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Leverkusen Leichlingen Abi in Corona-Zeiten

Corona-Krise : Die Prüfungen fürs „Corona-Abi“ starten

Für die Klausuren gelten strenge Hygieneregeln. Lise-Meitner-Gymnasiasten scheitern derweil mit ihrer Forderung nach einem „Durchschnittsabi“. Die Notregeln befördern Ungleichheit, finden die Leverkusener Abiturienten.

Bei Emma (18) wächst die Anspannung gerade heftig. An diesem Dienstag steht für die Leichlingerin die erste schriftliche Abi-Prüfung an, in Biologie. „Ich bin nervös, aber eher normal nervös, gar nicht so sehr beeinflusst von Corona“, sagt die Schülerin. Genetik, Neurobiologie und Evolution standen zuletzt auf dem Paukplan, dazu ein intensiver Blick auf das Wesentliche in Englisch, Deutsch und Pädagogik. An einen Corona-Bonus glaubt die Gymnasiastin nicht: „An den Aufgaben und der Bewertung wird sich sicher nichts ändern.“ In NRW beginnen in dieser Wo

che die Abitur-Prüfungen. Sehen sich die 148 000 Schüler trotz Corona-Wirrwarrs gut vorbereitet? Oder droht ein Leistungsabsturz? Konnten Schulen und Lehrer die XL-Orga-Aufgabe überhaupt rechtzeitig stemmen? Fest steht: Das Abitur wird in diesem Jahr eine echte Prüfung. Nicht nur in fachlicher Hinsicht. Auch beim Ablauf der schriftlichen und mündlichen Prüfungen darf es in Corona-Zeiten möglichst keine Fehler geben. So wird das Prozedere in vielen Schulen sein: Die Schüler kommen mit Mundschutz auf den Hof, stellen sich mit Abstand auf. Der Kurslehrer holt sie ab. Die Anwesenheit wird überprüft, dann geht es gemeinsam im Gänsemarsch in die Räume. In den Fluren und Gängen herrscht Rechtslaufgebot, damit man Abstand hält. Alle Türen bleiben offen, damit kleine Klinken angefasst werden. Maximal zwölf Schüler dürfen in einen Raum. Die Abiturienten gehen ans Waschbecken, nehmen dann sofort ihren Platz ein. Alle Tische sind mit Nummern ver

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sehen, die die Schüler vorher erhalten haben. Das Arbeitsmaterial wartet bereits auf dem Tisch. Nach den Prüfungen wird der gesamte Raum desinfiziert. Zur Vorbereitung auf die Prüfungen wurde den Schülern angeboten, seit dem 23. April noch mal in die Kursräume zu kommen. Die Resonanz sei sehr positiv ausgefallen, berichtet Sabine Mistler, Vorsitzende des Philologen-Verbands NRW. „Der abiturrelevante Stoff war weitgehend schon vor Ostern erarbeitet. Aber die Möglichkeit, noch mal zu vertiefen, zu wiederholen, sich direkt auszutauschen – das war den meisten Schülern doch sehr wichtig.“ Mistler beobachtet: „Die meisten wollen nach dem ganzen Hin und Her jetzt auf jeden Fall ihre Abi-Klausuren schreiben.“ Sie befürchtet keinen coronabedingten Noteneinbruch. „Dass Schüler bei den Leistungen massiv abgebaut haben, nein, das sehe ich bis jetzt nicht.“ Es gab allerdings auch laute Stimmen gegen die Abschlussprü

fungen. Das Aktionsbündnis „Schulboykott NRW“ hatte gefordert, das Abitur 2020 nach dem Durchschnitt der zuvor schon erbrachten Leistungen in der Oberstufe zu vergeben – erfolglos. An dem Protest beteiligte sich auch der Abi-Jahrgang des Lise-Meitner-Gymnasiums in Leverkusen. In einem Offenen Brief an Ministerpräsident Armin Laschet und Schulministerin Yvonne Gebauer kritisierte er die Maßnahmen zu den Schulöffnungen in NRW. „Wir möchten nichts unversucht lassen, um zu verdeutlichen, dass die Schulöffnung und die Durchführung der Abiturprüfungen Ungleichheit noch mehr befördern“, schreiben die Schülervertreter. „Hygienestandards kann man zwar – wie das Beispiel unserer Schule zeigt – weitgehend in den Griff bekommen, ob das allerdings an allen Schulen möglich ist, bezweifeln wir.“ Unabhängig davon sei die psychische Belastung für die Schüler wie auch Lehrer immens. Die Vorbereitungen seien so unterschiedlich, dass eine Chan

cengleichheit in den Abiprüfungen nicht gegeben sei. So hätten manche noch viel Präsenzunterricht genießen können, andere nicht. „Einige hatten regelmäßig Online-Unterricht, und wieder andere hatten gar nicht erst die technischen Chancen dazu, solche Angeboten zu nutzen.“ Die einzig faire Lösung sei daher die Aussetzung der Abiturprüfungen und das „Durchschnittsabitur“ auf Basis zuvor erbrachter Leistungen. Verbandschefin Mistler räumt ein: Die Pandemie-Ausnahmesituation sei für die Abiturienten nicht einfach. „Da sind die Pädagogen gefordert. Lehrer haben das in ihrer pädagogischen Verantwortung im Vorfeld sicherlich intensiv aufgegriffen und versucht, positiv auf die Schüler einzuwirken“, sagt sie. Wird man bei den Abi-Korrekturen etwas Nachsicht walten lassen? „Ich bin sicher, dass die Lehrer angemessen und verantwortungsvoll korrigieren werden“, sagt Mistler. „Es wird auf jeden Fall ein sehr spezielles Abi“, glaubt auch Schülerin Emma aus Leichlingen. (mit dpa)