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Leverkusen: Grundschüler reden Helikoptereltern ins Gewissen

Aktion in Leverkusen-Steinbüchel : Polizei und Grundschüler reden Helikoptereltern ins Gewissen

Bei einer morgendlichen Aktion rund um die Astrid-Lindgren-Schule in Steinbüchel ging es Mama- und Papa-Taxis an den Kragen. Polizeipräsident Uwe Jacob appelliert an Eltern, ihre Kinder „laufen zu lassen“.

Nun ist er also da: der etwas andere Schulstart. Mund und Nase mit einer Maske bedeckt tigern die Schüler der Stadt wieder in die Klassenräume. Dabei tritt ein gut bekanntes Problem wieder auf: Elterntaxis. An der GGS Astrid-Lindgren-Schule in Steinbüchel versuchten Polizei, Lehrer und Schüler, die teilweise uneinsichtigen Mamas und Papas jetzt zu sensibilisieren. Die Hoffnung: steter Tropfen höhlt den Stein.

Neben zehn Beamten zur Unterstützung der kleinen Aktivisten hatte es sich auch Polizeipräsident Uwe Jacob nicht nehmen lassen, bei der Aktion rund um die Grundschule an der Brandenburger Straße vorbeizuschauen. Er beklagte, dass Eltern weiterhin keine Einsicht zeigten, Kinder oft bis an die Eingangstür brächten. „Ich appelliere an jeden Erwachsenen, sein Kind laufen zu lassen“, betonte er. So lernten die Kinder, sich im Straßenverkehr richtig zu verhalten, das Risiko durch zu viele Pkw am Schuleingang werde minimiert.

Und das ist nötig: Im ersten  Halbjahr 2019 verzeichnete die Polizei acht Schulunfälle, einen weiteren im ersten Halbjahr des laufenden Jahres. „Das darf nicht passieren“, sagte Jacob.

Zu gefährlichen Situationen komme es so auch vor der Astrid-Lindgren-Schule, weiß Bezirksdienstbeamter Marco Kaiser zu berichten. Er versucht hin und wieder, morgens Kontrolle in das drohende Chaos zu bringen. Er erzählte, viele Eltern fuhren mit dem Pkw auf den kleinen Vorplatz der Schule. Das sei zwar nicht verboten, bringe aber Gefahren mit sich. Die Kinder seien gerade so hoch wie ein Seitenfenster – und somit leicht zu übersehen. Viele Eltern seien einsichtig, wenn der Polizist sie auf ihr Fehlverhalten hinweise, aber „zwei Tage später“, versicherte Kaiser, „fahren sie wieder dorthin“. Polizei, Schüler und Schule hoffen, dass Eltern ihre Kinder möglichst rund 200 Meter vor der Schule absetzen.

Neben so manch schlechtem Erlebnis sammelten die Grundschüler, die an drei Standorten in Gruppen zu je fünf Mamas und Papas anhielten, auch einige positive Beispiele. Dafür hatten die Kinder eine grüne und rote Kelle mit einem lachende beziehungsweise traurigen Smiley bereit. Sie lobten richtiges Verhalten – und kritisierten  bei schlechtem.

Schulleiterin Doris Hartlep empfindet Stolz für den Nachwuchs. Die Kinder seien es auch, weshalb Unterricht während der Pandemie funktionieren könne. So trugen die Jungs und Mädchen ihren Mund-Nasenschutz diszipliniert sogar während der Pausen. „Die Kinder sind kleine Helden und echte Vorbilder“, betonte die 39-Jährige. Sie ist sich sicher: Unterricht während Corona – das geht dank guter Konzepte und der Einhaltung aller Regeln.