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Leverkusen Leverkusener protestieren gegen Rechts

Kundgebungen in Leverkusen : Leverkusener protestieren gegen Rechts

Zur Kundgebung des rechtspopulistischen „Aufbruch Leverkusen“ kamen nur rund zehn Personen. Die Zahl der Gegendemonstranten betrugt mehr als das Zehnfache.

Die Stimmung war aufgeheizt, als sich am Samstagmittag mehr als 100 Menschen in Wiesdorf versammelten. Vor Funkenplatz und Christuskirche demonstrierten Akteure der Ortsgruppe „Fridays for Future“ und des Bündnisses „Lev ist bunt“ mit Angehörigen aus Vereinen, Initiativen, Parteien und Gewerkschaften. Sie alle wollen die Zivilgesellschaft und demokratische Kultur in Leverkusen stärken und unterstützen.

Mit weiteren 20 Teilnehmern und ausgerüstet mit etlichen Lärminstrumenten beteiligte sich die Internationale Liste „Inter-Lev“. Deren Vorsitzender Jannis Goudoulakis betonte: „Wir sagen Nein zu Rassismus und Fremdenfeindlichkeit. Wir wollen ein friedliches Miteinander in Leverkusen.“

Anlass zum Protest gab die Kundgebung der rechtspopulistischen Wählergemeinschaft „Aufbruch Leverkusen“, zu der sich anstelle der 80 angekündigten lediglich zehn Personen vor dem Rathaus versammelten. Während ein Sprecher seine Hasstiraden über den Platz schallen ließ, wurde die Gruppe durch ein großes Polizeiaufgebot abgeschirmt. Die Rede des Mannes wurde ständig unterbrochen von lautstarken Protesten. Drei junge Männer schrien sich nahezu heiser, während sie skandierten: „Es gibt kein Recht auf Nazi-Propaganda.“

Einige Meter weiter vor der Christuskirche ging es – nur unterbrochen durch Glockengeläut – um einiges gelassener zu. Dort erinnerte Keneth Dietrich (Linke) an Abstand, Mund- und Nasenschutz sowie daran, „Augen und Ohren“ nicht zu bedecken, um sich nicht wegen „Vermummung“ strafbar zu machen.

Einer der Redner war Oberbürgermeister Uwe Richrath (SPD). Er betonte: „Es geht um Demokratie und darum, die Gesellschaft weiter zusammenzubringen. Ja, wir sind bunt und wir sind stark. Und wir müssen ein Parlament zusammenstellen, das die Demokratie in Leverkusen weiter verfestigt.“

Bella Buchner, Vorsitzende des Integrationsrates der Stadt Leverkusen, sprach eine Warnung an diejenigen aus, „die mit rechtem Gedankengut liebäugeln. Diese Mächte haben schon die halbe Weltkugel in den Ruin getrieben und Millionen Menschen ihrer Grundrechte und ihres Lebens beraubt.“ Sie rief dazu auf, achtsam zu sein und das eigene Schicksal nicht denen zu überlassen, die mit Hass und Hetze ihre Ziele verfolgen.

Eine Neubürgerin aus Köln war erstaunt, dass so wenig Bürger gekommen waren. Bella Buchner sei deshalb keineswegs bekümmert, antwortete sie auf Nachfrage. „Ich freue mich über jeden, der hier ist und als Multiplikator wirkt.“ Er sei vor Ort, sagte der Leverkusener Inklusionsbotschafter Andreas Hollstein, weil ihm Braun nicht gefalle und etwas dagegen getan werden müsse.

„Mir ist es ganz wichtig, in einer bunten, vielfältigen Gesellschaft zu leben und ein Zeichen gegen Rechts zu setzen“, bemerkte Susanne Helm, während sie ein rotes Herz mit der Aufschrift „Humanity first“ (Menschlichkeit zuerst) in die Höhe hielt.