1. NRW
  2. Städte
  3. Leverkusen

Leverkusen: Lorenz Schlömer kümmert sich um die Antonius-Kapelle in Hitdorf.

Antonius-Kapelle in Leverkusen-Hitdorf : Der Hausmeister vom „Kapellche“

Dreimal wurde eine Antonius-Figur am Ufer des Rheins angeschwemmt. Für die Hitdorfer ein Zeichen. Lorenz Schlömer kümmert sich um das kleine Gotteshaus, das zu Ehren des Patrons für Berg- und Eheleute sowie für verlorene Dinge errichtet wurde.

Es waren Hitdorfer Bürger, die das Kleinod instand setzten und der Historischen Stätte erneut einen würdigen Rahmen gaben. Dachdecker, Maurer, Maler und Anstreicher, Schreiner und Bleivergaser, Schlosser und Gärtner schlossen sich vor 47 Jahren zusammen, um die schlichte, neoromanische Kapelle, die dem Heiligen Antonius von Padua geweiht ist, in monatelanger Arbeit vor dem Verfall zu retten.

Zuvor hatten dort offenbar Vandalen gehaust. Dazu hatte der Zahn der Zeit sein Übriges getan, um die Kapelle am Ortseingang zwischen Hitdorf und Monheim an den Rand der Zerstörung zu bringen. „Der Putz fiel von den Wänden, die Eingangstür faulte durch, die bleiverglasten Fenster lagen in Trümmern“, berichtete die Rheinische Post am 14. Juni 1976.

Drei Jahre später, pünktlich zum Gedenktag am 13. Juni, kehrte die Figur aus dem Exil ins – liebevoll genannte - „Kapellche“ zurück. Zumindest eine 133 Zentimeter große Kopie aus Eichenholz. Das Original des Heiligen, der als Patron für Berg- und Eheleute sowie für verlorene Dinge gilt, blieb nach der Restaurierung gleich in der Pfarrkirche St. Stephanus. Dort ist die Lindenholz-Statue besser geschützt vor Feuchtigkeits- und Temperaturschwankungen.

Doch wer kümmert sich eigentlich darum, dass in und um die 1829 errichtete Kapelle seither alles seine Ordnung hat? Lorenz Schlömer ist aktueller „Hüter der Kapelle“. Der fast 90-jährige Hitdorfer – er feiert am 19. März seinen runden Geburtstag – hat diese Aufgabe vor zehn Jahren von seinem Freund und Vorgänger Peter Goergens übernommen, der die Kapelle wiederum bis ins hohe Alter betreute. Weil Schlömer – von Pastor Peter Beyer als „Hausmeister vom Kapellchen“ bezeichnet – gleich nebenan wohnt, hat er lediglich kurze Wege zu gehen.

Denn speziell im Juni gibt es einiges zu tun: Kurz vor dem Hochfest wird der Innenraum gründlich gesäubert, in dem braune Holzbänke für rund 20 Gläubige stehen. Während der Festwoche wird der einfache Altar mit frischen Blumen geschmückt, Kerzen werden täglich neu entzündet. Ansonsten, beschreibt Schlömer, halte sich die Arbeit in Grenzen. Sie beschränke sich vor allem darauf, öfter mal zu lüften. Oder die Blätter im Herbst vom etwa 30 Quadratmeter großen Außengelände zu beseitigen.

Das Grundstück ist ringsum offen, nur durch einen Gitterzaun eingegrenzt. Die Bank neben der Kapelle wirktt recht einladend. Gesehen habe Schlömer noch niemand, auch Zerstörungen seien zum Glück ausgeblieben, sagte er. Doch leere Flaschen müsse er ständig beseitigen. „Zuletzt standen vier Wodka-Flaschen neben dem Papierkorb“, berichtete der gelernte Schuhmachermeister. „Für mich ist es keine Arbeit, ich bin einfach da“, bemerkte der Mann bescheiden, der bislang weder Buch über die Stunden geführt noch jemals einen besonderen Dank für seine Tätigkeit erhalten hat.

Den geringen Geldbetrag, den er zwei- bis dreimal im Jahr aus dem Opferstock nimmt, behält er jedenfalls nicht, sondern zahlt ihn auf das Kirchenkonto ein. Das Geld stammt vermutlich von Menschen, die etwas verloren und wiedergefunden haben. „Ich habe auch schon mal etwas vermisst. Es ist aber wieder aufgetaucht, nachdem ich zum heiligen Antonius gebetet habe“, bestätigt Schlömer die positive Wirkung.