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Leverkusen: Initiative Reuschenberg wehrt sich gegen Bauvorhaben am Friedhof.

Bauvorhaben am Reuschenberger Wald : Bürgerprotest gegen Bebauung am Friedhof

Die Initiative Reuschenberg wehrt sich gegen Bauvorhaben. Unter anderem fürchten die Bürger weitere Verkehrs- und Lärmbelastung. Claudia Steguweit hat die Bürgerinitiative gegründet.

Politisch engagiert in der Stadt, sagt Claudia Steguweit, sei sie bisher nicht gewesen. Nun aber hat sie Akten studiert, Informationsquellen aufgetan, eine Petition gestartet und vor vier Wochen die Bürgerinitiative Reuschenberg gegründet. Was Steguweit, deren Familie das Blumengeschäft am dortigen Friedhof betreibt, sauer aufstößt, sind die Pläne, direkt am Friedhof Wohnungen zu bauen:  Ein privater Eigentümer hat angeboten, auf dem Grundstück zwischen der Straße Auf dem Weiherberg und Waldstraße unter anderem 40 bis 50 öffentliche Parkplätze zu bauen, zudem drei Mehrfamilienwohnhäuser, eines davon mit öffentlich geförderten Sozialwohnungen. „Unter den drei Gebäuden soll eine durchgehende Tiefgarage mit Stellplätzen für die Mieter entstehen“, steht unter anderem in dem Antrag des Bürgers. Auch ein weiterer Grundstücksbesitzer will bauen – mehrere Einfamilienhäuser, heißt es in einer Information für die Politik. „Als ich das gelesen habe, war ich entsetzt“, sagt Claudia Steguweit. Ihr erster Gedanke: „Das kann ich nicht zulassen. Nicht in dieser Größe.“ Was sie vor allem ärgert: Alles laufe still und heimlich ab, eine irgendwie geartete  Information an die Anwohner gebe es nicht. Claudia Steguweit fasst die Pläne so zusammen: „Ein Leverkusener Unternehmer und ein Wuppertaler Immobilienspekulant planen eine großflächige Bebauung am Friedhof Reuschenberg. Bestehend aus drei Mehrfamilienhäusern, Tiefgarage, zwölf Reihenhäusern, einem Doppelhaus und Parkplätzen.“ Die 54-Jährige und ihre Mitstreiter fürchten: „Wenn hier so stark gebaut wird, bekommen wir ein Verkehrschaos.“

Bereits jetzt kommen zu den Anwohnern die Friedhofsbesucher, Naherholungssuchende und die Gäste des Wildparks hinzu. „Das sind zu Corona-Zeiten unter der Woche 400 Besucher des Wildparks, an den Wochenenden das Doppelte“, sagt Steguweit. Da gebe es bereits jetzt schon eine hohe Verkehrsbelastung und Parkplatzprobleme. Teils nutzten Pendler die vorhandenen Parkplätze, und das mitunter tagelang. Teils blockierte auch Werbung die Parkplätze.  Zu Stoßzeiten im Wildpark suchten sich Gäste der Anlage einen Stellplatz im Bereich, der eigentlich für Friedhofsbesucher gedacht sei. Kämen weitere Anwohner und deren Besuch dazu, verbessere sich die Situation nicht. „Die Verkehrssituation an sich muss in diesem Bereich entzerrt werden, zum Beispiel durch eine Parkgebührenregelung“, schlägt die Leverkusenerin vor.

Nicht zuletzt sei der Bereich ein Erholungsgebiet. „Für viele ist es Meditation, über  den stillen Friedhof zu gehen. Für die Bürger ist der Zentralfriedhof ein Ort der Einkehr und Erinnerung. Es kann davon ausgegangen werden, dass durch die geplante Bebauung nachhaltig Konflikte und Ruhestörungen entstehen.“ Und noch eines könnte eintreffen: „Wenn die Anträge beider Grundstückseigentümer genehmigt werden, werden das Café und der Steinmetz abgerissen. Da gehen auch Existenzen verloren.“

 Seit kurzem sammelt die Initiative Unterschriften – auf Papier und über die Internet-Plattform OpenPetition. Bisher sind rund 1400 zusammengekommen. Und es sollen noch mehr werden. Die Initiative, die elf Mitstreiter hat, plant bereits Aktionen, die Stadtverwaltung, Politik und Bürger gleichermaßen aufmerksam machen sollen. Claudia Steguweit hat einen Bürgerantrag geschrieben, den sie  in der Politik vorstellen will. Voraussichtlich nicht in der  nächsten Ratssitzung im August, habe die Stadt ihr gesagt.

In der Online-Petition begründet die Initiative ihr Anliegen auch so: „Wir machen uns Sorgen um die Zukunft unserer Trauerkultur und fordern dass der Gedächnisort am Friedhof Reuschenberg die Achtung behält, die er verdient, respektiert und gepflegt wird.“