Leverkusen – Drehkreuz für illegalen Tabakhandel

Prozess vor dem Landgericht : Leverkusen – Drehkreuz für illegalen Tabakhandel

Staatsanwaltschaft und Zoll haben genau gezählt und gerechnet: Über 2,9 Millionen Zigaretten aus – vermutlich – illegaler Produktion in Polen wurden per großen Lkw nach Leverkusen gebracht und hier umgeladen.

Der entstandene Schaden durch die entgangenen Steuereinahmen: 827.291 Euro und 31 Cent.

Die Anklage, die vom Kölner Landgericht verhandelt wird, richtet sich gegen vier Männer und eine Frau im Alter zwischen 33 und 42 Jahren. Durch den Verkauf von unversteuerten Zigaretten wurden Steuern in genannter Höhe hinterzogen. Als zentraler Tatort gilt Leverkusen, hier wohnen drei Angeklagte, hier war ein zentraler Umschlag- und Verteilplatz. Hier schlugen Fahnder am 6. Dezember 2016 zu und stellten eine große Menge von Zigaretten sicher, als sie gerade für eine Auslieferung in einen Mercedes-Sprinter umgeladen werden sollten.

Solche Mengen an Tabak-Stäbchen ließen sich nur auf großen Paletten in kurzer Zeit bewegen. Dazu bedurfte es eines Gabelstaplers. Den konnte ein Bekannter des Hauptangeklagten und Drahtziehers bieten. Er arbeitete in einem Lager.

Der Arbeitstag lief zunächst ganz normal, wenn man einmal von einem Anruf gegen 15 Uhr absieht. Dabei wurde besprochen, dass gegen 19 Uhr eine Umladung vorgenommen werden soll. Der Mitarbeiter machte wie gewöhnlich um 17.30 Uhr Feierabend, um anderthalb Stunden später das Tor aufzuschließen und die Video-Überwachung vom Strom zu nehmen. Dann rollte die illegale Ware an. Es waren wohl mindestens vier Personen an der Aktion beteiligt: der Mitarbeiter, zwei Fahrer und der Drahtzieher.

Doch es gab zuvor einen anonymen Hinweis. Mittels Telefonüberwachung hatten die Ermittler einen konkreten Tipp auf die Umlade-Aktion, konnten die Täter festnehmen und die Ladung beschlagnahmen. Damit schloss sich der Kreis der Fahnder, die mindestens zehn Auslieferungen, zweimal bis nach Peine, feststellten.

Die Vermutung liegt nahe, dass es sich dabei um ein noch wesentlich größer angelegtes illegales Geschäft mit Tabak-Produkten handelt. Der Hauptangeklagte stand schon einmal vor dem Landgericht in Bonn, dort allerdings nur als Zeuge.
Am ersten Verhandlungstag wurde die Anklage gegen den Mitarbeiter der Lagerhalle unter Auflagen vorläufig eingestellt. Er hatte gleich ein umfassendes Geständnis abgelegt, wusste angeblich nichts vom Umladen der illegalen Ware und wollte einem Freund nur einen Gefallen tun. Man einigte sich auf eine Strafe von 6.000 Euro. Das Urteil dieses auf 17 Verhandlungstage vorgesehenen Verfahrens wird Anfang 2020 erwartet.

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