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Leverkusen: Die Nacht der Abertausend Weckmänner

Stress in Leverkusener Backstube : Die Nacht der Abertausend Weckmänner

Weil die Martinszüge ausfallen, brauchen Schulen die Stutenkerle zeitgleich. Und zwar einzeln eingetütet. Das bringt Stress in die Backstube von Stefan Willeke.

In der Backstube von Willekes wird es heiß. Klar. Wie jede Nacht, wenn dort Teige und Massen zu Brötchen, Brot, Kuchen und Co. im Ofen heranreifen. In der Nacht auf Sankt Martin wird es diesmal aber noch ein bisschen heißer als gewöhnlich. Und voller wegen der echt süßen Kerle. Auch hier hat wieder Corona die Finger im Spiel.

„In normalen Jahren verteilt sich die Weckmann-Bäckerei auf eineinhalb Wochen, weil die Schulen zu unterschiedlichen Zeiten ihre Umzüge haben und so die Weckmänner an verschiedenen Tagen brauchen“, berichtet Stefan Willeke. „In diesem Jahr gibt es aber keine Umzüge.“ Und so feiern die meisten Grundschulen, so gut es eben unter Corona-Vorgaben geht, am Martinstag selbst. Heißt für Willeke: die Nacht zum Tage machen und die süßen Kerle herstellen, was die Knethaken und fleißigen Hände hergeben. Gerade Letztere haben noch eine spezielle Aufgabe. Während in Nicht-Corona-Jahren die Schulen die Weckmänner auch unverpackt entgegengenommen haben, „müssen wir in diesen Jahr jeden einzelnen in eine Brötchentüte packen“, berichtet Willeke vor der großen Stutenkerl-Nacht.

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Da kommt einiges an Arbeit zusammen. „Ein paar Schulen haben schon ihre Weckmänner bekommen, aber wir werden in der Nacht auf Sankt Martin ein paar Tausend backen.“ Geliefert werden sie an Schulen in Leverkusen, Leichlingen und Langenfeld. Dafür wird Stefan Willeke samt Team früher aufstehen und mit geballter Kraft Hand anlegen. „Diese Menge auf einmal, das ist in diesem Jahr schon außergewöhnlich“, merkt er an.

Der Leverkusener Bäcker kommt beim Stichwort „außergewöhnlich“ auf eine weitere Besonderheit zu sprechen. Denn statt staatsen Kerls muss in der Backstube für Lützenkirchener Grundschulkinder noch etwas ganz Anderes hergestellt werden. „Martinsgänse“, sagt Willeke trocken. „An der Grundschule dort bekommen die Kinder statt der Weckmänner eben die Gänse.“ Sie erinnern an den Teil der Legende, wonach der bescheidene Martin sich in einem Gänsesstall versteckt haben soll, weil er nicht erpicht darauf war, Bischof von Tours zu werden. Die Gänse wollten es anders. Sie schnatterten laut. Das Versteck flog auf. Martin wurde zum Bischof geweiht.

Für Willeke macht es in der vielleicht heißesten Backstuben-Nacht des Jahres allerdings keine Unterschied ob Weckmann oder Gans: „Der Teig ist derselbe“, versichert er.