1. NRW
  2. Städte
  3. Leverkusen

Leverkusen: Corona Krankenhäuser bemerken Rückgang der Patienten

Patientenschwund in Krankenhäusern : Corona-Angst schreckt Patienten ab

Aus Sorge, sich im Krankenhaus anzustecken, bleiben akut schwer Erkrankte zu Hause. Mit deutlichen Folgen, sagt Prof. Peter Schwimmbeck.

Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie hat festgestellt, dass die Zahl der Herzinfarkte in den Kliniken in der Corona-Krise um 40 Prozent abgenommen hat. Eine gute Nachricht? Eher nicht, ist sich Prof. Peter Schwimmbeck sicher. Denn der Kardiologe und Leiter der medizinischen Klinik 1 im Klinikum lehrte die Erfahrung der vergangenen Wochen etwas anderes: „Die Leute kommen aus Angst, sich mit dem Coronoavirus zu infizieren, nicht mehr ins Krankenhaus. Selbst dann nicht, wenn sie heftige Schmerzen haben.“ Die Folge: Wer deshalb erst später zu Schwimmbeck und seinen Kollegen kommt, hat meist schon einen schweren Herzinfarkt erlitten. Für die Mediziner wird es immer schwieriger, dem Patienten zu helfen. „Ein bis zwei Stunden nach dem Infarkt lässt sich fast noch alles reparieren“, betont Schwimmbeck. „Der Herzmuskel fängt nach sechs Stunden an abzusterben, wenn er nicht durchblutet wird.“

Was in der Theorie ungut klingt, untermalt der Kardiologe mit einem Beispiel. Ein Mann in seinen 50ern, der vor etlichen Jahren wegen einer Verengung am Herzen behandelt werden musste, hatte an einem Wochenende Mitte April starke Schmerzen in der Brust. Der Mann rief den ärztlichen Notdienst. Bis der eintraf, waren die Schmerzen etwas besser geworden. „Der Arzt riet ihm zum Krankenhaus, das lehnte der Mann ab“, berichtet Schwimmbeck. Der Patient bekam ein Medikament. Und Montag wieder heftige Schmerzen. Die verschlimmerten sich bis Mittwoch so sehr, dass der Mann doch ins Klinikum kam. „Er hatte ein Infakrt erlitten, ein kleiner Teil des Herzens war abgestorben, die drei Herzkranzgefäße stark verengt. Er hatte großes Glück, dass er noch lebt.“ Schwimmbeck hakte nach, warum er nicht schon am Sonntag gekommen sei. „Die Antwort: Man höre aus den Medien, die Kliniken seien überlastet. Er habe sich zudem nicht mit dem Coronavirus anstecken wollen.“

Peter Schwimmbeck hat noch ein zweites Beispiel parat, das einem den Atem stocken lässt: Ein alleinerziehender Vater Mitte 50 mit Diabetes hielt sich trotz heftiger gesundheitlicher Probleme drei Tage in seiner Wohnung auf – aus Angst vor einer Corona-Infizierung. Drei Tage, in denen sich ein entgleister Diabetes entwickelte. Am dritten Tag war der Mann nicht mehr ansprechbar, eines der Kinder wusste sich nicht anders zu helfen als beim Jugendamt anzurufen. Das Amt informierte den Notarzt. „Der Mann hatte einen Zuckerwert von 2000, das ist nur noch grenzwertig mit dem Leben vereinbar. Normal ist ein Wert wischen 60 und 80“, erläutert Schwimmbeck. Auch dieser Patient habe enormes Glück gehabt.

Corona, sagt der Arzt, sei weltweit ein großes Problem. Social Distancing sei gut, aber Angst müsse niemand haben, sich im Klinikum oder in anderen Krankenhäusern in der Stadt anzustecken: „Wir, wie alle Kliniken in Deutschland, achten wirklich extrem darauf. Patienten ohne Covid-19 kommen mit Betroffenen weder in der Zentralambulanz noch auf den Stationen in Berührung.“ Es werde ab der Ambulanz alles streng getrennt. „Es dürfen keine Patienten mit anderen Erkrankungen wegen Corona-Angst auf der Strecke blieben“, appelliert Schwimmbeck an alle, die deutliche akute gesundheitliche Probleme haben, den Weg in die Krankenhäuser nicht zu scheuen. „Ob wir Corona-Zeiten haben oder nicht: Besser zweimal zu viel vorgestellt, als einmal zu wenig.“