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Leverkusen Das Bild der Woche aus dem Museum Morsbroich: A.R. Penck

Bild der Woche : Strichmännchen mit Hintersinn

Die RP stellt ausgewählte Arbeiten aus städtischem Kunstbesitz vor, die derzeit im Museum Morsbroich gezeigt werden. Diesmal: A.R. Penck „Ur End Standart“, 1972. Der 1939 in Dresden geborene Künstler arbeitete mit allgemeinverständlichen Icons, oder zumindest erinnern seine reduzierten Zeichen an entsprechende vereinfachte Abbildungen, wie Menschen sie schon in der Höhlenmalerei verwendeten.

Die Bedeutung des Wortes spielt im Werk von A.R. Penck eine wichtige Rolle. Die 1972 entstandene Serie „Ur End Standart“, die 1980 für die städtische Sammlung Morsbroich angekauft wurde, erinnert an gezeichnete Bildergeschichten. Wie ein Comic lässt sich die Folge von 15 Drucken, die derzeit in der Grafischen Abteilung im Dachgeschoss des Museums Morsbroich aufgereiht hängt, Blatt für Blatt lesen. Grafische Figuren, schlichte Strichmännchen bewegen sich in einem Labyrinth von Wellenlinien und Kreisen, Pfeilen und Streifen, von symbolhaften Zeichen und Graffiti.

Der 1939 in Dresden geborene Künstler arbeitete mit allgemeinverständlichen Icons, oder zumindest erinnern seine reduzierten Zeichen an entsprechende vereinfachte Abbildungen, wie Menschen sie schon in der Höhlenmalerei verwendeten. Und die verbindet er mit Schrift. Sie erklären nicht das verwendete Kunstwort „Standart“, sondern wecken Assoziationen für unterschiedliche Lesarten und Interpretationen. Etwa an die Schreibweise „Standard“ im Sinne von Norm oder mit angehängtem „e“ für Flagge/Banner, die „Standarte“. Es setzt sich zusammen aus den Substantiven „Stand“ (was ebenso im örtlichen Sinne als Standort, zeitlich als Zustand oder hierarchisch innerhalb einer Ständeordnung verstanden werden kann) und aus „Art“ (also Kunst, oder im Sinne von artifiziell als unecht/unnatürlich).

Die verwendeten Silben „Ur“ und „End“ vermitteln Anfang und Ende - von Raum und Zeit, Leben und Tod, Beginn und Abschluss. Penck selbst kommentierte sein Konzept: Es solle die heutige Kunst zu praktischen Zwecken zurückbringen. Wie seit Urbeginn Kunst die Grundsituation des Lebens verbildliche – die Jagd, den Kampf, das Leben der Gruppe –, so gehe es letztlich auch heute noch um das Überleben des Einzelnen und der Gesellschaft.

A.R. Penck verwendete mehrere Pseudonyme und hieß mit bürgerlichem Namen eigentlich Ralf Winkler. In den 1950er Jahren wurde er Mitglied der Künstlergruppe „Erste Phalanx Nedserd“, die künstlerisches Arbeiten ohne Kompromisse anstrebte. Ihnen verwehrte man in der DDR ein Akademiestudium. Winkler bewarb sich erfolglos an mehreren Hochschulen, verdiente seinen Lebensunterhalt als Heizer, Nachtwächter, Briefträger und Kleindarsteller in Filmen.

A.R. Penck wurde nach seiner Ausbürgerung aus der DDR Akademie-Professor in Düsseldorf. Foto: dpa/Victoria Bonn-Meuser

1966 wurde er unter dem Pseudonym A.R. Penck (nach dem Geologen und Eiszeitforscher Albrecht Penck) Kandidat des Verbandes bildender Künstler. Ab 1969 bekam er zunehmend Probleme mit der Staatssicherheit, die seine Bilder beschlagnahmte.

Zehn Jahre später lernte er seinen westdeutschen Kollegen Jörg Immendorf kennen, mit dem er fortan zusammenarbeitete. In ihren Arbeiten setzten sie sich für für dei Abschaffung der deutsch-deutschen Grenze und für DDR-Dissidenten wie Rudolf Bahro oder Robert Havemann ein. 1980 wurde Penck ausgebürgert, lebte in Kerpen, später in London und war unter anderem Professor für Malerei an der Düsseldorfer Akademie. Vor drei Jahren starb er in Zürich.