Leverkusen: Der Quartiershausmeister von Rheindorf

Quartiershausmeister in Leverkusen: Der Kümmerer von Rheindorf

Willi Gerst ist Quar-tiershausmeister und sieht in Rheindorf nach dem Rechten.Seine Arbeit wird über Bundes- und EU-Fördergelder finanziert. Die SPD will das Modell auf andere Quartiere der Stadt ausweiten.

Willi Gerst ist Quartiershausmeister und sieht in Rheindorf nach dem Rechten.Seine Arbeit wird über Bundes- und EU-Fördergelder finanziert. Die SPD will das Modell auf andere Quartiere der Stadt ausweiten.

Willi Gerst ist im Stadtteil Rheindorf ein bekannter Name. Denn der "Quartiershausmeister" ist nun schon seit einigen Jahren der "Mann für alle Fälle", wie er selbst über sich urteilt. Seit 2015 trägt er mit Hilfe des Biwaq-Projekts "RheindorferLeben" zur Verbesserung des Wohnumfelds und nachbarschaftlicher Kontakte bei. Ob Entrümpelung eines Kellers, Vermittlung bei Konflikten zwischen Mieter und Vermieter oder Unterstützung bei handwerklichen Tätigkeiten - der Quartiershausmeister ist bei vielfältigen Aufgaben die Person des Vertrauens. Und mit seinem Markenzeichen Handwerkerfahrrad ist er auch sofort zu erkennen.

Das Biwaq-Projekt konzentriert sich gezielt auf sozial-integrative Ansätze zur Verbesserung der Bildungseinrichtungen, zur Aktivierung von Bildungschancen und zur Erweiterung von Bildungszugängen in Rheindorf. So genießt unter anderem das seit April 2015 geförderte Sprachcafé der JSL (Job Service Leverkusen) einen starken Ruf, da es neben dem Lerntreff Hilfestellungen bei alltäglichen Fragen wie zum Beispiel der Bearbeitung von Anträgen, dem Ausfüllen von Formularen oder der Erstellung von Bewerbungsunterlagen bietet.

Generell steht das Netzwerken im Rheindorfer Stadtteilbüro im Vordergrund. Geht es zum Beispiel um das Thema Gesundheitsprävention oder Suchtvorbeugung, gibt es eine niederschwellige Unterstützungsstruktur. Das bedeutet, dass bei Suchtproblematiken jeglicher Art, sei es Spielsucht, Alkohol oder Drogen, frühzeitig Hilfe angeboten wird, um Betroffene wieder in den Arbeitsmarkt einzugliedern.

"Wir müssen die Netzwerke pflegen, damit für Bedürftige weiter Anschluss gefunden werden kann", sagt Miriam Lachnitt. Seit Anfang 2018 ist sie die Quartierslotsin, die ohne vorherige Anmeldung berät und hilft, die Angebote des Leverkusener Hilfenetzwerks wahrzunehmen und sich im Sozial- und Gesundheitssystem zu orientieren.

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Für Sozialdezernent Alexander Lünenbach ist diese Option ergänzend zur Behördenstruktur und kein Konkurrenzprodukt. "Das erinnert alles ein wenig an dörfliche Strukturen, die in einer großen Stadt verloren gehen", erklärte Arndt Kohn (SPD), Mitglied des Europäischen Parlaments, der das Stadtteilbüro exklusiv besuchte, um sich einen Überblick zu verschaffen, für welche Maßnahmen die EU-Finanzmittel konkret eingesetzt werden.

Die bewilligte Fördersumme für den Zeitraum von 2015 bis Ende dieses Jahres betrug rund 1,5 Millionen Euro. Auslaufen soll das Projekt allerdings nicht. Eine Verlängerung ist bereits beantragt und aktuell in Prüfung. Glaubt man den Aussagen Arndt Kohns, ist die Bewilligung nur eine Frage der Zeit. Er zeigte sich insgesamt begeistert von der Umsetzung: "Das ist ein Vorzeigeprojekt, wie die finanziellen Mittel effektiv genutzt werden. Da können sich andere Kommunen sicherlich eine Scheibe abschneiden."

Für die Leverkusener SPD ist das Projekt beispielgebend auch für andere Stadtteile und Quartiere. "Solche Ansprechpartner wollen wir in jedem Bezirk", fordert Ratsmitglied Sven Tahiri. So sollte das Konzept der Quartiershausmeister wie es in Rheindorf und Städten wie Essen und Gelsenkirchen schon seit einigen Jahren praktiziert wird auf die gesamte Stadt ausgeweitet werden. "Durch Quartiershausmeister steht den Bürgern stets ein kompetenter Ansprechpartner zur Verfügung.

Er kann sich um Probleme wie Vandalismus und illegale Abfallentsorgung kümmern", meint Dirk Löb, stellvertretender Fraktionsvorsitzender. Quartiershausmeister könnten dazu beitragen, dass vermüllte und von Vandalismus gebeutelte Quartiere verschwinden oder gar nicht erst entstehen, heißt es weiter. Die SPD hat diesen Vorschlag nun als Antrag für die Ratsgremien formuliert.

Demnach soll die Verwaltung nun ein entsprechendes stadtweites Konzept erstellen. Im Sozialausschuss stieß der Antrag aber bereits auf Skepsis, etwa bei der FDP. Zu viele Fragen seien ungeklärt, heiß es bei den Liberalen, so etwa der Zuschnitt der Quartiere oder auch die Finanzierung. Zusätzliche Kosten dürfen der Stadt nicht entstehen, lautet der Tenor. Nun ist die Verwaltung am Zuge. Sie hat den "Prüfauftrag" erhalten, diese Fragen zu klären.

(hawk)
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