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Leverkusen Drogensüchtiger überfällt seine Ex: zwei Jahre Haft

Amtsrichterin urteilt : Drogensüchtiger Leverkusener überfällt seine Ex: zwei Jahre Haft

Mehrfach hatte ein wohnungsloser Leverkusener seiner von ihm getrennt lebenden Frau in Wuppertal aufgelauert, um von ihr Geld zu erzwingen – sogar im Beisein der gemeinsamen Kinder. Vor Gericht schilderte der Mann seine Heroin- und Alkoholsucht.

Von Sabine Maguire

Weil er seine getrennt von ihm lebende Frau mehrfach überfallen, bedrängt und von ihr Geld gefordert hatte, musste sich jetzt ein Leverkusener vor dem Wuppertaler Amtsgericht verantworten. Begonnen hatte alles im März 2019 vor einem Einkaufszentrum in Wuppertal. Dort soll der damals 35-jährige Wohnungslose „zufällig“ seiner Ehefrau begegnet sein. Die war mit den gemeinsamen Kindern und einer Freundin zum Shoppen unterwegs, als ihr der 35-Jährige von hinten in die Tasche gegriffen haben soll, um Geld zu stehlen. Weil dieser Versuch erfolglos geblieben war, soll der Angeklagte seiner Frau zum Hauptbahnhof gefolgt sein, um dort erneut Geld von ihr zu erzwingen.

Nachdem sich das Opfer ein weiteres Mal losgerissen hatte und mit den Kindern geflohen war, soll der Leverkusener ihr hinterhergerufen haben: „Ich f... Dich und deine Familie.“ Später soll er seiner Frau in deren Wuppertaler Wohnung aufgelauert und im Keller des Hauses übernachtet haben.

Bei einem weiteren Vorfall soll er erneut auf seine Frau und die Kinder getroffen sein – diesmal in einem Bus. Nachdem auch dort der Versuch misslungen war, ihr die Geldbörse zu stehlen, soll er ihr den Wohnungsschlüssel aus der Hand gerissen und sich in ihrer Wohnung eingeschlossen haben. „Er stand am offenen Fenster und hat herumgebrüllt“, erinnerte sich eine Zeugin vor Gericht.

Herbeigeeilte Polizeibeamte mussten die Wohnung vom Schlüsseldienst öffnen lassen. Hinter der Wohnungstür fanden sie den Leverkusener auf dem Boden liegend. „Der Mann war körperlich völlig am Ende“, berichtete ein Polizist im Zeugenstand. Auf dem Weg zur Wache soll der 35-Jährige die Beamten darüber hinaus auch noch beleidigt haben.

Wie er in einen solchen Zustand geraten konnte, erklärte der Leverkusener im Rückblick mit seiner Drogensucht. Eine Flasche Wodka will er getrunken haben, und das jeden Tag. Er selbst behauptet jetzt, dass er damals einen „kalten Entzug“ von seiner Heroinabhängigkeit gewagt haben will. Polizeibeamte erinnern die Lage anders – ihnen will er gesagt haben, dass er kurz zuvor Heroin konsumiert habe.

Alkoholabhängigkeit scheint der Angeklagte schon aus der Kindheit zu kennen. Dem psychiatrischen Gutachter hatte er offenbart, vom alkoholabhängigen Vater geschlagen worden zu sein. Vor einem Jahr sei die Lage zuhause dann eskaliert: Erst habe der in Leverkusen lebende Vater den Sohn vor die Türe gesetzt, und dann sei er mit einem Messer auf die Mutter losgegangen. Die wohne seit einem Jahr im Frauenhaus – und mit ihr wolle er zusammenziehen, wenn er selbst aus der Haft entlassen werde.

Hinter Gittern war er vor dem Prozess am Wuppertaler Amtsgericht nur gelandet, weil er zum ersten Gerichtstermin nicht gekommen war. Nun also wurde der 35-Jährige aus der Untersuchungshaft vorgeführt, und so schnell werden sich die Türen in die Freiheit für ihn auch nicht öffnen.

Zwar hatte der Gutachter dem Leverkusener zuvor noch die eingeschränkte Schuldfähigkeit attestiert – das Gericht verurteilte ihn dennoch wegen versuchten Raubes, vorsätzlicher Körperverletzung und Beleidigung zu zwei Jahren Haft. Die Amtsrichterin ordnete zudem die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt an.