Umwelt : Bürger kämpfen seit elf Jahren gegen die CO-Pipeline

Es ist ein Satz, der Erwin Schumacher seit elf Jahren aufregt. Ein Satz in der Erstauflage eines Infoheftchens für die Bürger entlang der CO-Pipeline zwischen Dormagen und Krefeld-Uerdingen, die die damalige Kunststoffsparte des Bayer-Konzerns herausgab.

Darin heißt es unter der Frage „Kohlenmonoxid – wie gefährlich ist das?“ unter anderem „Es ist kein ungefährliches Gas – in größeren Mengen eingeatmet kann es tödlich wirken, weil es die Aufnahme von Sauerstoff im Körper verhindert.“

Schumacher muss auch jetzt noch tief Luft holen, als er erzählt, Bayer habe in späteren Auflagen der Broschüre den Satz herausgenommen. „Was sollte denn eine größere Menge sein? Fakt ist: Schon eine Konzentration von unter einem Prozent in der Umweltluft ist tödlich. Da kann man wohl nicht von einer größeren Menge sprechen.“

Seit eben elf Jahren kämpft der Monheimer mit in den Bürgerbewegungen gegen die Pipeline, die das giftige Gas zwischen zwei Standorten, an denen Covestro, die ehemalige Bayer Kunststoffsparte Material Science, produziert, transportieren möchte. Der neue Covestro-NRW-Chef Daniel Koch hatte jüngst noch einmal betont: Die Pipeline sei der sicherste Weg, das Gas zu transportieren. Und: Für Covestro steht fest: „Wir haben keinen Anlass, aus dem Projekt rauszugehen“, sagt NRW-Chef Daniel Koch. „Wir brauchen die Pipeline für Kohlenmonoxid. Sonst entsteht uns ein Wettbewerbsnachteil.“

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Schumacher betont, dass die Rohre, die in der Pipeline verbaut sind, „Rolls-Royce“-Qualität hätten. Aber die Art, wie sie verbaut seien, mache dem gelernten Maschinenbaumeister heftige Sorgen: Die Geo-Gritt-Matte sei in Sachen Sicherheit wirkungslos. Das so genannte Schnüffelrohr, das messen soll, ob Gase austreten, „sei so mit Lehm ummantelt, dass das nichts mehr messen kann“, und die Verlegung der Rohre, die „spannungsfrei verlegt werden müssten“, sei „dilettantisch ausgeführt“ worden von Sub-Sub-Unternehmen“ der von Bayer/Covesro beauftragten Firma, wirft Schumacher dem Konzern vor.

„Da wurden Rohre gebogen und gezogen, dass natürlich Spannung darauf kommt, sagt Schumacher. Teils seien die Rohre auch schon angerostet. Er hat Vieles in den vergangenen Jahren fotografiert, gefilmt, dokumentiert und war mit Medien aller Art an der Leitung.

Was ihn jüngst extrem aufregt hat, war die Aussage von Covestro zum Oberverwaltungsgericht Münster: „Schon 2014 hatte das OVG geäußert, keine grundlegenden Bedenken hinsichtlich der Konzeption der Leitung in Sachen Sicherheit und Trassenverlauf zu haben.“

Erwin Schumacher bestreitet das: Das Urteil damals habe sich nur auf die Rechtswidrigkeit der Enteignung des Landes für den Pipelinebau konzentriert. „Die Richter haben explizit gesagt, es gehe in dem Verfahren nicht um die Sicherheit und den Verlauf  der Pipeline. Dies werde in einem anderen Verfahren geklärt“, sagt Schumacher. Und dieses andere Verfahren laufe noch.

Covestro hatte dies jüngst noch einmal im Zusammengang mit einer Entscheidung der Bezirksregierung Düsseldorf zu einer Planfeststellungsänderung berichtet. Erwin Schumacher lässt sich von dem positiven Bescheid der Bezirksregierung aber nicht verschrecken. „Hier geht es um Kitas, Schulen, Seniorenheime, Krankenhäuser und private Gärten, an denen die Pipeline nah vorbeiläuft. Wenn an der Leitung etwas passiert, ist das Problem unbeherrschbar.“

Dies will Schumacher  auch dem NRW-Ministerpräsidenten Armin Laschet gerne erläutern. Wenn er denn einen Termin bei Laschet bekäme. Schumacher: „Bisher hat es noch nicht geklappt. Aber ich mache auf jeden Fall weiter. Wie viele andere auch.“ Auf die Frage, wie es mit der Pipeline in fünf Jahren stehe, antwortet er: „Ich bin überzeugt, auch dann wird noch nichts passiert sein. Sie wird auch dann noch nicht in Betrieb gegangen sein.“