Leverkusen: Hörspielnacht im Morsbroicher Schlosspark.

Schloss Morsbroich : Dunkelheit überm nassen Fisch

Hunderte pilgerten zur Hörspielnacht in den Schlosspark.

Bei Hörspielen denken die meisten Menschen wohl an Bibi Blocksberg, Benjamin Blümchen oder die Krimis der drei Fragezeichen. Auf Kassette oder CD festgehalten sind Hörspiele nur etwas für Kinder? Weit gefehlt. In den vergangenen Jahren haben Hörspiele und -bücher unter Erwachsenen immer mehr an Beliebtheit gewonnen. Im Rahmen des Morsbroicher Sommers am Schloss in Schlebusch pilgerten am Freitagabend hunderte Leverkusener in den Schlosspark in Schlebusch, um es sich dort gemeinsam gemütlich zu machen. Die Hauptatraktion: ein Hörspiel.

Auf hohem Niveau und mit viel Hingabe durch WDR3 produziert, entführte „Der nasse Fisch“ seine Hörer in die 1920er-Jahre. Der Krimi wurde 2016 verfilmt und erschien als „Babylon Berlin“ zunächst bei Pay-TV-Anbieter Sky.

Verena Guido komponierte dann die Musik für das Hörspiel, das ein paar Jahre später veröffentlicht wurde. Die Herausforderung, Musikstücke im Stile der damaligen Zeit zu schreiben und doch einen neuen Dreh in die Stücke zu bringen, nahm die Musikliebhaberin gerne an. Der Stil der 1920er-Jahre ist schon lange ein Teil von ihr, begann ihre Begeisterung für die Musikrichtung doch bereits sehr früh. „Schon als Kind war das so“, erzählte sie.

Mit einer Band performte Guido ein Teil der Stücke im Schlosspark. Die mit einem Orchester aufgenommenen Stücke auf eine kleinere Band umzuschreiben, sei gar nicht so einfach gewesen, betonte sie.

Derweil hatten es sich Antje, Iris, Elke und Rüdiger auf einer Decke im Gras bequem gemacht. Die vier Freunde freuen sich in jedem Jahr besonders auf die Hörspiele am Schloss. Sie sind sich einig: Diese Veranstaltung dürfe niemals sterben, „das wäre eine Katastrophe“. Sie lieben die Atmosphäre, wenn die Sonne während des Krimis langsam verschwindet und eine leichte Dunkelheit über den Zuhörern liegt.

WDR-Redakteur Thomas Leutzbach berichtete, Hörspiele gewännen immer mehr an Beliebtheit. Es gebe geradezu einen „Boom“. Ein gutes Hörspiel sei dabei nicht unbedingt teuer, es komme aber natürlich auf die qualitative Aufmachung an. Grundsätzlich sei es jedoch nicht wie beim Film. „Dort entscheidet teilweise eine halbe Million darüber, ob der Film richtig gut wird“, sagte Leutzbach.

Am Freitag waren nur Auszüge aus dem Roman von Volker Kutscher zu hören. Schließlich wären vier Stunden in der Tat etwas zu lange gewesen. Immerhn eineinhalb Stunden konnten es sich Antje, Iris, Elke und Rüdiger im Gras bequem machen – mit einem guten Hörspiel, etwas Bier und Wein.

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