Busfahren ohne Original-Dokument wird in Leverkusen teuer „Jobticket“? Nur mit Lichtbildausweis gültig

Leverkusen · Foto vom Personalausweis auf dem Handy? Akzeptieren die Kontrolleure der Wupsi, wie andere Verkehrsunternehmen in NRW, als Begleiter zum digitalen Ticket nicht. Der Grund: Das sei manipulierbar. Die Details.

 Werbung fürs Deutschlandticket als Jobticket. Nur: Ohne Lichtbildausweis im Original ist das Ticket etwa bei der Wupsi nicht gültig.

Werbung fürs Deutschlandticket als Jobticket. Nur: Ohne Lichtbildausweis im Original ist das Ticket etwa bei der Wupsi nicht gültig.

Foto: dpa/Henning Kaiser

Schöne digitale Welt. Spart Papier und geht flott. Beispiel e-Rezept per Krankenkassenkarte oder Bezahlen per Handy. Busfahren nur mit digitaler Hilfe – funktioniert noch nicht.

Jüngst war eine Leverkusenerin mit der Buslinie SB 24 unterwegs. „Es fand eine Fahrgastkontrolle statt. Wie heutzutage selbstverständlich, haben die meisten Fahrgäste ihr Ticket digital auf dem Smartphone vorgewiesen, so zum Beispiel auch das Jobticket oder Deutschlandticket in der persönlichen App“, berichtet sie. Dann seien Kontrolleure in den Bus gekommen und hätten „zusätzlich zum digitalen Jobticket einen analogen Lichtbildausweis zum Zwecke der eindeutigen Identifikation“ verlangt. Die Leverkusenerin, die von sich sagt, sie sei meist digital unterwegs, hatte „nur ein gut lesbares Foto desselben auf dem Smartphone dabei. Dieses wurde jedoch von den Kontrolleuren nicht akzeptiert“. Folge: eine Geldbuße von 60 Euro, die sich „auf sieben Euro reduziert, wenn ich höchstpersönlich mitsamt Lichtbildausweis bei der Wupsi vorstellig werde. So ist es auch anderen Mitreisenden widerfahren.“

Die RP-Leserin merkt verärgert an: „Sollte man heutzutage nicht davon ausgehen können, dass ein Smartphone persönlich genug ist, um die Eindeutigkeit des Besitzers gewährleisten zu können?“ Und: „Ist es das Problem des Smartphoneeigentümers, falls sich die App mitsamt Jobabo auf mehreren Smartphones parallel installieren lässt?“ Zudem könne es auch nicht das Problem des Handy-Eigentümers sein, „wenn der Appentwickler nicht in der Lage ist, ein Foto des Aboinhabers in der App zu hinterlegen.“ In der Schweiz sei dies seit Jahren Standard. Ein gut lesbares digitales Foto eines Ausweises zur Identifikation müsse doch akzeptiert werden.

Wird es aber nicht, sagt die Wupsi auf die Anfrage unserer Redaktion, und das habe Gründe. Die von der Wupsi beauftragten Kontrolleure prüften nach den „aktuell gültigen Beförderungsbedingungen NRW und den VRS-Tarifbestimmungen“, sagt Unternehmenssprecherin Kristin Menzel. Die entsprechenden Infos seien unter anderem auf der Seite der Wupsi zu finden. Da heißt es etwa: „JobTickets gelten nur in Verbindung mit einem gültigen Lichtbildausweis des Ticketinhabers.“

Ein Lichtbildausweis könne nach Tarifbestimmungen etwa ein Personalausweis, ein Reisepass, ein EU-Führerschein, ein Schwerbehindertenausweis, ein Aufenthaltstitel und eine -gestattung, ein Reiseausweis mit Lichtbild von Ausländern oder eine Aufenthaltskarte für EU-Bürger sein. Menzel: „Das Kontrollpersonal der Wupsi zeigt sich bei der Akzeptanz eines amtlichen Lichtbildausweises kulant und akzeptiert auch andere Ausweise, wie Krankenversichertenkarten mit Lichtbild oder Schülerausweise mit Lichtbild, zur Identifikation.“ Aber zum Anfassen müssen sie sein. Denn: „Gerade Online-Tickets lassen sich beliebig vervielfältigen, sei es, in dem der Fahrschein mehrfach ausgedruckt wird, oder der QR-Code mittels eines Screenshots oder Screensharing mit anderen geteilt wird“, erläutert die Sprecherin. „Daher sind die Fahrscheine persönlich. Um zu wissen, ob die Person, die den Fahrschein vorzeigt, auch die Person ist, die es nutzen darf, muss zum Ticket ein amtlicher Ausweis vorgezeigt werden. Ein manipulierbares Foto reicht nicht aus.“

Dann folge, was der Leverkusenerin passierte: Kann dem Kontrollpersonal kein gültiger Fahrausweis vorgelegt werden – und in dem Fall, ist etwa das Jobticket eben nur dann „gültig“, wenn der Lichtbildausweis dazu vorgelegt werden kann – „wird ein erhöhtes Beförderungsentgelt in Höhe von 60 Euro ausgestellt“. Könne der Fahrgast nachweisen, dass er zum Kontrollzeitpunkt „einen gültigen persönlichen, nicht übertragbaren Fahrausweis besessen hat, wird ein Betrag in Höhe von sieben Euro fällig“, bestätigt Menzel. Allerdings muss das innerhalb von 14 Tagen ab Tag der Kontrolle passieren, etwa in einem der Kundencenter der Wupsi.

Immerhin: So wie etwa in Hamburg wird es vorerst in Leverkusen nicht: In der Hansestadt können Fahrgäste bei Busfahrern mit Bargeld kein Ticket mehr kaufen (das funktioniert nur mit Prepaid-Karte der dortigen Verkehrsbetriebe). Kristin Menzel versichert: „Ein solches Vorgehen ist bei uns nicht vorgesehen, da immer noch ein Barverkauf beim Busfahrer möglich sein soll.“

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