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Leverkusen: Fans der Werkself starten Petition zur Verlegung des Pokalfinales

Bereits 3500 Stimmen : Bayer-Fans fordern Verlegung des Pokalfinales

Die Petition von Bayer-Fan Marvin Sonnenberg haben bereits 3500 Menschen unterschrieben. Sie wollen das Endspiel in Berlin im Olympiastadion miterleben. Es ist eine große Titelchance für Bayer 04.

Als Marvin Sonnenberg am vergangenen Dienstag nach Bayer Leverkusens Einzug ins DFB-Pokalfinale nach Hause fuhr, war er ernüchtert. Eigentlich hätte er mit Freunden den größten Erfolg seines Lieblingsvereins seit mehr als zehn Jahren ausgelassen gefeiert und Reisepläne für Berlin geschmiedet, aber Freude wollte von der Couch aus, bei trister Geisterspiel-Kulisse in Völklingen, nur bedingt aufkommen.

Am 4. Juli, wenn das Finale gegen Bayern München steigen soll, werden auch die Ränge des Olympiastadions in Berlin gähnend leer und Zuschauer ausgeschlossen sein. Sonnenberg stellte sich die Frage: „Warum das Finale nicht einfach verschieben, bis die Fans wieder ins Stadion dürfen?“ Schließlich seien andere Wettbewerbe nicht von diesem Spiel abhängig und beide Finalteilnehmer schon mindestens für das europäische Geschäft qualifiziert. Sonnenberg wollte nichts unversucht lassen und startete eine Petition zur Verschiebung des Pokal-Endspiels, die bis Montagnachmittag bereits 3500 Menschen unterschrieben haben.

„Für mich und viele andere Fans, die seit Jahren dem Verein hinterher reisen, könnte mit dem Titel ein Kindheitstraum in Erfüllung gehen. Das jetzt nicht live vor Ort miterleben zu können, ist eine Katastrophe. Wer weiß, ob die Chance noch mal wiederkommt“, sagt Sonnenberg. Überall in der Stadt sind mittlerweile Plakate zu sehen, die auf die Petition hinweisen. Man habe ihm gar Bilder von Plakaten gesendet, die an der Zentrale des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) in Frankfurt aufgehängt wurden, sagt Sonnenberg. An der BayArena wurde auf Spruchbändern gefordert: „Finale nur mit voller Hütte“.

Und es gibt einen Präzedenzfall aus Spanien. Gerade hat der nationale Fußballverband dem Antrag der beiden Pokal-Finalisten Real Sociedad und Athletic Bilbao stattgegeben, das Finale zu verschieben, bis Fan-Unterstützung im Stadion wieder möglich ist. „Die wirksamste Stimme haben die Vereine und die spielen“, betont Sonnenberg. Er hofft, dass seine Petition bei den Verantwortlichen Gehör findet und in einem Antrag beim DFB mündet. Er selbst stehe zwar nicht mit Bayer 04 in Kontakt, wohl aber die Vertreter des Fangremiums Kurvenrat, die wie der Fan-Dachverband Nordkurve12 die Petition unterstützen und ihrerseits Bayer-Fans dazu aufrufen, Mails an den DFB zu schreiben.

Der Argumentation, dass Ende Juni viele Verträge auslaufen und begehrte Transferziele wie Kai Havertz bei einem Termin im Herbst oder Winter das Finale verpassen würden, hält der 25-Jährige entgegen, dass dies zwar schade für die Spieler, bei Qualifikation für Weltmeisterschaft oder Champions League aber nicht anders sei: „In Relation zu den 20.000 Fans, die seit Jahrzehnten auf dieses Gefühl hinfiebern, dabei zu sein, wenn Bayer Leverkusen einen Titel gewinnt, ist das ein Opfer, das man bringen kann“, sagt er.

Die Faszination und Liebe für Fußball gehe für ihn Hand in Hand mit dem Erlebnis, mit Freunden gemeinsam in der Kurve zu stehen, den Verein zu unterstützen, Auswärtsreisen zu machen. „Wenn das nicht mehr gegeben ist, macht das alles keinen Sinn mehr. Denn was ist der Pokalsieg ohne das unvergessliche Erlebnis wert?“

Auch für die Spieler sei das sicher nicht toll, nach einem historischen Sieg den Pokal im leeren Stadion gen Himmel zu stemmen. In den kommenden Monaten dürfe man zwar nicht unverantwortlich handeln, aber es müsse das erklärte Ziel von Liga und Verband sein, „sobald es die Umstände zulassen, Fans wieder Zutritt zum Stadion zu gewähren.“ Schließlich lebe der deutsche Fußball auch von jubelnden Menschen und bunten Kurven.