Leverkusen: Leverkusen gibt Gas beim Energiesparen

Leverkusen : Leverkusen gibt Gas beim Energiesparen

Im neuen Klimaindex, dem im Zuge des derzeitigen Weltklimagipfels besondere Aufmerksamkeit geschenkt wird, liegt Deutschland nur im Mittelfeld. Und wo steht eigentlich Leverkusen in Sachen Energieverbrauch und Klimaschutz?

Seit gut einem halben Jahr ist Norbert Plaga Energiemanager im Fachbereich Gebäudewirtschaft der Stadt. Er kümmert sich um die städtischen Liegenschaften, sorgt dafür, dass die Stadt weiß, wie sie energetisch bei ihren Gebäuden dasteht. "Ich muss das Thema Energie am Kochen halten", fasst der 54-jährige salopp zusammen. Es geht um Energiebeschaffung, Energiecontrolling, um Akteursmanagement und die Sensibilisierung von Stadtmitarbeitern fürs Thema Energie.

"Natürlich ist den meisten klar, dass man verantwortungsvoll mit Strom und Wärme umgehen sollte, aber manchmal wird es im Alltag einfach vergessen", sagt Plaga. Hinter Stadtmitarbeitern das Licht auszuschalten, ist allerdings nicht seine Aufgabe, vielmehr sind es die 300 städtischen Gebäude. "Da sprechen wir von fünf bis sechs Millionen Euro Kosten für Strom und Wärme im Jahr", sagt Maria Kümmel, Leiterin der Gebäudewirtschaft und Chefin von 190 Mitarbeitern. Diese Kosten würden Plaga und Kümmel gerne senken, und wenn es nur ein paar Prozentpunkte seien. "Wir sind wild entschlossen, an den Klimazielen des Bundes und natürlich dem Stadtziel Klimaschutz mitzuwirken", betont die Architektin.

Eines der Projekte dazu heißt "KieL", was für "Klimaschutz in den eigenen Liegenschaften" steht. "Dazu sind 100 der 300 Gebäude energetisch untersucht worden, die Auswertung liegt jetzt vor", berichtet Norbert Plaga. Nun gehe es darum, die Erkenntnisse umzusetzen unter dem Leitsatz: "Energie sparen, ohne die Sicherheit und die Funktion zu gefährden und ohne dass ein Komfortverlust entsteht."

Energiemanager Norbert Plaga rät, sich mit der "Heizung, dem unbekannten Wesen" zu befassen. Das spare Geld und koste nur wenig Komfort. Foto: Miserius

Genau da liegt ein Vorurteil, mit dem Plaga aufräumen will: "Energiesparen, das ist negativ behaftet, das verbinden die Leute mit Verlust. Das muss man ins Positive verkehren." Maria Kümmel nennt ein Beispiel: Der Gebäudewirtschaft müsse es gelingen, die Heizungen in den Stadt-Gebäuden so einzustellen, dass eine Wohlfühltemperatur von 20 Grad besteht, ohne dass die Leute die Ventile immer hoch- und runterstellen. Das spare Energie. Und sei von den Kosten ein kleiner Posten. Andererseits: Laut Plaga hat die Stadt viele Gebäude aus den 60er, 70er und 80er Jahren, die in die Jahre gekommen seien. "Mit Hilfe des Konjunkturpakets haben wir viel geschafft, haben Schulen saniert. Aber es gibt noch viel zu tun, da wären wir für ein zweites und drittes Konjunkturpaket schon dankbar", ergänzt Maria Kümmel lächelnd.

Norbert Plaga lobt: "Leverkusen hat ein gutes Fundament in Sachen Klimaschutz und nachhaltige Energienutzung. Das sind keine Lippenbekenntnisse. Es gibt Engagement - trotz knapper Kassen." Ein Vorzeigeprojekt heißt EnergieLux, bei dem Schulen und Kitas Energie sparen, somit auch die Stadt. 29 Einrichtungen haben im vergangenen Schuljahr mitgemacht - am Montag wurden die besten Energiesparer geehrt. "Die Kinder dienen als Multiplikatoren, weil sie über das Projekt zu Hause aufs Energiesparen aufmerksam machen."

Für die Stadt haben Plaga, der Energie- und Umweltschutztechnik studiert hat, und Kümmel noch viele Ziele: "Sanierung bis hin zum Plus-Energiehaus, Letzteres wäre ein Leuchtturmprojekt", beschreibt er und fasst das Stadtziel zusammen: "Es geht um umwelt- und ressourcenschonendes Betreiben und Errichten von Gebäuden und das Ganze mit Entlastung des städtischen Etats." Leverkusen sei nur ein Zahnrädchen im Energiespar- und Klimaschutz-Uhrwerk Deutschlands. "Aber dafür sorgen, dass die Akzeptanz für nachhaltigen Energieeinsatz geschaffen wird, kann man auch hier."

(RP)
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