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Leverkusen: Klinik verschenkt komplizierte Rücken-OP

Remigius-Krankenhaus in Opladen : Klinik verschenkt komplizierte Rücken-OP

Das Remigius-Krankenhaus hat eine junge Bosnierin davor bewahrt, querschnittsgelähmt zu werden. Die Kosten für die Behandlung trägt die Klinik.

Jetzt kann die 18-Jährige wieder lachen. Denn Edna Bjelosevic aus Bosnien ist nach vier komplizierten Operationen im St.-Remigius-Krankenhaus auf dem Weg der Besserung. Der letzte Eingriff liegt 14 Tage zurück. Die Narbe ist gut verheilt, die Fäden sind entfernt. Am Montag kehrt die Berufsschülerin zusammen mit ihrer Mutter Amela zurück in die Heimat. Nachdem sie fast querschnittsgelähmt war, ist sie jetzt erstmal froh und glücklich, dass sie überhaupt wieder laufen kann. Nach einigen Wochen Reha besteht durchaus die Chance, dass sie sogar wieder ihr geliebtes Fußballspiel ausüben kann. Joggen und Schwimmen sind ebenfalls erlaubt, Reiten hingegen nicht.

Bevor es dazu kommt, muss Edna allerdings wieder ganz neu lernen, ihre Bewegungen zu koordinieren, ohne dabei ständig auf die Füße zu schauen. Das sei kein Grund zur Sorge, sondern normal und typisch für Patienten nach einem Rückenmarktrauma, erklärt der behandelnde Arzt Cornelius Jacobs. Seit April 2019 ist der Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie als Chef des Wirbelsäulenzentrums am Remigius-Krankenhaus im Einsatz. Erst vor kurzem wurde der 44-Jährige vom Magazin Focus als „Top-Mediziner 2021“ für Wirbelsäulenchirurgie ausgezeichnet.

Es liegt jetzt einige Jahre zurück, als bei Edna ein Gefäßtumor – genauer ein Hämangiom, auch als Blutschwamm bekannt – im Rückenwirbel festgestellt worden war. Zuvor litt sie schon lange unter Schmerzen, verspürte ein Prickeln in den Füßen, das Gehen fiel ihr zunehmend schwer, und sie fiel ohne erkennbare Gründe. Letztlich erwies sich die Geschwulst zwar als gutartig. Dennoch musste sie unbedingt entfernt werden.

Zum ersten Mal wurde die Schülerin im Jahr 2018 in Belgrad operiert. Der Tumor konnte allerdings nicht vollständig entfernt werden. Da die Fehlbildung immer weiter wucherte und zunehmenden Druck auf das Rückenmark ausübte, war eine erneute Operation unumgänglich, in ihrer bosnischen Heimat aber unmöglich. Über Umwege kam sie schließlich nach Opladen.

„Die Operation kam gerade noch rechtzeitig“, strahlte die in Deutschland geborene 49-jährige Mutter der Patientin. „Wir hätten keine drei Monate warten dürfen“, bestätigte Jacobs. Zumal die Gefahr bestand, dass Edna den Rest ihres Lebens im Rollstuhl hätte verbringen müssen.

Im März lag sie gleich viermal auf dem OP-Tisch im Opladener Krankenhaus. Zunächst musste das Rückenmark komplett vom Tumorgewebe befreit, danach die Wirbelsäule im betroffenen Bereich durch ein Schrauben-Stab-System stabilisiert werden. Anschließend wurde der betroffene Wirbelkörper komplett entfernt und durch ein Implantat aus Titan ersetzt. Das sogenannte Cage dient seither als Platzhalter für die entfernten Bandscheiben und sorgt lebenslang für eine anatomisch korrekte Haltung der Wirbelsäule.

Diese Operation ist bundesweit sehr selten, das gilt auch für die Erkrankung, von der nur etwa fünf Prozent betroffen sind. Außerdem erfordert die Behandlung viel Geschicklichkeit des Operateurs. Dass Jacobs darüber verfügt, wird nicht zuletzt durch den angewendeten Trick deutlich: Um seiner Patientin einen Eingriff in den Brustraum zu ersparen, operierte der Experte ausschließlich über den Rücken, schob das Implantat quasi am Rückenmark vorbei.