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Leverkusen: Eine Stunde streiken, doch die Patienten nicht vergessen 

Klinikum Leverkusen : Eine Stunde streiken, doch die Patienten nicht vergessen

Nachdem Verdi für Montag und Dienstag Warnstreiks im öffentlichen Nahverkehr angekündigt hatte, sollten sich die Streikaktionen am Dienstag auch auf die kommunalen Kliniken ausweiten.

Um kurz nach zwölf Uhr steht Wolfgang Stückle, Betriebsratschef des Klinikums, noch fast allein im Nieselregen im Innenhof des Klinikums. Bis auf einige Fahnen deutet kaum etwas darauf hin, dass hier wenig später ein Warnstreik stattfinden soll. Nach und nach trudeln die Bediensteten des Krankenhauses ein. Einige in ihrer Arbeitskleidung, alle mit Mund- und Nasenschutz. Trotzdem erhalten sie noch eine Maske von Verdi. Flagge zeigen. Am Ende sind es etwa 50 Bedienstete, die dem Aufruf zum Warnstreik gefolgt sind und zwei Tage vor der dritten Verhandlungsrunde in der Tarifauseinandersetzung in Potsdam für eine Stunde ihre Arbeit niederlegen. „Mit dem Zuspruch sind wir zufrieden“, sagt Stückle. Besonders vor dem Hintergrund, dass es nur etwa 24 Stunden Zeit zur Mobilisierung waren. „Wir müssen da einen Mittelweg finden zwischen Aufmerksamkeit und Versorgung“, ergänzt er.

Die Forderungen der Bediensteten sind nicht neu. „Wir wollen angemessen für unsere Arbeit bezahlt werden“, sagt Oktay Bahar. Er arbeitet in der Notaufnahme, heute in der Corona-Ambulanz. Dort hat er auch mit Covid-19-Patienten zu tun. „Wenn wir uns in einer solchen Situation im Dienst infizieren sollten, muss das auch als Arbeitsunfall gelten und so behandelt werden“, ergänzt er. Zudem werden Rufe laut nach mehr Personal und mehr Wertschätzung.

Ihrer Verantwortung sind sich die Bediensteten durchaus bewusst – besonders in der aktuellen Situation. „Da wäre ein Vollstreik ein falsches Signal“, sagt Frederik Kneip, der im Zentral-OP tätig ist. Das Krankenhauspersonal könne nicht tageweise streiken wie die Bahnfahrer, sagt er. Trotzdem sei es möglich, mehr Personal zu mobilisieren. Dabei dürfen die Patienten allerdings nicht vergessen werden.

„Die haben wir immer im Hinterkopf“, sagt Bahar. „Wenn es einen Notfall gibt, brechen wir hier natürlich sofort ab.“ In den einzelnen Bereichen und auf den Stationen habe man sich abgesprochen, wer Interesse hat, an dem Streik teilzunehmen. So sei sicher gestellt worden, dass auf jeder Station genügend Bedienstete die Versorgung gewährleisten können, sagt Kneip.

In einem sind sich die Streikenden einig: Es muss sich etwas ändern. „Auf dem Balkon stehen und klatschen reicht nicht aus.“