Leverkusen Inge Weber-Hintzen wird für ihre Arbeit als Tanzpädagogin ausgezeichnet

Kurt-Lorenz-Preis : Warum Tanz keine Frage des Alters ist

Die Tanzpädagogin und -vermittlerin Inge Weber-Hintzen erhält für ihre 40-jährige Arbeit den Kurt-Lorenz-Preis.

Seit 50 Jahren ist Tanzvermittlung ihr Metier, im kommenden Jahr feiert sie ihren 70. Geburtstag und kann ihr 40-Jähriges mit dem Tanztheater Schlebusch unter dem Dach des Schlebuscher Turnvereins begehen, wo sie einst mit einer Gruppe startete und inzwischen 170 Kinder, Jugendliche und Erwachsene tanzen lässt. Inge Weber-Hintzen hat somit den Kurt-Lorenz-Preis mehr als verdient. Am 17. November soll sie ihn im Spiegelsaal von Schloss Morsbroich für ihr herausragendes Wirken in Leverkusen in der Kategorie Tanz/Tanzpädagogik/Tanzvermittlung erhalten. „Ich freue mich wahnsinnig“, sagt sie.

Mit dem Tanz hat sie relativ spät, erst mit 18 Jahren, begonnen. Aber sie habe von klein an einen enormen Bewegungsdrang gehabt und war im Sportverein aktiv. Inge Weber-Hintzen absolvierte ihre Tanzausbildung mit staatlichem Abschluss an der Else-Lang-Schule in Köln, wo sie später acht Jahre als Dozentin arbeitete, bis zur Familiengründung. Ihre Eltern hätten sehr gerne getanzt, so ist ihre Erinnerung, aber sie konnten wenig mit der klassischen Ballettschule anfangen. Die ist auch Inge Weber-Hintzen zu elitär und zu teuer. Ihre Richtung sind Modern Dance und Tanztheater. Außerdem findet sie, dass Tanzen für alle möglich sein sollte.

Das funktioniert wunderbar in der Organisation eines Turnvereins, der ihr vor 40 Jahren einfach gestattete: „Mach mal!“ Dass daraus ein Tanztheater mit Gruppen für Kinder ab vier bis zu erwachsenen Ü-30-Tänzern wachsen würde, das keine Werbung macht, weil es ohnehin permanent eine Warteliste gibt, ahnte sie damals nicht. „Eigentlich arbeite ich nur an zwei Tagen pro Woche“, sagt sie. Aber damit rechnet sie nur die Zeit, in der sie mit anderen in der Halle trainiert. Sie selbst ist in einer Gruppe in Köln aktiv. Und zu Hause dreht sich ganz viel um das Tanztheater und die nächste Produktion, für die sie von der ersten Idee bis zur Saalmiete alles selbst organisiert.

Mit Unterstützung der ganzen Familie. Ihr Mann Alois Weber schrieb von Anfang an die Stücke. „Das ist perfekt, denn er kennt meine Schüler und weiß was sie können und brauchen“, sagt sie. Als ihre Kinder laufen lernten, stolperten sie schon über Bühnenbilder, die ebenso im eigenen Haus gefertigt wurden. Sie wuchsen in einer Welt des Tanzes auf und begannen beide als Vierjährige in der Gruppe der Minis. Der Sohn, der die Mutter vor allem bei technischen Aufgaben unterstützte, entschied sich später für den Lehrerberuf. Tochter Anna-Carolin Weber studierte neben Medienwissenschaften auch Choreographie, tanzt selbst, unterstützt ihre Mutter und entwickelt Programme in Eigenregie.

Auf diese Weise sind in den 40  Jahren 35 teils spektakuläre Produktionen entstanden. Viele wurden im Forum aufgeführt, einige auch an ungewöhnlichen Orten wie der U-Bahn. Alle drei Jahre steht ein Riesenprojekt an, bei dem alle 170 Mitglieder ihrem Alter und Leistungsstand entsprechend eingebunden sind. Dann wird auch an Wochenenden und Feiertagen trainiert, was die große Tanzfamilie ungeheuer zusammenschweißt. In dieser Zeit, die Weber-Hintzen mit einer Schwangerschaft vergleicht, dreht sich bei ihr Tag und Nacht alles um die große Produktion.