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Leverkusen: Briefmarkenfreunde Opladen feiern 100-jähriges Jubiläum

Vereine in Leverkusen : Briefmarken: 100 Jahre Freude am Sammeln

Als der Verein gegründet wurde, mussten die Briefmarkenfreunde erst bei der britischen Besatzung um Erlaubnis bitten. Die Zeiten haben sich geändert, die Leidenschaft für Briefmarken nicht.

Es ist rund 100 Jahre her, da trafen sich im damals noch beschaulichen Opladen Männer und Frauen und besiegelten ihr neues Hobby: Briefmarken. Das Feuer für das kleine, viereckige Papier wurde bis heute bewahrt: Unter dem Dach der Briefmarkenfreunde Opladen ist noch immer eine Gemeinschaft aktiv.

Der Verein startete unter schwierigen Voraussetzungen, berichtet Vorsitzender Michael Böll. Denn der Kölner Raum stand nach dem Ersten Weltkrieg unter britischer Besatzung. „Man musste sich also die Erlaubnis für den Verein einholen“, sagt Böll. Zudem unterstellten sich die Gründungsmitglieder den klaren Regeln der Briten: „Es gab die Auflage, dass keine Politik betrieben werden durfte.“ Dennoch entwickelte sich die Freizeitbeschäftigung prächtig und sprach gerade die obere Gesellschaft an. Denn die Marken wollten finanziert werden. Den Drang zum Besitz immer neuer Marken spüren die Opladener Briefmarkenfreunde heute noch genauso. Doch müssen sich die Sammler einer harten Realität stellen: der Digitalisierung. „Das Interesse junger Leute für Briefmarken nimmt ab“, erzählt Böll.
Als der 58-Jährige im Alter von zwölf Jahren mit dem Hobby begann, gab es noch viele Sammler. „Damals war es für mich eine Faszination“, sagt er. „Das war ein bisschen Geschichte, ein bisschen Erdkunde.“ Sein Allgemeinwissen wuchs. Nach dem sporadischen Beginn, nahm der Sammeleifer Struktur an: Böll wurde Mitglied bei den Briefmarkenfreunden. Dort sitzt er nun 25 bis 30 Gleichgesinnten vor.

Die Briefmarke als Wertanlage ist nur bedingt empfehlenswert. Einen Markt für sie gibt es. Weil es weiter Menschen gibt, die bereit sind, viel Geld dafür auszugeben. „Da sind relativ teuere Werte dabei“, betont Böll mit Blick auf die eigene Sammlung. Er sammelt Einzelexemplare auf Poststücken, und bezahlte zuletzt 4500 Euro für solch einen gestempelten Brief. Sein Rat: „Man muss sich damit beschäftigen“, sagt der 58-Jährige. Viele Marken fallen im Wert. Andere können gar nicht fallen. Wichtig ist vor allem, dass die Sammlung vom Dachboden nicht einfach weggetan wird. Böll berichtet von einer Auflösung, bei der die Marken den Wert eines Einfamilienhauses erbrachten.

Um Interessierten den Einstieg ins Hobby zu erleichtern, können Anfänger im „Kaufhaus im Dorf“ in Lützenkirchen ein bis zwei Alben kostenlos an sich nehmen. „Das Angebot richtet sich vor allem an Kinder“, betont Böll. Der Verein erhofft sich dadurch etwas mehr Nachwuchs.

Wenn die Corona-Regeln gelockter werden, wollen die Briefmarkenfreunde ihr Jubiläum gebührend feiern – unter anderem mit einer Ausstellung in der Stadtbibliothek.