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Leverkusen: Das Müttergenesungswerk braucht selber Unterstützung

Mehr Frauen auch in Leverkusen sind physisch und psychisch am Ende : Müttergenesungswerk braucht selber Unterstützung

Mehr Frauen sind physisch und psychisch am Ende nach dem Corona-Jahr mit Job, Haushalt, Homeschooling oder Pflege. Nie waren die Beratungsanfragen so hoch, berichten die Verantwortlichen. Weil die Spendensammlung per Sammeldose wegen Corona wegfällt, überlegen Aktive wie die kfd St. Remigius sich neue Wege der Hilfe.

Seit vielen Jahren sind die Ortsgruppen der Katholischen Frauengemeinschaft (kfd) rund um den Muttertag mit Sammeldosen unterwegs, um Spenden für das Müttergenesungswerk zusammenzutragen. Die üblichen Türkollekten am Ausgang der Kirchen ist zum zweiten Mal wegen der Pandemie nicht möglich. Jeder Ortsverein suchte nach vernünftigen Alternativen. „2020 haben wir die Sammlung in den September verschoben“, sagt Johanna Zurek, die sich schon seit mehreren Jahrzehnten in der kfd St. Remigius dafür verantwortlich fühlt. Dieses Jahr hat man sich in Opladen-Mitte für einen Spendenaufruf per Überweisung entschieden. Sie weiß, dass andere Gruppen beispielsweise etwas aus der Gemeinschaftskasse auf das Konto des Müttergenesungswerks in Köln überwiesen.

In der „Katholischen Arbeitsgemeinschaft Müttergenesung“, wie es offiziell heißt, werden die Spenden dringender gebraucht denn je. Nie waren die Beratungsanfragen so hoch wie jetzt, versichert Geschäftsführerin Ingrid Kahlke-Effenberger. Die KAG Müttergenesung ist bei der Caritas angesiedelt, die auch Beratungen anbietet und bezahlt. Dort ist die Anlaufstelle für Frauen, die der Doppelbelastung Familie und Beruf auf Dauer nicht gewachsen sind. 2020 ist durch Lockdown, Betreuungsproblem und Homeschooling eine Dreifachbelastung daraus geworden. „Wir haben auch immer mehr Zulauf von Lehrerinnen und Erzieherinnen mit Kindern, die einfach am Ende sind“, erzählt Kahlke-Effenberger.

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Auch, aber längst nicht nur, von Alleinerziehenden. Dazu kamen im Corona-Jahr mehr pflegende Angehörige, denen die Last zu viel wurde, weil Tagespflege, Hilfen und Betreuungsmöglichkeiten geschlossen oder stark eingeschränkt waren. Die Beratung vermittelt diese Frauen in Mütterkuren, in denen sie Kraft und Lebensmut tanken können. Die werden, wenn sie vom Arzt verschrieben wurden, von den Krankenkassen übernommen. Das war ursprünglich das Kernanliegen des Müttergenesungswerkes, als es vor es vor 70 Jahren von Elly Heuss-Knapp, der Frau des ersten Bundespräsidenten, gegründet wurde.

Inzwischen ist die Finanzierung einer Kur durch die gesetzlichen Krankenkassen geregelt. Aber es gibt einen Eigenanteil von zehn Euro pro Tag, den nicht alle Hilfesuchenden aufzubringen vermögen. In solchen Fällen springt das Müttergenesungswerk ebenso ein wie bei Fahrtkosten. „Besonders wichtig ist uns die Kurnachsorge“, erklärt Ingrid Kahlke-Effenberger, dass die meisten Spendengelder in Maßnahmen wie Wohlfühltage oder Workshops zu Entspannungstechniken investiert werden. Sonst wäre die Erholung nach einigen Wochen schnell dahin.

Während aktuell die Nachfrage steigt, aber die Spenden spärlicher eintreffen als in Normaljahren, können die Kurkliniken mit ihren strengen Hygienekonzepte weniger Menschen aufnehmen als sonst. Selbst wenn die Pandemie jetzt überwunden wäre, würde es noch bis Ende 2022 dauern, die bisherigen Anfragen abzuarbeiten. Und die Kliniken sind wegen geringer Auslastung und hoher Kosten längst am Limit. „Bis jetzt wurden unsere Häuser noch gerettet“, sagt Kahlke-Effenberger. „Aber die Pandemie darf nicht mehr lange dauern.“

Weitere Infos: www.muettergenesung-koeln.de.