Leverkusen: Gebetomat in St. Remigius Opladen

"Gebetomat" in Leverkusen: Beten im Passbildautomaten

Gebetomat in Leverkusen: Beten im Passbildautomaten

Hinsetzen, Gebet auswählen und zuhören - so einfach kann Beten sein. In der Opladener Kirche Sankt Remigius steht der sogenannte Gebetomat. Er spricht auf Wunsch eines von 320 Gebeten.

Er sieht aus wie ein Passbildautomat: 2,20 Meter hoch, 1,11 breit und 75 Zentimter tief. Doch diese graue Box mit Vorhang und Höckerchen macht keine Fotos - hier wird gebetet. Im Eingangsbereich der Kirche Sankt Remigius in Opladen steht seit kurzem der sogenannte "Gebetomat".

Die katholische Kirchengemeinde in Opladen hat das Kunstwerk für ihre Aktion "24 Stunden für Gott" gemietet. Praktisch ist die Mini-Kapelle. Stecker rein und schon leuchtet der Touchscreen.

320 Gebete aus den fünf Weltreligionen — Buddhismus, Christentum, Hinduismus, Islam und Judentum kennt der Gebetomat, der 65 Sprachen spricht; unter anderem Ägytisch und Indonesisch.

Welche Idee steckt hinter dem Gebetomaten?

  • Gebetomat in Leverkusen: Beten im Passbildautomaten

Holger Höhn hat die Fastenaktion "24 Stunden für Gott" in der Gemeinde organisiert. Für ihn ist Gebetomat eine Möglichkeit, zur Ruhe zu kommen. "Die Tür ist auf. Komm zur Ruhe, genieße die Atmosphäre und frage dich einmal die existenziellen Dinge deines Lebens", beschreibt er. Von dem kleinen Gebetsraum hat sich der werdende Diakon überraschen lassen. Zunächst sei er skeptisch gewesen, dann habe ihn ein Gesang aus dem Automaten überrascht, den er zuvor noch nie gehört hatte.

Erfunden hat den Gebetomaten der Berliner Künstler Oliver Sturm. Die Idee hatte er in New York. Dort hörte er aus einem Automaten in einer U-Bahnstation seltsames Gemurmel. Keiner der Passanten achtete auf die Stimme, alle gingen achtlos an dem Automaten vorbei.

Der Gebetomat soll so etwas wie der Gegenentwurf zu der Szene sein: "ein Ort zum Zuhören", schreibt der Künstler im Internet. Die Gebetstexte hat Sturm zum Beispiel in Gottesdiensten, Andachtsräumen, Wohnungen oder in Archiven gefunden.

Geld kostet der Gebetomat übrigens nicht. Der Geldeinwurfschlitz ist abgeklebt. Seit 2008 touren mehrere Exemplare des Gebetomaten durch Deutschland.

(woa)