Leverkusen: Marienschule wird in den Ferien zur Kinderstadt

Ferienprojekt in der Marienschule : Kinder leben in ihrer eigenen Stadt

In der Marienschule spielen diese Woche 200 Kinder das Leben in einer Stadt mit Ämtern und Gewerbebetrieben.

Ohne gültigen Ausweis geht gar nichts. Das gilt auch für die KjG-Kinderstadt, die am Sonntag in und vor der großen Turnhalle der Marienschule eröffnet wurde und dort noch bis Freitag bleibt. Eine Woche lang leben und „arbeiten“ hier 200 Kinder im Alter von acht bis zwölf Jahren aus verschiedenen Städten im Umland.

Die neunjährige Lucia, die heute im Amt am Stadteingang tätig ist, kommt aus Köln. „Ich schlafe auch hier in einem ausgeräumten Klassenraum auf der Isomatte mit 13 anderen Kindern zusammen“, erzählt sie, während sie Presseausweise an die Journalisten aushändigt. Jetzt dürfen auch wir Erwachsene uns frei in der Kinderstadt bewegen, was normalerweise verboten ist. Die Großen bleiben draußen und werden nebenan im Elterngarten abgegeben, das Pendant zum Kindergarten.

So schreibt es das Grundgesetz vor, das auch in dieser Gemeinschaft das Miteinander regelt. Wenn sie die Stadt besuchen wollen, müssen sie in den gelben Papp-Bus steigen, der sich gerade über den schützenden Teppichboden der Turnhalle schiebt. Regelmäßig werden Rundfahrten mit Führung angeboten, erzählt Marie Lavall. Sie leitet mit zwei Kollegen dieses Großprojekt, bei dem Kinder alle Facetten des gesellschaftlichen Lebens und politischer Verantwortung spielerisch kennenlernen.

Es riecht lecker am Waffelstand, im nächsten Shop preisen Kinder Smoothies und Milchshakes an. „Ich kann noch keinen kaufen, ich habe mein Geld noch nicht abgeholt“, sagt Marie Lavall, der wie den anderen 100 ehrenamtlichen Helfern ein bedingungsloses Grundeinkommen zusteht: 40 Tacken – so heißt die Währung – pro Tag. Kinder, die den ganzen Tag arbeiten, können nach Abzug der Steuer mehr erwirtschaften. Jobs, die man mehrmals am Tag wechseln darf, gibt es bei der Agentur für Arbeit. Lohn zahlen Bank oder Finanzamt aus.

Daneben ist die Post, wo Elizabeta gerade den Briefkasten leert und den Inhalt nach dem Abstempeln mit einem echten gelben Postrad ausfährt. Im Fotostudio und in der Malerei hat sie schon gearbeitet, aber hier gefällt es ihr am besten, sagt die Elfjährige. Es gibt einen eigenen Radiosender (90,5), eine tägliche Zeitung, die nötigen Ämter, eine wunderschöne Kirche und natürlich ein Parlament, das die nachmittägliche Sitzung des Rates aller Kinder vorbereitet. Dort werden alle Entscheidungen demokratisch getroffen. Auch die, ob man sich auf die Optimierungsvorschläge des wortgewandten Herrn von Rotzeburg anschließen will, der als Erwachsener versuchte, in der Kinderstadt mitzu-
mischen.

Platz da für den Feuerwehreinsatz. Im Pappkarton-Leiterwagen fahren zwei Helfer mit, die gerade erst draußen vor der Tür ihren Führerschein gemacht haben. Dazu mussten sie Kettcars und Fahrrad sicher durch einen Parcours manövrieren, bevor sie auf den Wagen der Feuerwehr losgelassen wurden. Allerdings wurden die Prüfungs-Fahrzeuge ziemlich verkehrswidrig auf dem Schulhof abgestellt. Eigentlich ein Fall für die Beschäftigten des Ordnungsamtes, die an diesem Morgen schon mehrere Strafzettel ausgestellt haben. Einen für das illegale Verschieben einer Trennwand und damit heimlicher Erweiterung eines Geschäfts, erzählen Paulina und Caroline. Die beiden zwölfjährigen Freundinnen aus Köln arbeiten derzeit beim Ordnungsamt, wo nicht nur Knöllchen für diverse Delikte verteilt und die entsprechenden Strafen einkassiert werden.

Sie bearbeiten auch die Anfragen von jungen Existenzgründern, die sich selbständig machen wollen. Dafür müssen sie vorbereitete Anträge ausfüllen, in denen sie ihre Geschäftsidee, eine Kostenschätzung für die Einrichtung und Verdienstprognose abgeben müssen. Scheint alles machbar, bekommen sie einen grünen Gewerbeschein und können loslegen. So wie Simon, Niklas und Sebastian, die ihr gesamtes Vermögen in Kochplatte, Topf und die ersten Zutaten für ihren Hotdog-Shop gesteckt haben. Offenbar haben sie eine Marktlücke getroffen. „Die ersten fünf Hotdogs waren in zwei Minuten verkauft“, strahlt Simon. Doch schon gibt es Probleme. „Es gibt keine Brötchen mehr“, sagte Sebastian, der mit leeren Händen aus dem „Metro-Laden“ an der hinersten Ecke der Kinderstadt zurückkehrte. Dort kann man eigentlich alles kaufen, was in einer Stadt so gebraucht wird, Lebensmittel wie Werkstoffe für die Handwerksbetriebe, von denen es einige gibt, etwa Schreinerei, Bäckerei, Elektronikwerkstatt, Schneiderei, Beauty Salon, Cafe, Pizzeria und Edelrestaurant.

Mehr von RP ONLINE