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Leverkusen: Die Dhünn ist ein Fluss der Erinnerung

Mein Fluss in Leverkusen : Die Dhünn riecht nach Geborgenheit

Viele verbinden ihre Kindheit mit Spielplatzbesuchen. Bei anderen ist es ein Fluss. Wie bei unserer Autorin.

Früher war der Besuch bei Oma und Opa immer mit einer Hunderunde an der Dhünn verbunden. Egal ob Regen oder pralle Sonne: Billy von Loredo, der Golden Retriever, musste raus. Manchmal bestritt auch Opa den Weg, allerdings in einem viel strammeren Schritt. Die kleinen Kinderbeine hatten Mühe mitzuhalten, Billy hingegen hatte einfach keine Lust auf Beeilung. Da machte er seinem adligen Namen alle Ehre.

Die Dhünn ist ein etwa 40 Kilometer langer Fluss, der im Bergischen Land entspringt und im Stadtteil Rheindorf in die Wupper mündet. Zum Glück verlief die Hunderunde aber nur an einem kleinen Stück des Flusses. Die etwa drei Kilometer lange Route war fast immer dieselbe.

Gestartet wurde am Rüttersweg in Bürrig. Es ging über die Moselstraße und dann immer entlang des Flusses bis zur Mündung in die Wupper.

Egal in welchem Alter erinnerte eine besondere Stelle an ein prägendes Erlebnis in der Kindheit. Damals schneite es  gefühlt mehr als heute, und der Schnee blieb liegen. Mit den Nachbarskindern ging es also auf eine lange Schlittenfahrt. Leider endete diese in der eiskalten Dhünn. Und auch da war Billy wieder zur Stelle: Er lief nach Hause und gab Oma zu verstehen, dass etwas nicht stimmte. Die holte dann das unterkühlte Kind aus dem Fluss.

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Genau an dieser Stelle, an der sich das unfreiwillige Bad im Winter ereignete, wurde im Sommer fröhlich geplantscht. Billy immer mit von der Partie. Am Ende des Tages waren Hund und Kind so kaputt, dass Oma genug Zeit hatte, den Tatort im Fernsehen zu schauen. Oft wählte Oma bei drückender Hitze auch die kurze Runde. Diese endete an der großen Brücke, über die der Westring verläuft. Übrigens: Der Westring hat sogar eine eigene Postleitzahl, obwohl der Straße keine Häuser zugeordnet sind. Unterschlupf bot die große Brücke aber damals wie heute, besonders bei plötzlich eintretendem Gewitter.

Waren die Temperaturen erträglich, führte der Weg bis zur Dhünnmündung, dort fließt der Fluss in die Wupper. Für ein Kind roch die Wupper nach frisch gewaschener Wäsche. War die Wupper noch bis Anfang der 1970er Jahre einer der am stärksten verschmutzen Gewässer, zeigte das später folgende Wasserschutzprogramm Wirkung. Und auch die Dhünn hatte einen ganz charakteristischen Duft, der auch heute noch ein Gefühl von Geborgenheit vermittelt. Heute könnte er als eine Mischung aus Matsch, dem Duft nach Sommerregen und einem Hauch Kläranlage beschrieben werden. Doch das Gefühl der Geborgenheit bleibt.

An der Wupper angekommen, folgte ein ausgiebiges Bad, was aus heutiger Sicht kaum vorstellbar ist. Denn in diesen Tagen hat die Wupper Hochwasser, die Fluten wirken bedrohlich, das eigene Wort verliert sich in dem lauten Rauschen. Ein schmaler, schlammiger Steg trennt an dieser Stelle Dhünn und Wupper. Es ist ein mulmiges Gefühl, zwischen den Wassermassen zu stehen. Um so unheimlicher wird die Vorstellung, dass hier einmal Menschen geschwommen sind.

Verändert hat sich auch die Dhünn. War sie früher ein geradliniger Fluss, ist sie heute zumindest wieder ein Stück in ihr natürliches Flussbett zurückgekehrt. Zur Landesgartenschau 2005 gestaltete der Wupperverband von Juli bis Oktober 2003 die Dhünn zwischen der Eisenbahnstrecke Köln-Düsseldorf und der Mündung in die Wupper naturnah um. Auf unserer gewohnten Hunderunde von früher wurde nicht nur das Flussbett umgestaltet, sondern wurden auch 1500 Ulmen, Eichen und Weiden gepflanzt.

Heute ist der Spaziergang an der Dhünn ein einsames Unterfangen. Obwohl dort immer noch viele Menschen mit ihren Hunden spazieren gehen und grüßen, so ist Billy schon vor vielen Jahren friedlich eingeschlafen. Und auch Oma ist nicht mehr dabei. Aber vor einem Spaziergang sagte sie heute noch: „Grüß’ mir die Dhünn, ich war schon so lange nicht mehr da unten.“ Die Beine tragen sie einfach nicht mehr so weit.

Ohne Oma und Billy ist es nicht das Gleiche. Aber das Gefühl von damals bleibt.