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Leverkusen Mit Alt-OB Paul Hebbel durch Quettingen Stadtteilrundgang

Serie Stadtteilrunde : Mit Alt-OB Paul Hebbel durch Quettingen

Inzwischen ist Leverkusens Mitte der am dichtesten besiedelte Stadtteil. Aber es gibt auch noch viel Grün, darunter Bürgerbusch und Bachtäler. „Quettingen ist ein Quartier mit Wohlfühlcharakter“, sagt Paul Hebbel, der schon etliche Jahre in dem Ort zu Hause ist.

Nur wenig erinnert heute noch an den einst beschaulichen Charme der 50- und 60er Jahre. Zu schnell ist der rund 350 Hektar große Stadtteil in der Mitte Leverkusens gewachsen. Inzwischen hat Quettingen stadtweit die höchste Bevölkerungsdichte und den höchsten Geschoss-Wohnungsanteil. Morgens und abends sind die beiden großen Verkehrsadern in Ost-West-Richtung – die Lützenkirchener- und die Quettinger Straße – mit fast 20.000 Fahrzeugen extrem belastet. Zugleich bieten aber auch Grünflächen einen Ausgleich.

„Quettingen ist ein Quartier mit Wohlfühlcharakter“, sagt Paul Hebbel, der schon etliche Jahre in dem Ort zu Hause ist. Obgleich 1209 als „Quettingheim“ erstmals urkundlich erwähnt, hat der Ort kein historisches Gebäude vorzuweisen. Hebbel begeistern vor allem der insgesamt 320 Hektar große Bürgerbusch sowie die im Norden gelegenen Bachtäler von Wiembach und Ölbach, die beste Bedingungen für Freizeit und Erholung bieten.

Das Zentrum des Stadtteils mit der Kirche und dem Bürgerbusch im Hintergrund. Foto: Matzerath, Ralph (rm)/Matzerath, Ralph (rm-)

Wir starten unsere Rundtour an der Quettinger Straße vor dem Denkmal, das 1993 von Kurt Arentz geschaffen und von Hebbel in seiner Funktion als damaliger Leverkusener Oberbürgermeister eingeweiht wurde. Das Geschenk des Verkehrs- und Verschönerungsverein Lützenkirchen Quettingen (VVV) um den einstigen Vorsitzenden Rudolf Sykora erinnert an den legendären Zachäus Heinrich Kosten, im Volksmund „Drickes“ genannt. Wir gehen weiter in Richtung Osten und biegen links ab in das „Berns-Gässchen“, einen Privatweg, der durch Gärten gesäumt ist. Es trägt den Namen in Anlehnung an die geschichtsträchtige Gaststätte Berns, die 2017 endgültig schloss und anschließend zu einem Wohnhaus umgebaut wurde. In dem Gebäude wohnen Rolf und Ute Berns, letzte Inhaber des ehemaligen Restaurants „Zur Post“.

Wir erreichen den Holzer Weg. Anstelle der früheren „Kornbrennerei Steinacker“, die 152 Jahre existierte und zusammen mit der Kornbrennerei Witzheller in Kamp als typische bergische Kornbrennereien galt, stehen individuelle Eigentumswohnungen. Seitlich lassen wir den Feldsiefer Weg an der Stadtgrenze zwischen Quettingen und Lützenkirchen ebenso wie den Kleingartenverein Holzer Wiesen liegen und gehen etwa 500 Meter zurück in Richtung Ortsmitte. Rechts am Holzer Weg passieren wir den rund 1,3 Hektar großen katholischen Friedhof. Das Grundstück hatte die frühere Stadt Opladen einst preiswert von Bauer Karl Jansen erworben. Weil der Friedhof seit etlichen Jahren weniger Platz benötigt, gab es schon Begehrlichkeiten, einen Teil der Freifläche zu bebauen. Dieses Vorhaben schwebt immer noch wie ein Damoklesschwert über dem ohnehin schon dicht besiedelten Stadtteil, der an dieser Stelle weitere wichtige Freifläche verlieren würde. CDU-Politiker Hebbel konnte das bislang erfolgreich verhindern.

Zurück auf der Quettinger Straße liegt links die katholische Kirche St. Maria Rosenkranzkönigin. Das Gotteshaus wurde 1913 auf Initiative von Quettinger Bürgern im neuromanischen Stil errichtet. Bis zur Fusion 2010 mit der Pfarrei St. Maurinus Lützenkirchen zur neuen Pfarrei St. Maurinus und Marien, war sie Sitz der gleichnamigen Gemeinde. Die Don-Bosco-Schule schräg gegenüber stammt aus dem Jahr 1857. Zu der Zeit unterrichtete Lehrer Balthasar Höffgen 134 Schüler in der einklassigen katholischen Volksschule. Durch die Pfarrer-Jekel-Straße – sie ist benannt nach dem ersten Quettinger Pfarrer – geht es weiter in Richtung Norden zur Lützenkirchener Straße. Ganz in der Nähe ist der Grillenweg, von dem sich der Blick in Richtung Wiembachtal öffnet. Unweit dieses Grüngürtels stand die ehemalige Holzschraubenfabrik Tillmans. Bis heute erinnern nur noch zwei denkmalgeschützte Industriellenvillen in Neucronenberg an den früheren Arbeitgeber.

Die Don-Bosco-Schule an einem traditionsreichen Standort. Seit 1857 wird hier unterrichtet. Foto: Matzerath, Ralph (rm)/Matzerath, Ralph (rm-)

Weiter westlich liegt das Viertel Weidenbusch, das zu einer Zeit entstand, als Flüchtlinge vor allem aus dem Osten nach Leverkusen strömten. Zwischen 1914 und 1955 fuhr an dieser Stelle eine Kleinbahn von Opladen über Quettingen nach Lützenkirchen. Über die Feldstraße erreichen wir am Ende des Rundgangs die Kolberger Straße. An der Grünanlage Quettinger Feld haben die St. Sebastianer ein Schützenbürgerhaus errichtet, das – nach dem Wegfall der bisherigen Veranstaltungssäle – für Feste jeder Art genutzt werden kann und einen weiteren Grund bietet, um sich in Quettingen wohlzufühlen.