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Leverkusen: Kind tot - Pflegemutter vor Gericht

Leverkusen: Prozess um Körperverletzung mit Todesfolge : Pflegemutter vor Gericht

Die Frau aus Solingen soll ein Mädchen in ihrer Obhut aus Leverkusen köperlich so traktiert haben, dass es starb. Nun war Prozessauftakt in Wuppertal.

Wie hält die Mutter das aus? Stundenlang wird über den gewaltsamen Tod ihrer Tochter gesprochen, die 27-Jährige tritt als Nebenklägerin im Prozess auf. Angeklagt vor dem Wuppertaler Landgericht ist die Pflegemutter des 21 Monate alten Mädchens, das in dem Haus der Frau in Solingen lebte. Das Jugendamt Leverkusen hatte das Mädchen dort in Pflege gegeben. Das Kind starb im Juni 2017 nach massiver Gewalteinwirkung durch Tritte und Schläge, die 51-jährige Pflegemutter muss sich wegen Körperverletzung mit Todesfolge verantworten. Auf der Anklagebank verbigt sie ihr Gesicht hinter den Haaren. Im Prozess spricht sie über ihre seelische Überforderung als möglichen Auslöser für die Tat: „Ich bin zu Selbstbeherrschung und Kontrolle erzogen worden. Gefühlsduselei gab es nicht.“

Dass sie damals beim Blick in die Augen des sterbenden Kindes die Augen ihres Vaters gesehen haben will, den sie Wochen zuvor in einer medizinischen Notlage auf dem Fußboden seiner Wohnung gefunden hatte: Mit solchen Aussagen wird sich die psychiatrische Sachverständige befassen müssen. Eines scheint jetzt schon klar: Ein Onkel gestorben, der Vater pflegebedürftig erkrankt, dann noch ein Pflegekind – es war viel zusammengekommen im Juni 2017. Sie habe zudem die 44 Wohneinheiten des als Steuerberater tätigen Vaters damals allein verwalten und dessen Mandanten betreuen müssen.

Anzeichen der Überforderung soll es schon länger gegeben haben. Einmal soll sie das Mädchen beim Einkaufen so grob vor sich hergeschoben haben, dass Passanten eingeschritten seien. Ein anderes Mal soll sich das Kind beim Spielen einen Arm gebrochen haben – schon im Krankenhaus waren Zweifel zur Verletzungsursache aufgekommen.

Auch an dem Tag, den die Kleine nicht überlebte, hatte die 51-Jährige gelogen und den Rettungssanitätern erzählt, das Kind sei vom Stuhl gefallen. An dem Vormittag hatte sich ein Drama abgespielt – am Ende waren bei dem Mädchen unter anderem ein Leberriss und ein Riss des Herzvorhofes festgestellt worden. Das Kind habe nicht essen wollen und mit dem Löffel um sich geschlagen. Nach einem Schlag ins Gesicht sei die Kleine mit dem Kinderstuhl umgekippt und auf ein Spielzeug gefallen. Sie habe dem Kind das blutverschmierte Oberteil ausziehen wollen und sei dabei über das hinter ihr stehende Mädchen gestolpert. „Dann hat es bei mir ausgesetzt“, schildert die Angeklagte. Im rechtsmedizinischen Gutachten steht, dass das am Boden liegende Kind getreten und geschlagen wurde. Mit dem bewusstlosen Opfer im Arm will die Pflegemutter den Notarzt gerufen haben. Der nahm das Kind mit – sie sei ins Haus gegangen, um die blutverschmierten Sachen wegzuräumen. Unter anderem, weil sie immer alles aufräume. Warum sie ein Pflegekind aufgenommen hat? Sie habe keine Kinder bekommen können und sich eine Familie gewünscht.

Gleich zu Prozessbeginn hatte es ein Rechtsgespräch gegeben. Räumt die Angeklagte die Tat ein, wird sich der Strafrahmen zwischen fünf und sieben Jahren bewegen.