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Leverkusen: Meinung und Erfahrung zu Abtreibung gefragt

Ausstellung in Leverkusen : Meinung und Erfahrung zu Abtreibung gefragt

Eine Ausstellung in der Stadtbibliothek thematisiert Schwangerschaftsabbruch und den Abtreibungs-Paragraphen 218, der erstmals vor 150 Jahren in Kraft trat.

Frauen, die eine Schwangerschaft aus welchen Gründen auch immer abbrechen, begehen damit erst seit 1995 in ganz Deutschland keine Straftat mehr. Sie müssen sich zuvor jedoch beraten lassen. Im Falle einer großen gesundheitlichen Gefahr für die Schwangere oder einer Schwangerschaft nach einer Vergewaltigung übernimmt zudem die Krankenkasse die Kosten für die Abtreibung. Geregelt ist dies im Paragraphen 218 des Strafgesetzbuches.

Eine Ausstellung des Vereins Pro Familia in der Stadtbibliothek in Wiesdorf widmet sich nun der Geschichte des Paragraphen und aktuellen Entwicklungen. Denn „durch internationale Entwicklungen, gehäufte Klagen gegen Ärzte und Ärztinnen und die sich zunehmend verschlechternde medizinische Versorgungslage beim Zugang zum Schwangerschaftsabbruch“ stehe der Paragraph wieder im Licht der Öffentlichkeit.

Elf Plakate und Stationen laden bis Donnerstag, 7. Oktober, in der Stadtbibliothek zu einem Gang durch die 150-jährige Geschichte des Paragraphen ein. Per QR-Codes sind Informationen zur Entstehung, zu Reformen und Diskussionen rund um das Thema Schwangerschaftsabbruch abrufbar.

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Erstmals in Kraft trat der Paragraph 218 im Rahmen des Reichsstrafgesetzbuches im Mai 1871. Darin wurde der Abbruch einer ungewollten Schwangerschaft zur Straftat erklärt. Unter dem Slogan „150 Jahre sind genug – Entkriminalisierung jetzt“ bat Pro Familia in den vergangenen Monaten Menschen aus Politik und Gesellschaft, Ratsuchende, Kooperationspartner und Leverkusener Bürger um ihre Meinung.

„Viele Gespräche über die gegenwärtige gesetzliche Regelung von Schwangerschaftsabbrüchen in Deutschland, über unterschiedliche moralisch-ethische Ansichten und über die Perspektive von Betroffenen wurden geführt“, berichtet Pro Familia. So seien etliche Karten mit persönlichen Ansichten und Erfahrungsberichten gesammelt worden. Und weitere können hinzukommen, denn Besucher während der Ausstellung ebenfalls anonym eine Karte zu dem Thema ausfüllen.

Zum internationalen „Safe-Abortion-Day“ am Dienstag, 28. September, lädt Pro Familia um 16 Uhr zu einer Abschlussaktion in der Hauptstelle der Stadtbibliothek ein, bei der die Plakate und „Feedback-Karten“ präsentiert werden, und will mit Interessierten ins Gespräch kommen. Dazu ist eine Anmeldung unter Telefon 0214 401804 oder leverkusen@profamilia.de erforderlich, außerdem ein 3G-Nachweis.

Geöffnet Die Ausstellung kann während der Öffnungszeiten der Stadtbibliothek in der Rathaus-Galerie (Friedrich-Ebert-Platz 3d, Leverkusen) kostenlos besichtigt werden: dienstags bis freitags von 10 bis 18 Uhr sowie samstags von 11 bis 14 Uhr.

(sug)