Halbmarathon Leverkusen erstmals auch mit Bergwertung Großer Sport und ein Schreck am Ende

Leverkusen · Rund 5300 Läufer gingen am Sonntag bei der 22. Auflage des EVL-Halbmarathons an den Start. Ein medizinischer Notfall trübte die Freude kurz vor dem Ziel.

Halbmarathon in Leverkusen: 21 Kilometer durch die Stadt
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21 Kilometer quer durch die Stadt

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Foto: Miserius, Uwe (umi)

Und plötzlich wurde es am gut besuchten Zieleinlauf des EVL-Halbmarathon auf der Bismarckstraße vor der BayArena ganz still: Ein Läufer mittleren Alters hatte die 21 Kilometer schon nahezu gänzlich geschafft, da brach er vor den Augen der Menschen zusammen. Nur weil die Sanitäter schnell reagierten, konnten sie den Mann nach bangen Minuten reanimierten. Er wurde ansprechbar zu weiteren Untersuchungen ins Klinikum gebracht, telefonierte auf dem Weg dorthin laut Organisatorin und Sportpark-Mitarbeiterin Tiina Ripatti bereits mit seiner Frau. Der Vorfall, der allen Beteiligten einen großen Schrecken einjagte, trübte eine ansonsten wunderbare 22. Auflage des größten Laufs der Stadt, an der insgesamt 5300 Personen über die verschiedenen Distanzen teilnahmen. Der wohl größte Gegner der Sportler: ein Berg.

Dementsprechend angestrengt waren die Gesichter, die Atmung dem Rhythmus der schweren Schritte angepasst. Die Steigung im Wald am Birkenberg, vom Nebenkanal der Wupper hinauf zum Sportplatz, gilt unter den Läufern über die Halbmarathon-Distanz als eine der schwierigsten Aufgaben, weil sie schon nach rund sieben Kilometern die ersten Kraftreserven beansprucht. Erstmals wurde hier eine Bergwertung vergeben, die die Sportler merklich motivierte. Jason Bergelt absolvierte die Herausforderung mit 18 Sekunden am schnellsten.

Als erster Athlet aber bog natürlich Seriensieger und Marathon-Profi Hendrik Pfeiffer auf den Anstieg von etwa 100 Metern Länge ein. Erst eine Woche zuvor hatte er mit der deutschen Mannschaft bei den Europameisterschaften in Rom die Bronzemedaille gewonnen. Mit diesem Erfolg im Rücken schien er den Berg gar nicht zu realisieren. „Das wirkt vielleicht so“, erzählte er später lächelnd, „aber auch ich merke den schon.“ Insgesamt benötigte er eine Stunde und sechs Minuten für das Rennen. Am Fuße des Anstiegs folgte ihm gut 20 Minuten nach seiner Durchreise das breite Feld. An den Gesichtern und der Körpersprache war zu sehen, dass viele der Akteure kämpften mussten, die Zähne zusammen bissen und die Atmung bestmöglich zu kontrollieren versuchten.

Einige Meter und ein paar Kurven weiter hatte Familie Kirschey um Vater Martin und die Söhne Yannic und Sören dann alle Hände voll zu tun. Gemeinsam mit einem Team aus zehn Helfern reichten sie den Sportlern nach überstandener Steigung Wasser, insgesamt je 40 Liter Iso-Getränke und Eistee sowie Bananen. „Die ganz schnellen Läufer nehmen hier gar nichts“, erzählte Martin Kirschey, „die laufen einfach durch. Aber wenn das Hauptfeld kommt, müssen wir flink sein.“ Im stressigen Akkord füllten sie daher Wasser, das sie direkt aus dem Trinkwassernetz entnahmen, aus großen Eimern in Becher. Das braucht eine eingespielte Mannschaft.

Zu diesem Zeitpunkt waren die meisten Läufer bereits 45 Minuten unterwegs. Um Punkt 9 Uhr war der Startschuss an der BayArena durch Sportpark-Chefin Nelly Schreiner gefallen. Als sich die Sportler auf den Strecken befanden, hatte Tiina Ripatti erstmals Zeit, durchzuschnaufen. „Alles läuft reibungslos“, berichtete sie zu diesem Zeitpunkt noch offenkundig glücklich.

Wobei der Abschnitt im Bürgerbusch, in dem die Wege weiterhin ölig-matschig sind, auch durch die starken Regenfälle weiter Probleme gemacht hatte. Sägespäne, Rindenmulch und Sand sollten die Schäden eindämmen. „Es war dann immer noch nicht optimal – aber laufbar“, sagte Ripatti.

Nach gut einer Stunden kamen die ersten Absolventen des Halbmarathon ins Ziel. Das Hauptfeld befand sich zu diesem Zeitpunkt erst bei rund 18,5 Kilometer und damit auf Höhe des letzten Versorgungspunktes, für den die Roten Funken verantwortlich waren. Sie wussten um ihre besondere Rolle, die darin bestand, die Hobby-Läufer auf dem letzten Abschnitt nochmal zu motivieren. „Viele Leute kommen an und sehen sehr erschöpft aus“, bemerkte Vorsitzender Uwe Thal. Dessen Karnevalisten versuchten deshalb, mit Musik und Frohsinn zusätzlich Kraft zu geben. Einige Läufer sangen die Lieder mit.

Der Startschuss ist gefallen beim 22. EVL-Halbmarathon...

Der Startschuss ist gefallen beim 22. EVL-Halbmarathon...

Foto: Miserius, Uwe (umi)
 ... und Sportpark-Chefin Nelly Schreiner hatte ihn gegeben.

... und Sportpark-Chefin Nelly Schreiner hatte ihn gegeben.

Foto: Miserius, Uwe (umi)
 Eine Solidaritätsbekundung für die Ukraine.

Eine Solidaritätsbekundung für die Ukraine.

Foto: Miserius, Uwe (umi)
 Ein Läufer musste von Rettungskräften reanimiert werden.

Ein Läufer musste von Rettungskräften reanimiert werden.

Foto: Miserius, Uwe (umi)

Das zeigt: Bis auf den leider dramatischen Zwischenfall gegen Ende des Rennens überwog die gute Laune der Teilnehmer, die mit Strecke, Organisation und ihren sportlichen Ergebnissen rundum zufrieden waren.