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Leverkusen: Corona-Krise spaltet den Ausbildungsmarkt

Folgen der Zwangspause : Corona spaltet den Ausbildungsmarkt

Durch die monatelange Zwangspause haben es Unternehmen schwer. Einige können 2020 keine Auszubildenden einstellen. Andere sehen die Krise als Chance und fahren ihre Lehrstellen hoch.

Wer in diesem Jahr in das Berufsleben starten will, macht das unter erschwerten Bedingungen. Die Corona-Pandemie hat teils drastische Folgen für viele Betriebe und Unternehmen. Auszubildende auf der Suche nach einer Lehrstelle müssen bei ihren Bewerbungen wohl mit Absagen rechnen – zumindest in einigen Teilbereichen der Wirtschaft. „Es entsteht bisweilen der Eindruck, dass der Ausbildungsmarkt tot ist, aber das ist er nicht“, sagt Christopher Meier, Geschäftsführer für Aus- und Weiterbildung bei der IHK Köln, die auch für Leverkusen und Leichlingen zuständig ist.

Der 42-Jährige stellt derzeit eine dreifache Spaltung des Arbeitsmarktes fest. Zum einen gebe es Betriebe, die durch die Krise hart getroffen seien und „im Moment andere Sorgen haben, als Auszubildende einzustellen“, wie Meier es umschreibt. Gemeint sind vor allem die Gastronomie, der Tourismus sowie das Hotel- und Ausstellungsgewerbe, teilweise aber auch das Handwerk oder der Einzelhandel. „Wer wochenlang zumachen musste, kümmert sich jetzt erstmal darum, dass es irgendwie weitergehen kann“, sagt Meier.

Zum anderen gebe es Unternehmen, die zwar auch stark von Corona betroffen sind, für die kommenden sechs bis acht Wochen aber gute Aussichten haben – Friseure zum Beispiel, aber auch viele Dienstleistungen. Und zuletzt gebe es noch die Betriebe, die gut durch die vergangenen Monate gekommen sind und wie bisher ausbilden wollen. „Es ist nicht alles so schwarz, wie es manchmal beschrieben wird, aber auch nicht mehr so bunt wie noch 2019“, sagt Meier. Es gebe aber nach wie vor viele freie Lehrstellen in der Region.

Das bestätigt Regina Wallau von der Arbeitsagentur Bergisch-Gladbach, die auch für Leverkusen zuständig sind. Sie verzeichnet 715 gemeldete Stellen. Aber es ist ein Rückgang feststellbar. Zum Vergleich: Im Vorjahr waren es zu diesem Zeitpunkt 963. „Etliche Arbeitgeber hadern noch, ob sie das Risiko eingehen wollen, einen Azubi einzustellen“, sagt Wallau. Das Wort Risiko sei dabei freilich in Anführungszeichen zu sehen. „Es gibt in vielen Branchen eine große Unsicherheit, wie es weiter geht.“ Auf jeden Bewerber kämen derzeit 0,83 Stellen in Leverkusen, sagt sie. Zudem sei abzuwarten, wie sich mögliche Insolvenzen auf den Markt auswirken. Gehe ein Unternehmen pleite, müssten seine Lehrlinge woanders ihre Ausbildung beenden – eine neue Konkurrenzsituation wäredie Folge, sagt Wallau.

Bei der Kreishandwerkerschaft Bergisches Land befürchtet man in allen Gewerken einen Rückgang. Geschäftsführer Marcus Otto betont aber auch: „Der Markt ist total heterogen, sogar innerhalb bestimmter Branchen.“ Entsprechend gebe es keine pauschalen Aussagen zum Ausbildungsmarkt.

Dennoch plädiert er für ein schnelles und entschiedenes Handeln der Politik. Genehmigungsverfahren etwa für Bauprojekte müssten beschleunigt, Vergabeverfahren erleichtert und Bürokratie abgebaut werden. „Wir verstärken zudem unsere Akquise, um das Verhältnis von Suchenden und verfügbaren Stellen in Einklang zu bringen.“

Harry Voges geht dabei mit gutem Beispiel voran. Der Geschäftsführer der AGU Planungsgesellschaft – ein Unternehmen, dass sich unter anderem der Digitalisierung industrieller Prozesse widmet – stockt seine Lehrstellen in diesem Jahr auf. „Wir bilden zusätzlich zu den drei Fachinformatikern, die wir bereits haben, einen weiteren aus“, sagt der 60-jährige Chef von 65 Mitarbeitern. Zudem gehen bei ihm eine Bürokauffrau sowie ein technischer Systemplaner in die Lehre. Voges sieht die Krise als Chance: „Jetzt ist genau die Zeit, um gute Leute zu finden. Mit Blick auf den Fachkräftemangel und die demografische Entwicklung müssen wir junge Menschen mit Potenzial ausbilden, um weiterhin zukunftsfähig zu sein.“