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Leverkusen: Frau will Bank nach Aktien-Gau verklagen - 344.000 Euro Schulden

344.000 Euro Schulden : Leverkusenerin will Bank nach Aktien-Gau verklagen

Die junge Mutter aus Leverkusen befürchtet ihren finanziellen Ruin. Sie will deshalb mit Spendenhilfe die Gerichtskosten ausgleichen. Die Direktbank schweigt weiter zu dem Vorfall.

Mehr als vier Monate, nachdem eine junge Mutter aus Leverkusen eine hohe sechsstellige Summe bei einem online beauftragten Aktientransfer verloren hat, bleibt weiter offen, wer den Schaden tragen muss und wie er überhaupt zustande kommen konnte. Die Betroffene, die 27-jährige Jenny Schulz aus Bürrig, erwägt nun, mit juristischen Schritten gegen die Comdirekt-Bank vorzugehen, damit sie nicht auf den 344.000 Euro Schulden sitzen bleibt.

„Mein Anwalt hat der Bank geschrieben, um ihr eine Chance zu geben, die Vorgänge aufzuklären“, sagt Jenny Schulz. Bisher habe es aber nicht mehr gegeben als die Zusage einer Prüfung. „Sie wollen sich melden“, sagt die Leverkusenerin. Das Konto hat sie zum 1. Mai gekündigt. „Ich sehe kommen, dass wir vor Gericht ziehen müssen“, sagt sie.

Seit vier Monaten versuche Schulz vergeblich, eine Antwort auf ihre Fragen zu bekommen. Die Kosten eines Rechtsstreits seien jedoch für sie als junge Familie mit zwei Kindern enorm hoch (sie schätzt sie auf 15.000 Euro). „Ich will und muss gegen diese Sache angehen, um mein Recht zu erwirken“, sagt die 27-Jährige. Erste Zahlungen für ihren Anwalt hätten ihr bereits finanziell zu schaffen gemacht. So hat sie eine Spendenseite eingerichtet und bittet im Netz um Unterstützung (https://gofund.me/30de7d3d). 

Der Fall der jungen Mutter aus Leverkusen hatte in der vergangenen Woche deutschlandweit für Schlagzeilen gesorgt. Schulz hatte mit Restgeld aus einem Wohnungsverkauf ein mit 25.000 Euro bestücktes Konto bei der Comdirekt-Bank eröffnet. Am 9. Dezember orderte sie nach eigenen Angaben bei der Bank online 5800 Aktien des US-Pharmaherstellers Greenwich, nachdem er die Entwicklung eines Medikaments gegen Brustkrebs bekannt gemacht hatte – zu einem vermeintlich noch niedrigen Preis.  Der Kurs stieg aber innerhalb kurzer Zeit um das Zweitausendfache. Die Bank vollführte die nicht limitierte Order zum Preis von 600.000 Euro, und zwar offenbar ohne den Kontostand der Leverkusenerin zu beachten. Auf diese Weise wurde das Konto um 575.000 Euro überzogen. Als Jenny Schulz den Vorgang bemerkte, verkaufte sie die Aktien wieder, allerdings zu einem deutlich niedrigeren Preis. Nun steht sie mit eben diesen 344.000 Euro bei der Bank in der Kreide. Ihr Fall hatte eine breite Diskussion über Sicherungssysteme im direkten Online-Handel mit Aktien und über Fragen des Verbraucherschutzes losgetreten. Die Comdirekt will sich wegen des laufenden Rechtsverfahrens und des Bankgeheimnisses  nicht äußern.

Jenny Schulz hat sich auch hilfesuchend an die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) gewendet, jedoch eine Absage erhalten. Die Behörde habe offenbar keinen Anlass gesehen, einzugreifen, berichtet die Leverkusenerin. Ihr Erspartes, die 25.000 Euro, behalte die Bank ein. „Ich stehe mit meiner Familie mitten in einer Sanierung und kurz vor dem Umzug“, sagt die junge Frau.

Sie  wirkt entschlossen und zugleich verzweifelt.