Leverkusen: Ferienlager in Südfrankreich überschwemmt

Zeltlager in Frankreich überschwemmt: Tragisches Ende eines „Abenteuers“

Die 100 Kinder aus dem französischen Ferienlager an der Ardèche sollen am Samstag zurückkehren. Der Begleiter bleibt vermisst.      

Das Bangen um die rund 100 Kinder und 40 Betreuer des Zeltlagers der katholischen Gemeinde St. Antonius an der französischen Ardèche soll heute, am Samstag, ein Ende haben. Am Vormittag werden die am Freitag gestarteten Reisebusse mit Kindern aus Leverkusen, Leichlingen, Langenfeld, Hilden und Meerbusch zurück erwartet. Ein 66-jähriger Betreuer aus Köln, der für das Fahren eines Kleintransporters zuständig war, galt am Freitag weiterhin als vermisst. Die beiden Leiter des Ferienlagers wurden nach Agenturberichten von der französischen Polizei in Gewahrsam genommen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts gefährlicher Körperverletzung und des Betreibens eines Campingplatzes ohne behördliche Genehmigung. Die beiden Männer gelten als sehr erfahren. Über 40 Mal sollen sie im Zeltlager in der Provence gewesen sein, erst als Teilnehmer, später als Fahrer, Wanderleiter, Tourenplaner. Seit 1996 leiten sie das Sommerlager.

Das von dem Leverkusener Pfarrer Leo Verhülsdonk vor 61Jahren eingerichtete Camp gilt als „Kult-Zeltlager“. Mehrere Generationen, Menschen aus allen Schichten verbrachten dort ihre Ferien und schickten später ihre Kinder dorthin. Auf der Homepage des Vereins „Jugendförderung Leverkusen“ der Pfarrei St. Antonius wird eine große Kanu-Fahrt über die Ardèche als „das größte Abenteuer unseres Zeltlagers“ angekündigt. Dass der Fluss und seine kleinen und sonst trockenen Nebenarme binnen Sekunden das ganze Lager hinwegreißen sollten, konnte niemand vorhersehen. Auch der 17-Jährige Paul (Name geändert) nicht, als er in Shorts in seinem Zelt lag. Eine erste Welle erfasste das Zelt und ließ das Gestänge über ihm zusammenbrechen, berichtet seine Mutter. „Es kamen immer neue Wellen. Von einer wurde Paul tief unter Wasser gedrückt, und er hatte das Gefühl, er müsse ertrinken. Doch gelang es ihm schließlich, sich aus dem Zelt zu befreien und sich an einem Baum festzuhalten.“ Der sportliche, hoch gewachsene Junge gelangte in knietiefes Wasser, holte tief Luft, um sich dann um andere Camper zu kümmern, die durch die Wassermassen ebenfalls in größte Gefahr geraten waren. Das Selfie, das er seiner Mutter später schickte, zeigt einen Jungen mit zerkratztem Oberkörper und müdem, ernstem Blick.