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Leverkusen: Karneval wird von einer neuen Generation übernommen

Leverkusen : Karneval wird von einer neuen Generation übernommen

Comedians statt Büttenredner, Mallorca-Hits statt Karnevalsmusik, Party-Mentalität statt Brauchtumspflege. "Der Karneval wird anders. Diesen Wandel muss man tolerieren", sagt Toni Blankerts. Senatspräsident des Komitee Opladener Karneval (KOK). "Bedauerlicherweise", assistiert Dr. Jens Singer, der Büttenredner aus Schlebusch.

Wer auf den Straßen im Rheinland in den vergangenen Tagen genau hingeschaut hat, kommt nicht um die Feststellung herum, dass sich dieser bereits vor einigen Jahren eingesetze Wandel in Höchstgeschwindigkeit fortsetzt.

Auch KOK-Präsident Uwe Krautmacher hat das bemerkt. "Die Kritik an der Kommunalpolitik kam schon ein bisschen zu kurz", sagt er. "Die Leute wollen mittlerweile nicht mehr den Finger in die Wunde legen, sie wollen nur noch feiern." Sowohl auf den Umzugswagen (etwa im Rosenmontagszug Opladen) als auch bei den Sitzungen waren die Herren und Damen der Politik kaum noch im Fokus der satirischen und humoristischen Auseinandersetzung. "Den klassischen Büttenredner gibt es nahezu nicht mehr. Das ist ein Problem im Rheinland. Vielleicht muss sich das neu entwickeln", sagt Krautmacher. Stattdessen gäbe es eine neue Generation an Comedians, die ihr Stand-Up-Programm bei Sitzungen etwas karnevalistisch färben. Knacki Deuser sei ein gutes Beispiel. Büttenredner Jens Singer fordert allerdings auch die Karnevalsgesellschaften und die Sitzungspräsidenten auf, mehr für die Redner zu kämpfen, "denn fallen sie weg, kann man gleich nur noch zu Karnevals-Konzerten einladen", kritisiert Singer.

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Allerdings zeigte Bernd Stelter am Rosenmontag in der Fernsehsitzung, dass die pointierte politische Rede durchaus beim Publikum ankommt. Ganz nebenbei: Im Moment ist die "Leverkusener Rheinbrücke" in vielen Auftritten Thema bei den Profi-Jecken. Beispiel von Stelter: Er beruhigte die Besucher: Putin werde sicher Köln nicht erreichen: Die Leverkusener Rheinbrücke sei doch für Lastwagen und Panzer über 3,5 Tonnen gesperrt.

"Der Karneval wird immer mehr zum Event", sagt Blankerts. Das spreche natürlich die jüngere Generation an. Und die braucht der Karneval, um zu überleben, das weiß auch KOK-Präsident Krautmacher: "Wer sich nicht anpasst, wird über kurz oder lang verlieren." Um das Brauchtum macht er sich keine Sorgen: "Der Nachwuchs stimmt mich positiv. Die Beteiligung ist hoch." Für alle allerdings, die über den Wandel meckern, erklärt Krautmacher fast philosophisch: "Die heutige Zeit ist die gute, alte Zeit von morgen."

(RP)