bewusst. „Ich habe mich gefühlt wie ein Kapitän auf einem sinkenden Schiff“, erzählt er, „man kann nur zusehen, wie es langsam untergeht.“ Versichert ist er nicht. Dieses Schicksal teilt er sich wohl mit dem Großteil der Betroffenen.

Der Gesamtschaden in der Pizzeria von Theodoros Metentzidis ist noch nicht genau zu beziffern. Allein die Öfen, sagt er, kosten rund 25.000 das Stück. Seine Mitarbeiter helfen mit Hochdruckreinigern, die Räume von Wasser und Dreck zu befreien. In Containern lagern die ungenießbaren Lebensmittel. „Der Zusammenhalt ist groß“, betont Metentzidis. Die Leverkusener haben sich in ihr Schicksal ergeben. Sie machen das Beste daraus.

Unterdessen blickt die Stadt in die neue Woche. Wie angekündigt hat die AVEA am Samstag begonnen, die am stärksten vom Hochwasser betroffenen Straßen in den Stadtteilen Opladen und Schlebusch abzufahren. Zur Unterstützung ist war auch Currenta mit zwei Lkw und einem Bagger auf der Schusterinsel in Opladen im Einsatz. Auch die anderen betroffenen Teile des Stadtgebietes werden im Laufe der Woche abgefahren. Fünf weitere Container wurden in Opladen zur Entsorgung von Müll und Unrat aufgestellt. Die Stadt bittet dringend darum, Sperrmüll und Abfälle nicht verkehrsbehindernd an die Straße zu stellen, sondern lediglich auf den Bürgersteigen, wenn möglich auch nicht hinter Fahrzeugen, um den Abtransport zu erleichtern.

Das Klinikum Leverkusen ist zuversichtlich im Laufe der Woche Teile des Krankenhauses  zu öffnen. Das oberste Ziel sei es, die Notfallversorgung der Leverkusener Bevölkerung  sicherzustellen. Danach sollen weitere Fachbereiche des Klinikums wieder in Betrieb gehen.

 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Klinikums waren das gesamte Wochenende im Einsatz und haben die Keller und Technikräume von Schlamm und Wasser befreit. Das Klinikum Leverkusen hat eine Hotline geschaltet: Unter 0214/ 133590 können Patient das Klinikum erreichen. Das Klinikum ist bis voraussichtlich Dienstag nicht betriebsbereit.