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Leverkusen im Lockdown: „Die Stimmung im Handel ist am Boden“

Novemberhilfen teils noch nicht in Leverkusen angekommen. : „Die Stimmung im Handel ist am Boden“

Noch immer warten Einzelhändler auf die staatlichen Novemberhilfen, sitzen auf den Winterwaren fest, müssen gleichzeitig Frühjahrs- und Sommerware abnehmen. Und: Der Lockdown geht in die Verlängerung.

Frohe Botschaft aus dem Einzelhandel: „Die Umsätze im nordrhein-westfälischen Einzelhandel waren im November 2020 real, also unter Berücksichtigung der Preisentwicklung, um 3,4 Prozent höher als im November 2019.“ Das meldet das Statistische Landesamt NRW (IT NRW). Das wären im Grunde richtig gute Nachrichten, wenn nicht die Pandemie dazwischengrätschte. Fakt ist auch: Seit Mitte Dezember ist der Großteil des Einzelhandels dicht. Lockdown. Und just haben Kanzlerin und Ministerpräsidenten die Verlängerung bis Mitte Februar beschlossen. Bis dahin soll eine Arbeitsgruppe „ein Konzept für eine sichere und gerechte Öffnungsstrategie“ erarbeiten. So zitieren mehrere Medien das Papier der Beratungsrunde. Darin ist auch davon die Rede, dass die Hilfen für Unternehmen, vor allem den Einzelhandel, vereinfacht werden sollen.

Dass das dringend notwendig ist, sieht auch Regine Hall-Papachristopoulos, Vorsitzender der Aktionsgemeinschaft Opladen (AGO), so. „Der Bund und das Land NRW haben Soforthilfen für Unternehmen ins Leben gerufen und von vielen Seiten hören wir, dass die Soforthilfen teilweise überhaupt nicht, beziehungsweise nur sehr zögerlich gezahlt werden“, berichtet sie. Anfang des Monats forderte sie AGO-Mitglieder auf, über ihre Lage zu berichten.

Die Rückmeldungen spiegeln zusammengefasst eines wider: „Die Stimmung ist am Boden.“ Finanzsorgen plagten viele Einzelhändler. „Die Abschlagzahlungen sind zwar gelaufen, aber teils haben die Händler die Novemberhilfen bis jetzt noch nicht bekommen. Eine Nachbesserung ist hier dringend geboten“, betont Hall. Was übel aufstoße, sei, dass den Einzelhändlern nur die Fixkosten erstattet werden. „Damit ist ihnen nicht geholfen. Sie bleiben derzeit auf der Winterware sitzen, sind aber verpflichtet, schon Frühjahrs- und Sommerware abzunehmen. Es ist von der Regierung recht sportlich zu sagen: ,Noch drei Wochen Zähne zusammenbeißen.’ Es weiß ja niemand, was danach ist, ob es dann besser wird. Von der Fixkostenerstattung lässt sich nicht der Lebensunterhalt bestreiten. Wie sollen sie privat überleben?“ Die Regierung plane dem Vernehmen nach, dass Ware, die nicht verkauft werden könne, abgeschrieben werden dürfe. Aber das sei bisher eben nur ein Plan, kein Fakt, sagt Hall.

Ähnliches Bild bei den Schaustellern: Sie sind im November und Dezember noch über die Runden gekommen, aber auch bei ihnen werde es nun sehr eng. „Manche berichten uns, dass die Banken aus gutem Willen gerade noch so still halten“, sagt die AGO-Vorsitzende. Und auch einen Kredit von einer staatlichen Bank zu bekommen, sei schwierig, übermittelten ihr die Händler. „Klar, die Banken wollen dafür Sicherheiten.“ Die der Einzelhandel im Moment nicht geben kann. Hall-Papachristopoulos fasst zusammen; „Alle hoffen und wünschen sich, dass beschlossene Hilfen nun auch schnell kommen und geklärt wird, ob und, wenn ja, wann sie zurückgezahlt werden müssen.“

Auch die Werbe- und Fördergemeinschaft Schlebusch hat bei den Mitgliedern Stimmen eingesammelt. „Der Umgang mit dem Lockdown ist so divers wie die Wirtschaftsstruktur vor Ort“, sagt Sprecherin Susanne Schaller. Etliche Händler setzen auf Online-Handel.

„Wir merken, wie agil und zupackend unsere Mitglieder sind. Wer sich an uns wendet, betont den positiven Blick in die Zukunft“, berichtet Ulrich Kämmerling. Der erste Vorsitzende der Werbe- und Fördergemeinschaft sorgt sich allerdings wie Regine Hall sehr um Einzelhandel, Gastronomie und Fitnessbranche in Schlebusch. Er berät aktuell mit den übrigen Vorstandsmitgliedern zu Maßnahmen, die den durch die Pandemie angeschlagenen Branchen vor Ort helfen können, durch die schwierige Zeit zu kommen.