Leverkusen: Kinder kommen aus überschwemmten Feriencamp zurück

Überschwemmtes Zeltlager in Frankreich: Um 18.11 Uhr schlossen Eltern ihre Kinder in die Arme

Nach den schrecklichen Erlebnissen in Südfrankreich in einem Ferienlager eines Anbieters aus Leverkusen, das am Donnerstag überschwemmt worden war, sind die rund 120 Kinder wieder in der Obhut ihrer Familien.

Um kurz nach 18 Uhr trafen drei Busse an der BayArena in Leverkusen ein. Eltern klatschten, es flossen Tränen auf beiden Seiten. Zwei der Kinder mussten medizinisch versorgt werden. Sie kamen zur weiteren Beobachtung in eine Klinik.

Kaum hatten sich die Türen geöffnet, nahm eine Mutter ihren Sohn in den Arm und hob den Jungen in die Luft. Er klammerte sich fest. Gut vier Tage lang hatte die Familie auf diesen Moment gewartet. Und auch die Fahrt mit den insgesamt drei Reisebussen zog sich endlos in die Länge.

Nach langen Polizeikontollen waren die Kinder und ein Teil der Betreuer gegen 0.20 Uhr aus Saint-Julien-de-Peyrolas nahe Avigon und Nimes in Richtung Deutschland abgefahren. Der Konvoi hatte eigentlich bereits am Samstagvormittag an der BayArena ankommen sollen. Ein langer Pannenstopp und Probleme die Lenkzeiten betreffend verzögerten die Ankunft jedoch bis 18.11 Uhr.

Über Facebook sowie auf der Homepage versorgte die Jugendförderung Sankt Antonius Leverkusen, die das Camp seit vielen Jahren anbietet, Eltern mit der aktuellen Ankunftszeit. Weit vor 17 Uhr befuhren Angehörige den von Zäunen und Sicherheitskräfte abgeschirmten Bereich zwischen der Arena und dem Trainingsplatz. Eine Namens- und Kontrollliste sorgte am Eingang dafür, dass nur jene Personen das Gelände betraten, die dazu berechtigt waren.

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Die Stimmung gedrückt, die Mimik der Menschen in den fast minütlich eintreffenden Pkw insgesamt mehr besorgt, denn hoffungsfroh. Stille bestimmte die Szenerie. Nur in kleinen Gruppen standen die Eltern an ihren Wagen. Sie sprachen leise. Um Beistand zu signalisieren hatte sich auch Leverkusens Oberbürgermeister Uwe Richrath unter die Angehörigen gemischt. Im Wind tanzte ein pinker, sternförmiger Luftballon. Die Hände hielten Blumen, bereit sie in Kinder- und Jugendarme zu übergeben.

Als um 18.11 Uhr der erste Bus auf das Gelände fuhr, schoben einige der Kinder die Vorhänge beiseite und lugten hervor. Ein junges Mädchen filmte die Einfahrt mit ihrem Handy. Es wirkte fast so, als seien die Kinder und Jugendlichen die gefassteren. Dennoch wurden die vier Seelsorger der Kirche und Feuerwehr rege in Anspruch genommen, berichtete eine Stadtsprecherin. Zwei Kinder wurden medizinisch versorgt und kamen zur weiteren Beobachtung in eine Klinik. Ein Kind ohne elterliche Begleitung erhielt Betreuung durch das Leverkusener Jugendamt.

Zwei Betreuer des Leverkusener Vereins wurden durch die französischen Behörden in Gewahrsam genommen. Gegen den Vorsitzenden und dessen Stellvertreter wird wegen „schwerer fahrlässiger Körperverletzung“ ermittelt.

Die Behörden werfen den Betreibern vor, von der Gefahr durch den Fluss Ardèche gewusst zu haben. So habe man die Leverkusener 48 Stunden vor dem Unglück gewarnt. Eine Sprecherin des Vereins Sankt Antonius verneinte diese Angaben am Freitag.

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