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Leverkusen: Karl Lauterbach kann auch Marinaden

Leverkusener Abgeordneter bezieht Chefsessel im Bundesgesundheitsministerium : Lauterbach kann auch Marinaden

Leverkusens Bundestagsabgeordneter Karl Lauterbach zieht an diesem Donnerstag aus dem Reichstags-Büro ins Berliner Gesundheitsministerium um. Chefsessel. Im Gepäck hat der Mediziner und oft als Mahner der Nation verschriene Gesundheitsexperte der Sozialdemokraten auf jeden Fall eines: Authentizität. In vielen Lebensfragen und -lagen – von Kölsch bis A 1-Tunnel, von Grillmarinade-Rezept und Partygäste-Auswahl bis Weihnachtsmarkt. Eine Übersicht.

Ein Kollege einer Wochenzeitung schrieb kürzlich spitzbübisch: „War Karl Lauterbach bei Markus Lanz oder Markus Lanz bei Karl Lauterbach?“ Und zugegeben, es stimmt. Der SPD-Gesundheitspapst und Leverkusener Bundestagsabgeordnete mit einer Art Mandat auf Lebenszeit, immerhin sitzt er seit 16 Jahren für die Stadt in Berlin, war in letzter Zeit oft im Fernsehen. Oder im Zug nach Hamburg, Berlin, Köln mit Sätzen auf den Lippen wie „Ich bin gerade unterwegs zu Lanz“ oder Maischberger, Illner, Plasberg...   Dabei hätte er auch in eine Kochshow gehört. „Grill den Henssler“ etwa, denn Lauterbach hat offensichtlich Talent am Herd.

So viel, dass er vor Jahren die Lauterbach-Marinade für perfektes Grillfleisch erfunden hat – und das obwohl der Politiker seit gut 30 Jahren nur Fisch und kein Fleisch ist, noch nicht mal das mit seiner Marinade Durchzogene, die sich wie ein Schutzfilm vor krebserregenden Stoffen durch Holzkohledampf ums Fleisch lege. Im Wahlkampf hat er einst die Marinade-Flyer in Leverkusener Briefkästen verteilen lassen: „Wir brauchen einen öffentlichen Grillplatz.“ Mittlerweile gibt es mehrere.

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Dass er nicht – besser: nicht nur – der studienverschlingende Wissenschaftler und Mahner der Nation ist, sondern nahbar, hat Lauterbach über Jahre in Leverkusen bewiesen. Bei Demonstrationen gegen den oberirdischen Autobahnausbau (obwohl er aus der Leverkusener SPD-Linie ausschert, lieber einen langen A1-Tunnel sähe, dafür Schelte einsteckt). Beim Wadenwahlkampf. „Auf der Straße kommen die Leute auf mich zu, können Dinge fragen, die sie schon immer wissen wollten“, hat er mal gesagt. Nix mit 08/15-Gesprächen. „Ich versuche, authentisch zu sein.“

Echt Karl. Immer. Auch in Getränkefragen. Lange gezogenen Assamt-Schwarztee trinkt er zur Not kalt, Grüntee gar nicht. Kölsch mag er nicht, gestand er vor Jahren. „Alles andere wäre eine Lüge.“ Pils war früher, heute ist Wein, gern auch Erstklassiges aus dem Niedrigpreissegment. Authentisch. Das passt zum übrigen Auftreten. Zur Fliege, die er seit seiner Zeit in einer Unfallchirurgie in den USA trug (die Alternativen Amulett oder Krawatte kamen nicht in Frage) und erst in der Pandemie ablegte. Zur Frage der Geburtstagsgäste. Zu einer Berliner Fete bat er Wolfgang Bosbach (CDU) und Gregor Gysi (Linke): „Ich habe Leute eingeladen, die mir sympathisch sind.“

Echt Karl ist auch dies: Der neue Bundesgesundheitsminister mag Weihnachtsmärkte. „In Berlin gehe ich gerne zum Markt auf dem Alexanderplatz, weniger zum Gendarmenmarkt, der ist mir zu touristisch geworden. Und wenn ich in Leverkusen bin, gehe ich auf die hiesigen Märkte und nach Köln. Das erinnert mich an meine Kindheit.“

Da habe er gerne Thüringer Rostbratwurst gegessen und – „als ich alt genug dafür war“ – gerne Glühwein getrunken. Damals, als er beim BC Oberzier („Stürmer, links außen“) und Tischtennis beim TTC Niederzier spielte und Mathe-Hausaufgaben morgens noch im Bus zur Schule machte.

An diesem Donnerstag zieht der einstige Junge aus Düren ins Berliner Gesundheitsministerium ein – mit zwei Mitarbeitern, ein paar Bildern und viel Authentizität.

PS: Lauterbachsche Marinade-Rezeptur: 400 ml kaltgepresstes Olivenöl, ein Bund frischer Thymian, ein Bund frisches Rosmarin, Saft einer halben Zitrone, ein guter Schuss Balsamico-Essig, drei bis vier Kofi-Zehen. Zutaten vermischen und Fleisch vor dem Grillen gut damit marinieren. Laut Lachs- und Thunfischgriller Lauterbach funktioniert die Marinade auch für Fisch.