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Leverkusen: Klinikum versorgt ein Covid-19-Baby

Corona aktuell in Leverkusen : Klinikum versorgt ein Covid-19-Baby

Die Corona-Lage am Freitag: Der Inzidenzwert ist spürbar gesunken, aber weiterhin hoch, die Intensivbettenlage leicht entspannt. Im Seniorenheim Tempelhofer Straße gibt es zwei Todesfälle.

Freitagmittag ist ein Aufatmen zu hören. Nach mehr als einer Woche mit einer Inzidenz um 250 ist die Anzahl der Neuerkrankungen pro 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen nun deutlich erkennbar gesunken. „Ich bin froh, dass sich der Sprung nach oben nicht unbegrenzt fortsetzt“, ordnet Amtsarzt Martin Oehler ein.

Inzidenz Im Vergleich zu anderen Städten und Kreisen in NRW rangiert Leverkusen mit 233,9 immer noch weit oben: Platz sechs der Orte mit den höchsten Inzidenzen. Oehler führt den Wert immer noch auf das ausgeprägte Nichteinhalten des „Social Distancing“ zu Ostern zurück. Gleichwohl. In der Stadt gibt es keine Hotspots, etwa in Stadtteilen oder Siedlungen, in denen viele Menschen auf engerem Raum wohnen. NRW-Ministerpräsident Armin Laschet hatte kürzlich gesagt: „Da, wo Menschen in beengteren Wohnverhältnissen leben, ist die Gefahr sich anzustecken größer als bei jemanden, der in einem großzügig angelegten Einfamilienhaus wohnt.“ Das räumte auch Oehler neulich ein. Ausbrüche hat es in den Wohlblocks aber nicht gegeben. Oehler nennt für die Stadt weiterhin drei Ausbrüche: Die in einem Familienverband und bei Medizindienstleister Med 360° sind abgeschlossen. Der im Altenheim Tempelhofer Straße noch nicht.

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Todesfälle In dem Heim sind von neun infizierten Bewohnern (drei geimpft) zwei Ungeimpfte nun gestorben, berichtet der Amtsarzt. Die Zahl der Todesfälle erhöht sich auf 91. In die Statistik fließen die beiden Fälle erst am Wochenende ein.

Zimmerquarantäne Der Amtsarzt bekräftigt sein Vorgehen in dem Heim. Dort sind noch bis Anfang nächster Woche die 69 Bewohner zweier Wohnbereiche in Zimmerquarantäne – auch die Geimpften. „Wir halten uns an die Vorgaben des Robert-Koch-Instituts“, betont Oehler. Die besagten, dass in solch einer Situation auch die Geimpften in Quarantäne müssten, weil sie sonst eventuell das Virus an Ungeimpfte weitergeben. „Wir tun das, um weitere Sterbefälle zu vermeiden.“ Die Enkelin einer Bewohnerin und die Heimleitung hatten versucht, das Amt zu einer anderen Lösung zu bewegen (wir berichteten).

Mutanten In Leverkusen überwiegt die britische Mutante, die südafrikanische ist in 16 Fällen nachgewiesen, die brasilianische und die indische noch nicht. „Aber die Einschläge kommen näher“, merkt Oehler an, nennt Fälle der indischen Mutante in Köln. „Das müssen wir verdammt ernst nehmen.“

Infektionsgeschehen Die Ansteckung laufe meist im privaten Umfeld und am Arbeitsplatz. Oehler ordnet die kursierenden höheren Inzidenzwerte bei verschiedenen Altersgruppen ein. „Bei Kindern zwischen null und vier Jahren liegt die Inzidenz bei rund 249. In der Stadt sind 8031 Bürger in dieser Altersgruppe. Wir sprechen in absoluten Zahlen von 20 betroffenen Kindern.“ Bei den Fünf- bis 14-Jährigen sind 30 Personen betroffen (Inzidenz: 189,4), bei den 15- bis 34-Jährigen 130 (Inzidenz: 343,2), zählt er beispielhaft auf.

Krankenhäuser Das Klinikum hat diese Woche „wegen deutlicher Einschränkungen bei der Aufnahme die Aufstockung des Intensivbereichs hinbekommen“, sagt der Ärztliche Direktor, Utz Krug. Auch weil genug Personal für die drei Notintensivbetten gefunden wurde. 32 erwachsene Corona-Patienten werden im Klinikum betreut, zwölf davon auf der Intensivstation. Auf der Kinderstation liegen drei Corona-Patienten:14 und neun Jahre alt, das dritte Kind ist erst sechs Monate alt.

Auch wenn sich die Situation auf der Intensivstation etwas entspannt habe, prüfe das Klinikum täglich, wer aufgenommen werden kann. Krug bittet Patienten, die zu ambulanten Terminen kommen: „Auch sie brauchen wie Besucher einen aktuellen Schnelltest. Da hakt es noch.“ Das Remigius-Krankenhaus hat sein Leistungsspektrum derzeit ebenfalls nach unten gefahren, meldet Thomas Karls.

Impfungen Im Mai sollen in Leverkusen die Impfungen der über 70-Jährigen abgeschlossen werden. Die Kassenärztliche Vereinigung gebe auch Impftermien für chronisch Kranke frei, merkt Gesundheitsdezernent Alexander Lünenbach an. Zudem werden im Mai die Berufsgruppen der Priorisierungsstufe zwei, Lehrer weiterführender Schulen, Bewohner und Personal aus Flüchlings- und Obdachlosenunterkünften geimpft. „Hochgerechnet auf die Einwohnerzahl liegt die Quote der Erstimpfungen bei 27,4 Prozent“, sagt er, „das ist über dem Landes- und dem Bundesschnitt.“

Verstöße Die Ausgangsbeschränkung werde gut eingehalten, stellt Krisenzentrumsleiter Marc Adomat fest. Der Ordnungsdienst kontrollierte unter anderem 256 Mal bei Quarantäne, traf elf Mal niemanden an. Weil auch jemand gerade unter der Dusche stehen könne und das Klingeln nicht höre, kommt das Amt später nochmal vorbei. „Bisher hat die Stadt ganz vereinzelt Bußgelder bis zu 2500 Euro verhängt“, sagt Stadtsprecherin Ariane Czerwon.